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Sie machen Kunst, sind aber arme Schlucker: „La Bohème“ läuft am Donnerstag wieder am Theater Lüneburg. Foto: Theater/tonwert21

Jetzt geht es auf die Straße

Lüneburg. Einen Erfolg können die kommunalen Theater Niedersachsens bei ihrem Kampf um eine existenzsichernde Förderung immerhin melden: Das Publikum steht hinter ihnen. Die in Göttingen gestartete Petition #rettedeintheater hat die angestrebten 5000 Unterschriften locker erreicht. Die meisten der mittlerweile knapp 12.800 Unterschriften kommen regional betrachtet aus dem Raum Lüneburg – mehr als 2600.

Das Theater Lüneburg sammelt auch direkt weiter Unterschriften – zu den Öffnungszeiten an der Theaterkasse sowie an Infoständen bei den Vorstellungen. Online läuft die Petition #rettedeintheater ebenfalls weiter. Allein 41 Seiten mit jeweils rund 30 Kommentaren der Online-Unterzeichner listen auf, wie sehr die Gefährdung der Theater Menschen bewegt.

Petition wurde an alle Politiker des Landtags verschickt

Ziel des Protestes ist es, Realität werden zu lassen, was der SPD/CDU-Koalitionsvertrag zusagt, nämlich die Erhöhung der Grundförderung der kommunalen Theater. Sechs Millionen Euro, auf die sechs Theater verteilt, sollten nach Gesprächen mit dem Ministerium fließen. Nun steht die Summe nicht im Landeshaushalt. Die Theater bräuchten nach eigenen Angaben eigentlich ein Plus von neun Millionen Euro.

Die Petition wurde mittlerweile an alle Politiker des Landtags verschickt – mit Bitte um Stellungnahme. Erste Reaktionen trudeln ein. Darin stimmen Politiker von SPD, FDP, CDU und Grünen der Resolution zu. Von der Masse der Politiker fehlt zwar bisher eine direkte Reaktion, aber auf Ebene der Abgeordneten und Fraktionen ist das Thema offenbar angekommen – kurz vor den entscheidenden Haushaltsberatungen.

Kostenloser Bustransfer nach Hannover

Am 24. Oktober ziehen die betroffenen Theater zu einer „Parade“ nach Hannover. Künstler, Theatermitarbeiter sowie interessierte Zuschauer nehmen daran teil. Das Theater Lüneburg organisiert einen kostenlosen Bustransfer nach Hannover. Drei Busse sind mittlerweile voll, ein vierter füllt sich. Zur Finanzierung der Fahrt, die um 9 Uhr startet, werden Spenden gesammelt. Wer mitfahren will, sollte sich schnell per Mail an verwaltung@theater-lueneburg.de melden.

Die Politiker der Region stärken dem Theater ebenfalls den Rücken. In einer – ohne Gegenstimmen angenommenen – Resolution wird, wie berichtet, vom Kreistag die Umsetzung der in Aussicht gestellten Zahlungen des Landes Niedersachsen an die kommunalen Theater gefordert. Ohne diese Unterstützung sei die kulturelle und integrative Arbeit der kommunalen Theater gefährdet. Hingewiesen wird in der Resolution darauf, dass Niedersachsen zu den „Schlusslichtern“ bei den öffentlichen Kulturausgaben zählt. Finanziell schlechter aufgestellte Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern haben ihre Theatermittel in den vergangenen Jahren nachhaltig erhöht. Im Rat der Stadt wird das Thema ebenfalls aufgegriffen.

Theater Lüneburg auf die Straße

Der zuständige Minister Björn Thümler (CDU) machte in einem Interview der LZ allerdings keine Hoffnung auf einen verstärkten Einsatz des Landes. Sein Ministerium hatte bei den Haushaltsberatungen besagte sechs Millionen Euro im Plan, der Finanzminister strich sie. So bleibt es bisher bei gut 25 Millionen Euro, verteilt auf Osnabrück, Wilhelmshaven, Hildesheim, Lüneburg, Celle und Göttingen sowie das Göttinger Symphonieorchester. Zum Vergleich: Die drei Staatstheater Hannover, Braunschweig und Oldenburg erhalten knapp 96 Millionen Euro im Jahr.

Das Theater Lüneburg geht am kommenden Sonnabend auf die Straße. Ab 10 Uhr wird es einen Stand auf der Bäckerstraße geben. Weitere Informationen hat das Theater unter www.theater-lueneburg.de/rettedeintheater ins Netz gesetzt.

Von Hans-Martin Koch