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Die Piraten kommen und haben im so fernen wie nahen Nimmerland jede Menge Spaß an der Attacke. Foto: Theater/Tamme
Die Piraten kommen und haben im so fernen wie nahen Nimmerland jede Menge Spaß an der Attacke. Foto: Theater/Tamme

Die Schule kann warten

Lüneburg. Das wäre natürlich eine dolle Sache: immer Kind sein, ein Abenteuer jagt das nächste, aber nix Schlimmes wird passieren. Alles ist möglich, sogar das Unmögliche, selber fliegen zum Beispiel. „Die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende“, hat Grönemeyer gesungen. Aber das Leben ist leider nicht so, das Aufwachen im Erwachsensein zerstört das Federleichte, Unbegrenzte. Nur die Phantasie fliegt weiter, so wie „Peter Pan“, der Junge, der nicht erwachsen werden will. Jetzt landet er im T.3 des Theaters, und wer noch eine Karte erwischt, dem werden 105 Minuten wie im Nu vergehen.

Das Junge Musical, eine Kooperation von Theater und Musikschule, hat „Peter Pan“ einstudiert, in der Musicalfassung von George Stiles. Die Musik kommt aus dem Kosmos des Musical-Pop, zieht das Tempo an, gibt Raum für Nachdenkliches und trumpft mit großen Chören auf. Daniel Stickan leitet die Band, die viel von dem, was geschieht, illustriert – und es geschieht viel.

Es gibt keinen Stillstand

Friedrich von Mansberg hat als Regisseur wie in den Vorjahren eine riesige Schar von Akteuren zu dirigieren. Es gibt keinen Stillstand. Das klappt auch deswegen, weil Barbara Blochs Bühnenbild mit einfachen Mitteln mehrere Spielorte öffnet: hinten ein großes Fenster Richtung Nimmerland, wohin Peter Pan die träumenden Kinder mitnimmt. Die Rampe vorn eignet sich ideal, um Piraten und Indianer – auf sie mit Geheul! – die Bühne stürmen zu lassen.

Barbara Bloch hat auch die Kostüme entworfen: Indianer wie aus dem Karl-May-Roman, Piraten wie aus der Karibik und Peter Pan hat etwas von Robin Hood. Den jungen Spielern wird schon die Verwandlung Spaß machen, und den nehmen sie mit auf die Bühne. Nichts wackelt, sie spielen und singen mitreißend – für Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde sowieso, aber auch der neutralere Besucher wird angesteckt.

Es passiert eine Menge, obwohl die Inszenierung mehr aus einzelnen Spielszenen besteht, weniger aus einer sich dramatisch zuspitzenden Geschichte. Die junge Wendy (Franziska Meyer, alternierend Emma Fee Schicke) und ihre Geschwister, die Peter Pan folgen, werden in Kämpfe verwickelt, aus denen es kaum einen Ausweg zu geben scheint. Aber zum Glück ist Käpt‘n Hook, der Peter Pan am liebsten zerstückeln würde, nur mit dem Mundwerk ein Held. Sascha Littig, einer der wenigen Profis im Team, spielt den Fiesen, kann sich austoben, Die Fiesen haben oft die effektivsten Rollen, warum nur?

Fast alle Vorstellungen sind ausverkauft

Als Erzählerin bzw. erwachsene Wendy bricht Juliana Kratz die Geschichte auf, macht den Riss zwischen Traum und Aufwachen deutlich. Der Riss wird auch am Ende deutlich: Bei allem Trubel gelingt es Janosh Kratz als Premieren-Peter (alternierend wird es Justus Tribian sein), in einer gefühlvoll zugeschnittenen Szene das Ende auch seiner Kindheit spüren zu lassen. Aber ach was! Jetzt noch nicht! Peter fliegt wenigstens einmal noch neuen Heldentaten in Nimmerland entgegen; die Schule muss warten. Tinkerbell (Jakob Linus Orth), die coole Fee, wird ihm folgen.

Viele Profis haben hinter den Kulissen geholfen, Anna Schwemmer als Vocal-Coach, Rhea Gubler als Choreographin, und Jan-Philip Walter Heinzel hat als Kampfchoreograph einige Mut fordernde Szenen einstudiert.

Auf den Trubel auf der Bühne folgt der Jubel auf den Rängen. Nur das mit den Karten, das ist ein Problem. „Peter Pan“ wird zwar oft aufgeführt, aber fast alle Ausstellungen sind ausverkauft. Das Junge Musical findet eben Jahr um Jahr mehr Freunde, bei Akteuren wie beim Publikum. Beim Ansturm aufs Mitmachen könnte mittlerweile eine zweite Gruppe loslegen. Das wäre natürlich auch eine dolle Sache.

Von Hans-Martin Koch

Das Team

Sie werden nie erwachsen

Mit dabei sind außer Genannten: Margarita Georgiadis (Liza), Arndt Möller (John), Tomek Endsin (Michael), Lena Olmützer (Nana, Hund), Lillian Matern/Leonie Wiegmann (Tiger Lilly), Anna Perczynski/Miriam Wantikow (Smee).
Die verlorenen Jungs sind Anton von Mansberg, Juri Endsin, Arne Wachtel, Henrik Schröder, Leo Ehmke-Janell und Gunt Temuujin.

Die Bühne als Piraten entern Julia Ludewigs, Irina Kireeva, Edith Claußen, Jona Hoek, Nike Just, Fenja Gerken, Pia Naegeli und Belana Pittin.

Auf den Kriegspfad ziehen die Indianer Leonie Sophie Meyer, Victoria Flecke, Hendrikje Klamm, Liske Ritter, Anneke Kramer, Sarah Zürneck und Nawar Al-Refaai.

Die Band: Daniel Stickan (Klavier), Marcus Theilmann (Schlagzeug), Joschka Parienté (Gitarre), Alexandra Schmeling (Keyboard), Celina Hüttner und Jeremy Stoppel (Cello), Ben Matthis Wroblewski (Posaune), Hanna Brune (Querflöte) und Sebastian Brandt (Bass).

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