Aktuell
Home | Kultur Lokal | Europas Betrug an den Griechen
Wolfgang Schorlau recherchiert genau für seine Bücher und deckt dabei Unbequemes auf. Foto: t&w

Europas Betrug an den Griechen

Lüneburg. Der Autor ist froh, dass sein Ermittler überhaupt noch mit ihm spricht. Denn auf Georg Denglers Konto sah es lange mau aus, die Aufträge brachten dem ehemaligen BKA-Mitarbeiter wenig ein. „Kannst du mir nicht mal eine Erbtante oder einen Lottogewinn ins Buch schreiben?“, habe er seinen Erschaffer Wolfgang Schorlau gebeten. So erzählt es der Autor, der zum zweiten Mal Gast des Lüneburger Krimifestival ist.

Der Erfolgsautor weiß: „Kein Mensch mag reiche Privatdetektive“. Zum Glück hat Dengler mit Petra Wolff eine Sekretärin gefunden, die Ordnung und vor allem ansehnliche Einkünfte in sein Leben bringt. Denn Denglers neuer Auftraggeber – das Auswärtige Amt – bezahlt ausgesprochen gut. Im Gesellschaftshaus der PKL las Schorlau aus „Der große Plan – Denglers neunter Fall“. Allein der Weg zum Ort der Lesung durch den dunklen Park, vorbei an windgeschüttelten Bäumen und den Schatten der Gebäude bot eine nahezu perfekte Einstimmung auf eine Krimilesung.

Brillant recherchiert

Denglers neuester Fall führt nach Griechenland, zurück in die Geschichte der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges und ins Heute. Das, was der Öffentlichkeit als finanzielle Hilfe für ein marodes Griechenland verkauft wurde, stellt sich bei Schorlau gänzlich anders dar. „Die 14 größten Banken schließen untereinander Wetten ab, auf alles, auf das man wetten kann“, erläutert Schorlau die Hintergründe seines Romans, der wie gewohnt brillant recherchiert worden ist. Und so wurde auch auf das schwächste Glied in der EU-Kette gewettet – auf Griechenland. „Das Empörende daran ist, wie uns das über Monate verkauft wurde. Alle Medien gaben ungeprüft das Märchen vom ’faulen Griechen‘ wieder“.

Zumindest Anna Hartmann, deren Verschwinden Dengler und seine Partnerin Olga aufdecken wollen und die für die EU-Troika in Griechenland arbeitet, um das Land wieder „wettbewerbsfähig“ zu machen, durchschaut die kriminellen Manipulationen der Finanzwelt. Ihre besondere Beziehung zu Griechenland liegt nicht nur in der Liebe zum Künstler Petro begründet, sondern führt zurück auf die andere Zeitebene während der deutschen Besatzung.

Am Ende der Lesung und am Ende des Buches fragt sich der Leser: Wie konnte die Welt es zulassen, dass Griechenland durch die Troika ausgenutzt und bestraft wurde? Das wird man vielleicht einmal Dengler selbst fragen können, denn Schorlau verspricht: „Wenn ich ein drittes Mal nach Lüneburg eingeladen werde, kommt Dengler mit.“

Von Silke Elsermann