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In der Konzertscheune des Kulturforums baute der frischgebackene Zauberweltmeister Marc Weide eine Leinwand für Filme und Live-Übertragungen auf. Foto: t&w

Zauberer der neuen Generation

Lüneburg. Der Zauberweltmeister erschien nicht mit Donner, Rauch und Blitz, er trug auch keinen schwarzen Umhang, sondern Schlabberlook, und sagte zur Begrüßung : „Hi“. Das also ist Marc Weide, der junge Mann, der gerade in Südkorea zum Besten seiner Zunft gekürt wurde. Im ausverkauften Kulturforum empfing ihn das Publikum mit lautem Applaus, was ihm erstens ein Lächeln entlockte und dann ein zweites Wort: „Na?!“

Marc Weide, geboren 1991 in Wuppertal, Zauberkünstler, Entertainer und Fernsehmoderator, benötigt kein Brimborium, eher wirkt er wie ein Poetry Slammer, der dauernd kichert, ein Comedian, und tatsächlich transportiert der Abend auch Spaß-Elemente, das verspricht schon der Titel: „Hilfe, ich werde erwachsen!“ Viele junge Eltern waren mit ihren Kinder gekommen, das passte. Geboten wurde eine zweistündige Coming-of-Age-Show, in der Literatur würde man so etwas als Bildungs- oder Entwicklungsroman bezeichnen.

Keine Zaubershow ohne Spielkarten

Marc Weide erzählte, wie er mit elf Jahren dem legendären David Copperfield begegnete, wie er daheim seinen ersten Zauberkasten geschenkt bekam und später nach Las Vegas reiste, gewissermaßen in das Reich der großen Zauberer. Er brachte sogar einen Film mit nach Lüneburg, ein Homevideo, auf dem der Zauberer vor der Familie seine erste Show abliefert und Muttern mittendrin etwas unmotiviert „Zugabe!“ rief. Live gezaubert wurde aber auch.

Mitgebracht hatte der Zauberer außerdem einen knallbunten Schultornister, aus dem er seine Utensilien herauskramte. Keine Zaubershow ohne Spielkarten, Münzen, Würfel und Becher. Das Hantieren mit so kleinen Dingen wirkt allerdings nur, wenn der Zuschauer einigermaßen dicht dran sitzt. Da wäre es bei den hinteren Reihen der 450 Besuchern in der langgestreckten Halle kritisch geworden, weshalb Weide sich mit einer Videokamera und einer Leinwand behalf; trotzdem musste man bei so manchem Trick einfach glauben, dass er geklappt hat. Zum Beispiel, als er drei Eheringe aus dem Publikum zu einer kurzen Kette verband und die guten Stücke natürlich wieder unbeschadet zurückgab. Das war schon ein bisschen schade.

Münzen wandern von einer Hand in die andere

Verblüffend ist so etwas trotzdem, zumal Marc Weide immer wieder die Besucher um Mithilfe auf der Bühne bat, also einige Zuschauer bei den Tricks dicht an sich heran ließ. Münzen wandern von einer Hand in die andere, verschwinden und tauchen wieder auf, der Karten-Klassiker „Ziehen Sie bitte eine Karte“ wurde zum Leitmotiv – in einem Fall tauchte die gezogene Karte plötzlich auf dem T-Shirt des Zauberers auf.

Mit dieser Nummer wurde Marc Weide vor ein paar Monaten im südkoreanischen Busan Sieger in der Sparte „Parlour Magic“, also Magie im Salon, im kleinen Rahmen. Dabei setzte er sich, wie der frischgebackene Meister erzählte, sogar gegen jemanden durch, der auf der Bühne zehn Tauben und vier Schafe hin- und herzauberte.

Zehn Minuten maximal, das war Bedingung, wer überzog, flog gnadenlos raus. Marc Weide, der vorher dramatisch nervös war, benötigte neuneinhalb Minuten, und alles klappte – nur der Abgang nicht, er ging nach links ab, statt nach rechts, und wurde von einem Tontechniker wieder zurück auf die Bühne geschubst. Geschadet hat es ihm bei der Jury offensichtlich nicht, er ist ja auch noch jung, und die Sympathien des Lüneburger Publikums hat er nun auch.

Von Frank Füllgrabe