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In Hannover demonstrierten Theater für die Sicherng ihrer Zukunft. Foto: Clemens Heidrich

Stadtpolitik pocht auf mehr Geld fürs Theater

Lüneburg. Das Lüneburger Theater hat bei seinem Kampf um die im Koalitionsvertrag von SPD und CDU avisierte stärkere finanzielle Unterstützung weitere Rückendec kung aus der Lüneburger Kommunalpolitik erhalten. Die Fraktionen SPD, Grüne, CDU, Linke und FDP verabschiedeten am Donnerstagabend im Stadtrat eine Resolution, mit der sie die Landesregierung auffordern, „für die niedersächsischen Kommunaltheater mehr Geld bereitzustellen“.

Zugleich appellieren die fünf Ratsfraktionen an die Landtagsabgeordneten aus der Stadt und dem Landkreis Lüneburg, „sich mit Nachdruck für die Bereitstellung zusätzlicher Mittel in den kommenden Haushalten einzusetzen“.

Eine ähnliche Forderung hatte bereits vor etwas mehr als einem Monat Lüneburgs Kreistag an die Landespolitik adressiert. Streitpunkt sind jene zusätzlichen sechs Millionen Euro pro Jahr für die kommunalen Theater, auf deren Zusage durch Kultusminister Björn Thümler (CDU) sich deren Vertreter berufen. Das Geld ist indes im aktuellen Haushaltsentwurf der Landesregierung derzeit nicht berücksichtigt.

„Theater kann Stachel im Fleisch der Gesellschaft sein“

Lüneburgs Stadtverwaltung hatte zur Stadtratssitzung eine Übersicht vorgelegt, aus der hervorgeht, dass die fehlende Übernahme der Tariferhöhungen seit 2012 durch das Land jährlich für eine Lücke von 280.000 Euro sorge. Derzeit werde die Deckung aus der Kapitalrücklage gedeckt. Diese dürfte aber nach derzeitigem Stand spätestens 2021 aufgezehrt sein. Dann drohe schlimmstenfalls die Insolvenz.

Kulturausschuss-Vorsitzende Birte Schellmann (FDP) mahnte angesichts der kulturellen Bedeutung des Theaters, dass die Landesregierung ihr Versprechen einlösen müsse. Sie würdigte die Bedeutung der Bühne: „Theater kann Stachel im Fleisch der Gesellschaft sein.“ Es helfe aber auch Gräben zu überwinden und sei „ein Trainingslager der Gesellschaft“, begründete die Liberale die fraktionsübergreifende Forderung nach der „konsequenten Umsetzung“ der finanziellen Zusagen vom Frühjahr.

Ein kulturelles Aushängeschild

Schellmann betonte, dass das Lüneburger Theater in den vergangenen Jahren deutliche Anstrengungen unternommen habe, um Kosten zu sparen. Das dürfte jetzt beim Vergleich mit anderen Häusern nicht bestraft werden. Sie lobte zudem die engagierte und erfolgreiche Arbeit. Einzelne Produktionen „locken in zunehmenden Maße auch Hamburger nach Lüneburg“, unterstrich sie, sodass sich das Theater zu einem kulturellen Aushängeschild für die Stadt entwickelt habe.

Einzig Robin Gaberle von AfD brach aus diesem Konsens aus. Die Fraktion enthielt sich bei der Abstimmung. „Das Stadttheater wird großzügig mit Steuergeldern bedacht. Da können andere Kulturbetriebe nur von träumen.“ Steuergelder sollten nach seiner Ansicht nur für Investitionen, Schuldenabbau und „wichtige soziale Projekte“ verwendet werden. Das Theater müsse mit den vorhandenen Mitteln auskommen „und zur Not ein wenig abspecken“.

Das forderte Rainer Mencke (CDU) und Hiltrud Lotze (SPD) zu engagierten Gegenreden heraus. „Kultur ist Bildung. Wenn man Ihre Ideologie vertritt, kann Bildung nicht hilfreich sein“, warf der CDU-Fraktionschef dem AfD-Mann vor. Gaberles Einlassungen „strotzen vor Unkenntnis. Man kann ein Theater nicht wirtschaftlich führen“, bemerkte Lotze.

Hinter den Kulissen bewegt sich was

Unterdessen hat auch Lüneburgs CDU-Kreisvorstand in dem Konflikt Partei ergriffen. Ihr Vorsitzender Felix Petersen wandte sich in zwei Briefen neben Kultusminister Thümler auch an CDU-Landeschef und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. „Das Land muss seine im Koalitionsvertrag gemachten Zusagen einhalten und die kommunalen Theater finanziell strukturell stärker unterfüttern“, forderte er von seinen Parteifreunden in der Landesregierung. Die Finanzierung des Theaters müsse „auf solide Beine gestellt werden“. Dafür werde die CDU vor Ort auch weiterhin das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen.

Offenbar gibt es in der Landespolitik inzwischen Bewegung hinter den Kulissen. CDU-Landtagsabgeordneter Uwe Dorendorf hat in Hannover mehrere Gespräche geführt, unter anderem mit Thümler, heißt es in der Pressemitteilung der CDU. Sein Resümee: „Wir sind uns einig, dass wir unsere Theater nicht im Stich lassen wollen.“

Von Marc Rath

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