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Arthur Illies: „Kanal Moorburg“ (1897), eine Auseinandersetzung mit dem Impressionismus. Foto: oc

Einer, der mit der Zeit ging

Lüneburg. Kaiser, Weimar, Hitler, Bundesrepublik: Im Leben und Werk des Malers Arthur Illies (1870-1952) spiegeln sich extrem konträre politische Systeme. Seit 20 Jahren kümmert sich von Lüneburg aus die Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung um den norddeutschen Maler, dessen Werk für Aufbruch und für Anpassung steht. In der KulturBäckerei hat die Stiftung jetzt eine umfangreiche Illies-Ausstellung eingerichtet, sie läuft bis zum 13. Dezember.

Kunst und Leben von Arthur Illies lassen sich in zwei Phasen einteilen, die Hamburger und die Lüneburger. Der junge Illies gehörte zu denen, die um die Jahrhundertwende der Kunst in Hamburg neue Wege öffneten. Sie lösten sich vom Akademiebetrieb. Illies hatte sein Studium in München abgebrochen, fand in Hamburg Zuspruch. Mut machte ihm Alfred Lichtwark, Direktor der Hamburger Kunsthalle. Illies war 1897 Mitgründer des Hamburgischen Künstlerclubs, befasste sich mit Jugendstil, Symbolismus, Pointillismus, Impressionismus. Er probierte vieles aus, suchte seinen eigenen Weg, blieb immer moderat in der Ausprägung, malte auch Dekoratives und Naturgetreues.

Er wurde 1933 aus dem Dienst entlassen

Einige Bilder der Ausstellung spiegeln diese Zeit, das bekannteste ist der „Gang in die Kontore“ aus dem Jahr 1908. Das Werk kam vor fünf Jahren in den Besitz der Stiftung, worüber sich Hans-Christian Schimmelpfennig bei der Begrüßung sehr froh zeigte.

Die Kunsthistorikerin Dr. Friederike Weimar pries bei ihrer Einführung den Maler als einen der „Progressivsten der jungen Hamburger Szene“, die sich die „Freiheit gegenüber Traditionen und Konventionen“ nahm. Das kam nicht nur gut an, es gab damals spannende Diskussionen. Seine Existenz sichern konnte Illies ab Oktober 1908 als Dozent an der Staatlichen Kunstgewerbeschule für den einen neu eingerichteten Kurs „Figürlich und Aktmalerei“.

1933 aber wurde Illies aus dem Dienst entlassen, 1934 zog er nach Ochtmissen, später lebte er bis zu seinem Tod in Lüneburg. Die Stadt schätzte er schon lange, die Ausstellung zeigt dafür einige Beispiele, vor allem Werke zum Rathaus, darunter Illustrationen zum Rathausbuch von Museumsdirektor Wilhelm Reinecke.

Die unübersehbare Nähe zu den Nazis

„Wie er zu den Nazis stand, das kann man schwer sagen“, meinte Dr. Weimar. An dieser Stelle werden Biographien nach wie vor noch gern ausgeblendet, ein unhistorisches Vorgehen. Illies passte sich an, fügte sich aus eigenen Stücken ein. Er war laut Ernst Klees „Kulturlexikon zum Dritten Reich“ Mitglied im Kampfbund für deutsche Kultur, der sich als „nationalsozialistische Urzelle der bildenden Künste“ verstand und unter anderem Kampagnen gegen Ernst Barlach und Käthe Kollwitz anzettelte. 1934 trat Illies mit Mitte 60 in die NSDAP ein. Die Nazis sollen Illies indes nicht besonders gefördert haben, aber er war in den Kriegsjahren 1941 bis 1944 an der Großen Deutschen Kunstausstellung in München beteiligt, unter anderem mit dem Gemälde „Heimkehr der Flotte der Legion Condor“.

Künstlerisch war die Zeit des Mutes und des Aufbruchs längst vorbei. Dr. Weimar verwies auf Illies‘ Weg zu „topographischer Genauigeit“ als „Chronist der norddeutschen Städte“, als eine Art Denkmalpfleger. Kloster Lüne, Schütting, Heiligengeiststraße, Michaelis- und Johanniskirche tauchen in der Ausstellung auf. Zu sehen sind außerdem Beispiele für den Grafiker Illies, Blumenstudien und einiges mehr. Alles in allem bietet die Ausstellung einen reichen Querschnitt durch das Werk, sicher ohne etliche Hauptwerke, an die zu kommen aber kaum finanzierbar gewesen wäre.

Die Eröffnung wurde von den Flötistinnen Lisa Wulfes-Lange, Hanna Brune und Sonja Bussmann umrahmt.

Von Hans-Martin Koch