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Dörte Hansen. Foto: Archiv

Das klingt vielversprechend

Lüneburg. Die Liste ist sicher noch nicht vollständig und endgültig, Orte und Termine werden sich verschieben. Klar ist aber: Auch Lüneburgs Literaturprogramm des ersten Halbjahres 2019 spielt sich in der ersten Liga ab. Dreh- und Angelpunkt ist das Heinrich-Heine-Haus mit dem Literaturbüro als Stützpunkt etwa der Lese-Reihen „grenzenlos“ und „LiteraTour Nord“, aber auch mit vielen eigenen Projekten. Dazu melden sich die Außenstationen zu Wort, der Kulturverein Konau 25 beispielsweise, und Heidi Petermann in Bleckede mit ihrer Reihe „Literatur in unserer Stadt“.

Dörte Hansen, eigentlich Journalistin, gelang 2015 mit ihrem ersten Roman „Altes Land“ der Überraschungserfolg des Jahres – monatelang Platz eins auf den Bestsellerlisten. Mit dem Nachfolger „Mittagsstunde“, immerhin aktuell Platz drei, kommt die Autorin am 26. Februar nach Lüneburg. Die LüneBuch-Mitarbeiter haben vorsichtshalber das geräumige Tanzcasino im Hanseviertel gebucht, die Lesung ist ausverkauft. Die Buchhandlung hat noch einen zweiten Schriftsteller im Live-Angebot, der eher zu den zuverlässigen Longsellern gehört und sich an ein jüngeres Publikum richtet: Fantasy-Autor Markus Heitz öffnet am 19. Februar einige Türen zu seinem „Doors“-Universum.

Theodor Fontane gehört zur Pflicht

Theodor Fontane ist im Jahr seines zweihundertsten Geburtstages natürlich Pflicht, darum kümmert sich die Autorin und Journalistin Christine von Brühl: „Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen“ heißt es am 16. Januar im Ostpreußenmuseum. Hier wird auch „Die Zeit der Kraniche. Die Ostpreußen-Saga“ verhandelt, Ulrike Renk – Autorin, Lektorin, Herausgeberin – liest am 23. Januar.

Heidi Petermann startet am 1. März im Alten Kurhaus Elbblick in Alt Garge in die dritte Saison ihrer Bleckede-Reihe: Kathrin Gerlof liest aus „Nenn mich November“, der Roman spielt passenderweise in einem kleinen Dorf in Randlage. Am 26. April folgt Maria Cecilia Barbetta mit „Nachtleuchten“, diesmal in der Bibliothek Bleckede. Auf der anderen Seite der Elbe, in Konau, Hausnummer 25, stellt der Schauspieler und Regisseur Burkhart Klaußner am 4. Mai seinen Debütroman „Vor dem Anfang“ vor.

Karosh Taha, 1987 im Nord­irak geboren, seit 1997 im Ruhrgebiet lebend, machte mit ihrer ersten Erzählung „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ auf sich aufmerksam, jetzt kommt sie Mitte Januar als Stipendiatin ins Heine-Haus. Gemeinsam mit Matthias Nawrat, Stipendiaten-Kollege aus dem Jahre 2013, gestaltet Taha eine Tandem-Lesung am 19. März. Nach dem gleichen Prinzip wird am 5. Juni verfahren: Stipendiat Jan Koneffke, ein erfahrener, vielfach preisgekrönter Autor, teilt sich den Abend mit Nina Jäckle (2007).

Die Heinrich-Heine-Gastdozentur 2019 hat eine ebenso junge wie schillernde Autorin inne: Helene Hegemann, Jahrgang 1992, wurde für ihren Debütroman „Axolotl Roadkill“ gelobt, da war sie kaum achtzehn Jahre alt. Der Roman geriet unter Plagiatsverdacht. Mit ihrem dritten Roman „Bungalow“ schaffte es Hegemann auf die Longlist des Deutschen Buchpreises, am 20. Juni liest sie in Leuphana-Hörsaal drei.

Maschinen mit künstlicher Intelligenz

Maschinen, die lernen, sprechen, eigenständig Methoden zur Lösung von Problemen entwickeln und danach handeln: Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist ein Zauberwort. Sie fasziniert die Menschen und macht viele gleichzeitig nervös. „Was sie kann & was uns erwartet“, darüber liest und spricht Wissenschafts-Journalistin Manuela Lenzen, eine promovierte Philosophin, am 29. Januar im Heine-Haus im Dialog mit Jan Müggenburg.

Den Anfang aber macht Saskia Hennig von Lange: Sie liest am Mittwoch, 9. Januar, um 19.30 Uhr im Rahmen der LiteraTour Nord aus ihrem dritten Buch „Hier beginnt der Wald“. Die in Frankfurt lebende Autorin zeigt sich als Meisterin der Innenperspektive und macht die zunehmende Verstörtheit ihres Helden nachvollziehbar: Der namenlose Ich-Erzähler ist unterwegs, er erledigt einen Job. Er soll einen Lastwagen voll Umzugsgut in eine andere Stadt bringen.

Doch was harmlos beginnt, entwickelt sich bald zu einer abenteuerlichen Flucht vor sich selbst und seinen Kindheitserinnerungen, aber vor allem vor seiner Frau und ihrem gemeinsamen, ungeborenen Kind. Er flieht in eine Einsamkeit, der er nicht gewachsen ist, verkriecht sich nach einem Unfall im Wald – und begegnet dort einem rätselhaften Jungen. Saskia Hennig von Lange erzählt in einer präzisen wie musikalischen Sprache, die Lesung im Heinrich-Heine-Haus wird von Julia Menzel moderiert.

Von Frank Füllgrabe