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Neujahrskonzert-Premiere: Nicholas Christopher Milton ist der neue Dirigent des Göttinger Symphonie Orchesters. Foto: phs

Moin! Here we go!

Bleckede. Christoph-Mathias Mueller heißt jetzt Nicholas Christopher Milton, aber sonst ändert sich nichts: Das Neujahrskonzert des Göttinger Symphonie Orcheste rs im Bleckeder Haus gehört längst zu den bewährten Traditionen: mit Operette, Polka, Walzer, ganz nach klassischem Wiener Vorbild. Auch diesmal freute sich der Heimat- und Kulturverein als Organisator über ein ausverkauftes Auditorium und die Volksbank als Sponsoren. Nur eben, dass es nun einen einen Dirigenten gibt, das ist der 51-jährige Nicholas Milton aus Sydney, der an der Elbe gleich eine Vokabel lernte: „Moin“.

Ein bisschen mit dem Publikum zu plaudern, das gehört bei Neujahrskonzerten einfach dazu. Diese Übung beherrscht der promovierte Musiker (und Philosoph), 1999 zum „Australischen Dirigenten des Jahres“ gewählt, genauso gut wie sein Göttinger Chefdirigenten-Vorgänger, der im vergangenen Jahr eine Professur in Berlin bekam. Der Neue also ging vor dem Konzert noch ein wenig auf dem Elbdeich spazieren, begegnete zwei Passanten, grüßte ganz korrekt mit „Guten Tag“ und bekam als Entgegnung das norddeutsche Moin zu hören – „ah, dachte ich mir, sehr interessant“.

„Unter Donner und Blitz“

Aber natürlich stand die zu erwartende Musik im Mittelpunkt, da ging Dr. Milton – „Here we go!“ – mit seinem gut aufgelegten Orchester keine unnötigen Risiken ein: viel Johann Strauss (Sohn), die Ouvertüren aus dem „Zigeunerbaron“ und der „Fledermaus“, die „schöne blaue Donau“, die Polka „Unter Donner und Blitz“ und der „Frühlingsstimmen-Walzer“, von Johannes Brahms einen Ungarischen Tanz – allerdings den ersten, nicht den bekanntesten, den fünften.

Spannend wurde es dort, wo das Programm die Randbereiche der österreich-ungarischen Kompositionswelten ausleuchtete: den Rákóczi-Marsch von Hector Berlioz beispielsweise. Eine erste Version des Marschliedes, das in Ungarn gewissermaßen zum nationalen Kulturgut gehört, entstand vermutlich um 1730. Es gibt unter anderem Bearbeitungen von Franz Liszt und Brahms, von dem Franzosen Berlioz stammt die wohl temperamentvollste Fassung.

Mal piano, mal forte

Fünfzig Musiker/innen zählte das Göttinger Symphonie Orchester in Bleckede, der Star des Abends aber war die Nummer einundfünfzig: die Violinistin Anne Luisa Kramb. Die „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate sind ein Zauberstück, das eher gegen als für die Geige komponiert zu sein scheint, mit schmelzenden Melodien, rasanten Läufen bis in die allerhöchsten Sphären, mit allen möglichen technischen Tricks. Anne Luisa Kramb präsentierte all dies mit Bravour und verblüffender Gelassenheit, erntete jede Menge Begeisterung und Bewunderung – um so mehr, als der Dirigent ihr Alter verriet: achtzehn Jahre. Gewissermaßen als Zugabe spielte die Violionistin gleich noch den berühmten Czardas von Vittorio Monti.

Nicht lange bitten ließen sich die Göttinger nach zwei Stunden mitreißender Musik zu jenem Stück. ohne dass kein Neujahrskonzert denkbar wäre, und bei dem der Orchesterchef nach zwei Seiten dirigiert, zu den Musikern und zum Auditorium: Gemeint ist natürlich der Radetzky-Marsch, das Publikum darf beziehungsweise soll an bestimmten Stellen mitklatschen, mal piano, mal forte. Auch das klappte natürlich makellos. Schön war`s. Moinsen!

Von Frank Füllgrabe