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Initiatorin Dr. Inge Voltmann-Hummes hat umfangreiche Recherchen hinter sich. Foto: ff

Den Musikern auf der Spur

Lüneburg. Kantoreien, Spielmannszüge, Blasorchester – vor allem auf dem Dorf haben viele Treffpunkte etwas mit Musik zu tun, Grundlage ist meistens ein Verein. Der romantische deutsche Männergesangverein des 19. Jahrhunderts wurde – auch als politisch motivierte Institution – geradezu legendär, heute ist die Szene im Wandel. Dr. Inge Voltmann-Hummes wollte es genauer wissen: Wo wird heute im Raum Lüneburg musiziert, ehrenamtlich und nach Feierabend? Ergebnis ihrer Recherche ist das „Festival der regionalen Musikkultur“ mit sechs Konzerttagen, ein erstes Treffen ist für kommenden Montag im Museum geplant.

„Musikensembles sind in unseren Dörfern und Gemeinden eine wichtige Säule, wenn es um das gesellschaftliche Miteinander oder die frühe Heranführung von Kindern an Musik geht“, so schreibt es Dr. Inge Voltmann-Hummes, stellvertretende Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses, in ihrem Konzept, das inzwischen als verbindlicher Plan gelten kann: Veranstalter ist der Landkreis Lüneburg, zuständig für das Organisatorische von der Spielortbuchung bis zur finanziellen Abwicklung. Die Schirmherrschaft hat der Landrat, im Haushalt ist Geld für das Festival eingeplant, das im ersten Quartal nächsten Jahres über die Bühne gehen soll. Gesucht: Sponsoren.

Ensembles müssen seit mindestens drei Jahren bestehen

Im Mittelpunkt steht das Blas­orchester in seinen verschiedenen Erscheinungsformen. Zugelassen sind ausschließlich Amateure, die sich – zweitens – ausdrücklich der Jugendarbeit widmen und sich – drittens – regelmäßig zu Proben treffen, also nicht nur für bestimmte Anlässe zusammenkommen. Viertens: Die Ensembles müssen seit mindestens drei Jahren bestehen. Die Teilnehmer können sich dem Votum des Publikums stellen, um sich für das Finale am 22. März im Sportpark Kreideberg zu qualifizieren. Ob dieses Votum nach dem Vorbild von Contest-Shows tatsächlich so durchgeführt wird, steht noch nicht fest, es ist ja auch noch ein bisschen Zeit. Aber die Möglichkeit, von Zuhörern Feedback zu bekommen, das zählt zu den wichtigen Aspekten des Konzepts.

Aber wer kommt denn überhaupt als Teilnehmer in Frage? Am Anfang war die Suche im Internet, Inge Voltmann-Hummes führte schließlich unzählige Telefonate – beziehungsweise, sie versuchte, welche zu führen. Ihre Erfahrung: Die meisten Homepages stimmen nicht mehr, Vorsitzende wechseln, Ensembles lösen sich aus Altersgründen auf oder werden zusammengelegt, sie wechseln das Format, aus Posaunenchören werden Blasorchester, und sie modifizieren ihre Namen. So wandelte sich der Bardowicker Spielmannszug zum Ensemble „Marching Colours“, die Kollegen in Soderstorf heißen jetzt zeitgemäß „TonArt“. Die Verwaltungsmitarbeiter der Samtgemeinden konnten in so manchen Fällen weiterhelfen.

Interessenten und weitere potenzielle Teilnehmer sind willkommen

Bisher hat Voltmann-Hummes 18 Ensembles auf der Teilnehmerliste, unterteilt in Blasorchester (vier), Spielleute/Spielmannszüge (vier), Posaunenchöre (vier) und Jagdhornbläser (fünf), dazu kommen die Elbtal-Alphornbläser, die nicht so richtig in den Kategorien unterzubringen waren.

Am kommenden Montag, 14. Januar, 18 Uhr, treffen sich im Lüneburger Museum Orchesterleiter mit Musikfachleuten zur Vorstellung des Festivals und zu ersten Beratungsgesprächen, in denen es auch um die Auswahl von Konzertprogrammen geht. Eingeladen als Experte ist etwa Thomas Dorsch, Generalmusikdirektor des Theaters Lüneburg, die Jagdhornbläser berät unter anderem Anke Werra aus Tostedt, Solo-Trompeterin und -hornistin des Schleswig-Holsteiner Kammerorchesters. Interessenten und weitere potenzielle Teilnehmer willkommen.

Von Frank Füllgrabe