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Lammfromm sind diese Nonnen so gar nicht; Szene mit (v.l.) Elke Tauber, Claudine Tadlock und Kirsten Patt. Foto: Theater/t&w

Heiliger Bimbam!

Lüneburg. Das Problem sind vier Schwestern, die in der Tiefkühle geparkt wurden. Das Problem lösen müssen fünf Bet-Schwestern, die kegeln waren, als sämtliche Klosterfrauenkolleginnen ratzefatze von einer Fischvergiftung dahingerafft wurden. 48 von ihnen konnte das überlebende Quintett zur ewigen Ruhe betten, dann war die Klosterschatulle leer. Nun braucht es eine Idee, um an Geld zu kommen. Wie die Nonnen inklusive Mutter Oberin das machen, erzählt das Musical „Non(n)sens“. Es feierte im T.NT des Theaters Lüneburg zur Premiere einen krachenden Zuschauererfolg. Heiliger Bimbam!

Nonnen in Geldnot sind offenbar ein dankbares Thema. 1980 schon halfen die „Blues Brothers“ einer Mutter Oberin aus der Patsche. 1992 eroberte Whoopi Goldberg als gospelverrockte „Sister Act“ die Welt im Kino, das Musical folgte. Dan Goggins „Non(n)sens“ kam Mitte der 80er heraus und gilt bis heute als eine der erfolgreichsten Off-Broadwaypoduktionen. Es lässt sich bei der Produktion im T.NT schnell erahnen, warum das so ist: eingängige Musik, Blödsinn pur, schräge Schwestern.

Wichtig sind die Typen und das Tempo

Ein paar Möbel auf der Bühne und Licht, mit dem Bruder Halogenus (Thomas Schulz) Atmosphäre zaubert – mehr braucht es nicht. Wichtig sind die Typen und das Tempo, mit dem sie durch die Show ziehen. Angerichtet hat sie Sascha Littig. Als Schauspieler ist er oft als Gast am Lüneburger Theater zu sehen. Nun führt er, ebenfalls als Gast, Regie in einer Produktion seiner „Loge5“-Company. Das Personal für das gut zweistündige Spektakel hat er durchweg in Lüneburg rekrutiert.

„Non(n)sens“ ist kein Abend für Feingeister. Der Humor ist – Heilige Einfalt! – konsequent direkt. Verlegt hat Littig den Spielort von den USA in die Heide, aber das wird nur per Andeutung deutlich. Wirklich originell geschieht es in einem eingeblendeten Film, in dem die gar nicht lammfrommen Nonnen durch Lüneburg und Hamburg geistern. Warum der Film da läuft? Egal. Der Film wirkt wie der gesamte Aufbau des Stücks recht zufällig. Littig legt sein Augenmerk nicht auf eine Geschichte bzw. auf Szenen, die aufeinander aufbauen. Er hat mit seinem Team eine Art Revue lose verbundener Nummern modelliert.

Mutter Oberin kugelt über die Bühne

Die Gagfolge ist schnell, wenn auch nicht jeder zündet. Macht ja nichts, denn das Publikum wird in die Show sofort einbezogen: raus aus dem Sitz, Arme kreisen! Es wird – Heilig‘s Blechle! – viel gelacht und mitgeklatscht. Den härtesten Lachanfall spielt und produziert Claudine Tadlock, wenn sie als Mutter Oberin berauscht über die Bühne kugelt. Das ist so albern wie es schwer zu spielen ist – und es geht auf!

Jede Figur hat ihre angedeutete Rolle. Die leibesfüllige Oberin beispielsweise wäre gern Seiltänzerin. Claudine Tadlock bringt schauspielerische Präzision für das Timing mit. Alle anderen kommen aus dem Musiktheater: Kirsten Patt, Dobrinka Kojnova-Biermann, Elke Tauber und Juliana Kratz werfen sich wie Tadlock mit Verve ins Geschehen. Das ist allen Respekt wert, auch wenn sie nur über einzelne Songs so etwas wie Tiefe in ihre Figuren bringen dürfen.

Publikum hat eine Menge Spaß

Hinter ihnen sitzt Mira Teofilova am Keyboard, versteckt stärken Sebstian Brand (Bass) und Moritz Constantin die Band. Schade, dass es nicht möglich ist, die Show über Mikroports zu transportieren. Verstärkt bekämen die Songs mehr Biss, und ließen sich unterschiedlich kräftige Stimmen angleichen.

Aber was soll‘s! Die Masse des Publikums hat eine Menge Spaß, und so wird es bei den kommenden Shows sein. Heiliger Strohsack!

Von Hans-Martin Koch