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„Moorwiesen bei Königsberg“, ein typisches Aquarell von Heinrich Bromm. Foto/Ausschnitt: Ostpreußisches Landesmuseum

Aquarelle, als Kostbarkeiten empfunden

Lüneburg. Heinrich Bromm hat mutwillig etwas getan, was in der Branche der Aquarellmaler als unschicklich galt: Er benutzte pointiert Deckweiß, statt nach der klassischen Lehre für die weißen Glanzpunkte das Papier selbst durchschimmern zu lassen. Mit stark verdünntem Deckweiß schuf er außerdem sphärische Nebelstimmungen, die schon von Zeitgenossen bewundert wurden.

Das also war Heinrich Bromm, geboren 1910 im ostpreußischen Mühlhausen, gefallen 1941 in Russland. Ihm ist nun bis zum 12. Mai im Ostpreußischen Landesmuseum eine Sonderausstellung gewidmet ist – erstellt ausschließlich mit Bordmitteln. Denn das Museum verfügt über eine Aquarellsammlung von mehr als hundert Blättern: Bei der Flucht in den Westen 1945 hatte die Schwester von Heinrich Bromm, obwohl mit zwei Kleinkindern unterwegs, in einem Kinderwagen die Bilder retten können. So ist heute vor allem sein Aquarell-Werk präsent.

Erstmals seit der Wiedereröffnung wird das Kabinett des Hauses genutzt

Bromm studierte Kunst an der Akademie Königsberg, und zwar – auf Wunsch des Vaters – vorsichtshalber Lehramt, war dann Meisterschüler bei Eduard Bischoff. Seine spontane, immer auf neue Wege gerichtete Art inspirierte Kommilitonen wie Dozenten. Er schuf vor allem Landschaften, das Kurische Haff beispielsweise, dazu das sonnige Südfrankreich, der Maler hatte aber auch ein Faible für das karge Skandinavien.

Fast immer wurde vor Ort gemalt, ein Foto zeigt den gerade 23-jährigen Künstler mit Ausrüstung und in einer regenfesten Kluft, die eher an einen Seenotretter erinnert. In solchen widrigen Situationen entstanden Szenarien, in denen der Maler großzügig mit Form und Fläche umging, Nebensächlichliches weg­ließ und die Stimmung hervorhob. Zuweilen ist nicht einmal genau zu erkennen, ob Wasser oder gewelltes Land gemeint war. An manchen Rändern sind noch die Umrisse von Reißzwecken zu erkennen, mit denen das Papier festgepinnt wurde.

Bereits im Jahre 1995 drehte sich im Ostpreußenmuseum eine große Ausstellung um Heinrich Bromm, aus dieser Zeit stammt auch eine Monographie von Ingeborg Kelch-Nolde und Dr. Jörn Barfod, die nun wieder zu Ehren kommt. Die (jetzt kleinere) Ausstellung „Als Kostbarkeiten empfunden – Aquarelle von Heinrich Bromm“ ist dennoch eine Premiere, denn erstmals wird seit der Wiedereröffnung das Kabinett des Hauses genutzt.

Von Frank Füllgrabe