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Rebecca Lang leitet das Uni-Orchester wie später den Chor straff, mit klarer Zeichengebung, temperamentvoll und sehr motivierend. Foto: phs
Rebecca Lang leitet das Uni-Orchester wie später den Chor straff, mit klarer Zeichengebung, temperamentvoll und sehr motivierend. Foto: phs

Der Leuphana-Sound

Lüneburg. 14 Wochen hatten sie zum Vorglühen, sagt Rebecca Lang. Das muss doch genügen! So viel Zeit aber ist das denn auch nicht, um ein neu formiertes Orchest er von rund 45 Musikern und einen riesengroßen Chor konzertreif zu machen, zumal die Musikmachenden alle ja noch so ganz nebenbei credit points sammeln müssen, also studieren. Rebecca Lang aber hat es hinbekommen. Sie ist die erste Frau an der Leuphana, die den stolzen Titel Universitätsmusikdirektorin trägt.

Beim Konzert zum Abschluss des Semesters zeigt sie und zeigen die Studenten, dass es ganz wunderbar ist, die neue Position in den Stellenplan gefügt zu haben. Jazz und Trommeln gibt es obendrein.

Das Audimax ist rappelvoll an diesem Abend. Aufgebaut ist zunächst für das Orchester. Braucht es überhaupt noch eines in der Stadt? Symphoniker, Bachorchester, Kammerorchester, Strings!, Orchester der Musikfreunde. . . – es ist ja schon allerhand da, und das junge ensemble reflektor hat hier auch noch einiges vor.

Rebecca Lang schärft das musikalische Profil

Das Uni-Orchester besteht aber ebenfalls schon lang, bekommt nun nachdrücklicheres Profil. Rebecca Lang bringt Knowhow quer durch die Genres mit und obendrein eine Menge Temperament. Sie kann mitreißen – man hört es, man sieht es den vielen jungen Musikerinnen an. Den Musikern auch, sie sind aber deutlich in der Unterzahl.

Das Orchesterprogramm ist anspruchsvoll und wird nicht fehlerfrei, dennoch werkgerecht, dazu dynamisch differenziert gespielt. Bei Glinkas „Ruslan und Ludmilla“-Ouvertüre kommen alle vorhandenen Stimmgruppen farbig zur Geltung. Gesungen wird eine „Candide“-Arie Bernsteins von der international tätigen Lydia Easley mit großem, imponierendem Operngestus.

Punkt zwei: Batucada Leuphana, das sind die Sambatrommeln. Bei Motivator Nico Wienberg geht es rhythmisch präzise und variantenreich zu. Nur die Spielfreude, die sie in den Fingern haben, darf sich bei einigen der Trommler noch in Körpersprache und Mimik übertragen; vielleicht haben sie noch nicht oft in dieser Besetzung und vor so großem Publikum gespielt.

Die Bigband packt auch ein paar Pop-Klassiker aus

Tradition hat die Bigband und mit Hans Malte Witte seit 2000 einen Top-Profi als Leiter. Sie spielt klassischen Bigband-Stoff, könnte bei Funk an diesem Abend noch etwas knackiger funky sein, kommt aber immer kompakt und kraftvoll groovend rüber. Witte mixt das Programm, baut Soli ein. Rena Janssen singt mit viel Wärme in der Stimme Songs von Billy Joel und Michael Bublé. Wie sie sei stellvertretend genannt die erst stolpernde, dann lachende und so gut gelaunt wie entspannt flüssig spielende Beatrice Aleksiejus am Tenorsax. Schade nur, dass es nicht zum Konzept des Abends gehörte, dass der Bandleader Stücke und Solisten ansagt.

Großes Finale! Der Chor zählt an die 150 Stimmen, Männer sind auch ein paar dabei – und nun ist wieder Rebecca Lang am Zug. Sie studierte Stücke ein, mit denen sie ihre eigenes musikalisches Spektrum aufreißt. Songs aus dem preisüberhäuften Hip-Hop-Musical „Hamilton“ packen zu, ein Werk von Monteverdi und eigene anspruchsvolle Musical-Arrangements setzen Kontrapunkte. Der Chor zieht mit, singt mit ansteckender Begeisterung – und mehr davon gibt es am 17. Juni. Die Universitätsmusikdirektorin steht nicht nur der Leuphana gut – der Stadt auch.

Von Hans-Martin Koch