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„Noch sind Computer Fachidioten“: Manuela Lenzen spricht über die Stärken und Schwächen von Robotern. Foto: be

Maschine bleibt Maschine

Lüneburg. Der Roboter, der medizinische Diagnosen stellt, wie ein Weltmeister Schach spielt und mit unbestechlicher Akribie einen automatisierten Produktionsprozess steuert: ein Helfer der Menschheit, zumindest auf den ersten Blick. Doch was, wenn die Maschine zu kontrollieren und zu spionieren beginnt, uns die Hoheit beispielweise über unsere Daten entzieht, oder, noch schlimmer, als Waffe gegen Menschen eingesetzt wird?

Das Thema hat Konjunktur

„Künstliche Intelligenz, das Thema hat Konjunktur“, sagt Moderator Jan Müggenburg, Juniorprofessor an der Leuphana, zu Beginn der Veranstaltung – und er hat Recht. Das Heine-Haus ist bis auf den letzten Platz ausverkauft, als Wissenschaftsjournalistin Manuela Lenzen an diesem Abend ihr Buch „Künstliche Intelligenz“ im Rahmen der Vortragsreihe „Wie wollen wir leben?“ vorstellt.

Noch sind Computer Fachidioten. Sie spielen zwar meisterhaft Schach, wenn sie entsprechend programmiert sind – die gleiche Maschine jedoch wird brutal scheitern, wenn man sie bittet, eine Tube Zahnpaste zu öffnen. „Roboter funktionieren bisher nur in eingeschränkten Welten“, sagt Manuela Lenzen. „Sobald das System sich flexibel in den Alltag integrieren soll, wird wieder der Mensch gebraucht, um das zu erreichen.“

Wird sich dieser Umstand demnächst ändern? Kann Kollege Computer den Menschen als Krone der Schöpfung ablösen? Dafür muss ein System lernfähig werden, Erfahrungen gewinnen und verarbeiten können, es muss spontan richtige Entscheidungen treffen.

Die Wissenschaft arbeitet daran, doch die Aufgabe ist gigantisch. „Noch haben wir das komplexe System menschlichen Lernverhaltens und menschlicher Intelligenz nicht vollständig entschlüsselt“, sagt die Autorin – von daher dürfte es schwer werden, Roboter mit unbegrenzter Lernfähigkeit auszustatten. Von künstlichen, neuronalen Netzwerken ist die Rede, aber funktionieren die wirklich?

Emotionen lassen sich nicht programmieren

„Theoretisch kann man natürlich alles programmieren“, sagt Lenzen. Doch es dürfen dem Programmierer keine Fehler unterlaufen, sein Datenmaterial muss stimmen. „Jeder Fehler im Programmiervorgang kommt bei der Anwendung zutage.“ Und menschliche Emotion, vielen ohnehin im Alltag ein Rätsel, ist bisher auch noch nicht in Algorithmen auflösbar – selbst wenn ein Roboter als Dienstleister mit freundlichen Kindergesicht daherkommt, spricht und winkt und von daher als soziales Wesen wahrgenommen werden kann. Er ist es aber nicht.

Maschine bleibt Maschine, und die ist immer nur so gut wie ihr abgespeichertes Programm. „In meiner persönlichen Utopie ist der Roboter der Zukunft ökonomisch verantwortungsvoll, seine Arbeit ist ökologisch vertretbar und dem Menschen nützlich“, sagt Lenzen. Maschinen verbrauchen Energie und Rohstoffe und landen irgendwann auf dem Müll – schon das allein bietet Stoff zum Nachdenken über das sehr anregende Buch von Manuela Lenzen hinaus.

Von Elke Schneefuß