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Im Zeichen der goldenen Rettungsdecke: Vertreter Lüneburger Kulturinstitutionen versammeln sich zur „Erklärung der Vielen“. Foto: t&w

Die Lüneburger Erklärung der Vielen

Lüneburg. Gerade melden sich Kulturschaffende aus Mecklenburg-Vorpommern in Greifswald zu Wort, fast gleichzeitig wird eine „Frankfurter Erklärung“ verkündet. Landauf, landab versammeln sich Mitarbeiter/innen von Theatern, Museen, Orchestern, Buchhandlungen, Kinos und anderen Treffpunkten, um Erklärungen zu unterzeichnen, die ihren Ursprung in Berlin haben, die 2017 gegründete Initiative „Die Vielen“. Seit Freitag ist auch Lüneburg mit im Boot. Der Feind ist definiert als „der rechte Populismus“.

„Als Aktive in der Kulturlandschaft in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden“, heißt es in der „Lüneburger Erklärung der Vielen“, die nun – alphabetisch geordnet von Campus Lüneburg bis zum Theater zur weiten Welt – Unterschriften aus 29 Institutionen trägt. Als dieser LZ-Artikel gedruckt wurde, waren es schon wieder einige mehr. Bundesweit stehen die Namen von rund zweitausend Institutionen auf entsprechenden Listen.

„In Lüneburg erleben wir so etwas nicht“

„Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt“ lautet der selbstbewusste Slogan der Lüneburger Aktion. Es geht um die Unabhängigkeit der Kunststätten, der Blick ist im Kern auf die AfD-Kulturpolitik in Sachsen beziehungsweise generell im Osten der Republik gerichtet, so genau ist das nicht definiert. Es gehe um die Aufrechterhaltung von Spielplänen und um Geldzuwendungen, und es geht darum, eine Instrumentalisierung der Bühnen, eine „Renationalisierung der Kultur“ zu verhindern. „In Lüneburg erleben wir so etwas nicht“, betonten Theater-Intendant Hajo Fouquet und Chefdramaturg Friedrich von Mansberg als Initiatoren und Gastgeber der Lüneburger Erklärung der Vielen, es gehe um die Bekundung von Solidarität.

Es geht darum, die Kunst vor Kälte zu bewahren

„Vielfalt ist gewollt und nur möglich in einer pluralistischen Gesellschaft“, hieß es bei der offiziellen Unterzeichnung, die keine Gründungsversammlung im rechtlichen Sinne darstellt. Aber Thema und Zielrichtung der Vielen sind recht eng umrissen, massive Bedrohungen der freien demokratischen Gesellschaft und ihrer Kultur aus anderen Richtungen werden bewusst ausgeklammert – es sei aber nicht auszuschließen, dass sich das eines Tages ändere. Nun müsse es darum gehen, da waren sich wohl alle Beteiligten einig, dass die Absichtserklärung mit Inhalt gefüllt werde, um nicht schnell wieder in Vergessenheit zu geraten und belanglos zu werden.

Die golden beschichtete Rettungsdecke, mit der etwa Unterkühlungen bei geborgenen Flüchtlingen verhindert werden sollen, ist das Symbol der Vielen. Auch hier gilt aber: Kein Bezug zur Migrationsproblematik, es geht eben darum, die Kunst vor Kälte zu bewahren. Wer als Institution mitmachen will, es sind keine Einzelpersonen zugelassen, kann sich an die Theatermitarbeiter wenden. Lüneburg ist übrigens bisher noch die kleineste „Zelle“ der Solidarität.

Von Frank Füllgrabe