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Ronja und ihre Bande melden sich gern lautstark zu Wort. Foto: t&w

Ronja kann ook Plattdüütsch

Lüneburg. Mattis und Borka (Annabel Domanske, Friethjof Lücking) sind zwei raubeinige Räuberhäuptlinge, die sich ihren Lebensunterhalt verdienen, indem sie ande re ausrauben. Vorzugsweise de rieke Lüüd, um es den Armen to geven – so zumindest lautet der Plan in der Theorie. Und verfeindet sind Mattis und Borka bis aufs Blut, immer schon. Gemeinsam hausen sie im finsteren Mattiswald („Dat is miin Busch!“), ein Höhlenschlund bildet die Grenze zwischen den beiden Clans, auch das war schon immer so, ändert sich aber, als Mattis und seine Frau Lovis (Mila Borchert) eine Tochter bekommen: Ronja (Delu Lenk), wild, schön, eigenwillig.

Im Alter von elf Jahren beginnt sie, den Mattiswald auf eigene Faust zu erkunden. Und dabei begegnet sie Birk Borkason (Aurelia Zeplien), dem Sohn des verfeindeten Borka und seiner Frau Undis (Elina Goldmund). Ronja rettet Birk das Leben, die beiden freunden sich an und werden so etwas wie süster un broor, also Schwester und Bruder. Gemeinsam meistern sie Gefahren, streiten und versöhnen sich, stehen einander bei und verbringen einen Sommer in einer Bärenhöhle, während sich vor allem Mattis, Ronjas Vater, zu Hause grämt. Schließlich macht er sich auf, seine Tochter nach Hause zu holen, die beiden Familien nähern sich tatsächlich einander an, auch weil die Landsknechte des Vogts ihnen im Wald zu Leibe rücken.

Kinderensemble der Niederdeutschen Bühne

Aber – wer wird der Chef des neuen, gemeinsamen Clans? In einem harten Kampf behauptet sich Mattis gegen Borka, anschließend müssen beide Väter allerdings feststellen, dass ihre Kinder beruflich nicht in ihre Fußstapfen treten wollen.

De lütten Sülfmeister, das Kinderensemble der Niederdeutschen Bühne, präsentierte Ronja Röversdochter am Sonntag in einer mitreißenden, tempo- und witzreichen Variante im Theater im e.novum. Kirstin Rechten und Michael Wieghardt (Regie) gaben dem Klassiker von Astrid Lindgren viel Schwung und Dynamik, etwa indem sie die zwei Clans wortgewaltig und unter großem Gejohle gegeneinander anstänkern ließen, oder die beiden Clanchefs wie bei einem Hahnenkampf aufeinander losließen. Herrlich auch die Szene, in der die beiden Ehefrauen sich einen Zickenkrieg lieferten.

Männer haben die größere Klappe

Am Ende tanzten alle gemeinsam – zum begeisterten Applaus des Publikums – einen fröhlichen Friedenstanz. Auf Platt kommen Schimpfwörter wie Dummbüdel oder Büxenschieter ohnehin charmanter daher. Letztlich verhelfen uns Ronja, Birk und ihre Familien zu folgenden Erkenntnissen: Männer haben zwar die größere Klappe, aber ihre Frauen die Hosen an, so richtig plietsch sind am Ende allerdings de Kinners. Weitere Infos und Vorstellungen unter: www.theater-enovum-lueneburg.de.

Von Silke Elsermann