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Martin Skoda spielt den König Fritz, Paul Brusa den König Karl. Sie sind unabhängig voneinander auf einer kleinen Insel gestrandet und streiten nun darum, wer König und wer Diener ist. Foto:Theater/tonwert21.de

Die Krone sitzt locker

Lüneburg. Das königliche Radio verkündet, dass König Fritz seinen Ehrentag hat und in einem Heißballon das Land bereisen wird. Aber ach, Wind kommt auf, der güldene Ballon nimmt zu viel Fahrt auf und, oh je, ein zweiter Ballon kreuzt die Bahn. Huch, der ist auch golden und schon, oh Jammer, stoßen sich die Ballons und stürzen ab. König Fritz strandet auf einem Inselchen, aber der Passagier im anderen Ballon auch: König Karl. Herrje! Eine Insel, zwei Männer mit Krone! „Ein König zuviel“ also. So heißt ein vergnügliches Stück im T.3 des Theaters.

Geschrieben hat die Geschichte Gertrud Pigor für Menschen ab fünf Jahren. Das knapp einstündige Stück für zwei Darsteller dreht sich darum, dass immer einer Bestimmer sein will. Es zeit auch, dass alles Gekabbel und Streiten zu einem Ziel führen kann, bei dem das Bestimmersein gar nicht so bestimmend ist. Erzählt wird das königliche Gerangel mit viel Witz, und für den sorgt ein gutes Duo.

Martin Skoda ist König Fritz. Austatterin Barbara Bloch hat ihm Schottenkaros verordnet, Regisseur Joachim von Burchard den passenden Akzent zugewiesen. Paul Brusas König Karl dagegen kommt mit einer Art Brokatjäckchen etwas geckenhaft daher. Könige dürfen exzentrisch sein, und nun geht es um den wahren König. Aber keiner verbeugt sich untertänigst vor dem anderen, sie beäugen sich und wenn sie reden, dann gleichzeitig das Gleiche.

Pausenloser Einsatz für das Duo Brusa/Skoda

Das ist eine Herausforderung für die Darsteller, aber es klappt hervorragend, jedes Wort ist klar zu verstehen. Der Regisseur wendet das Mittel im Laufe des Gefechts immer wieder an, das verlangt große Genauigkeit und Achtsamkeit von Brusa/Skoda, die eher Figuren als Charaktere spielen. Sie sind pausenlos im Einsatz, und wie die Sprache sind Geste und Mimik fein abgestimmt. Bis hin zu Puppenspiel-Einlagen ist spürbar genau gearbeitet worden, um Dialog und Spiel auf den Punkt zu bringen. Das Darsteller-Duo geht dabei konzentriert zu Werke und regelrecht virtuos. Es bekommt eine Menge zu tun und muss körperlich fit sein.

Denn Fritz und Karl denken sich allerlei Wettkämpfe aus, um den wahren Inselkönig auszufechten. Aber Wettschwimmen? Tja, da ist das Wasser zu kalt; Könige lassen schwimmen. Beim Wettsingen stellen sie fest, dass sie kein Lied kennen; Könige lassen singen.

Auf der kleinen Insel hat sich allerlei Schwemmgut gesammelt, ein Container, ein Schwimmreifen, der sogar noch Luft hat, eine Sitzbank. Alles kommt zum Einsatz, aber beim Boxen, auweia, passiert es: König Fritz geht k.o., wacht auf und fragt: „Wo bin ich?“ Er hat sogar vergessen, wer er ist. Karl der König triumphiert. Aber das ist längst nicht die Krönung des Abends. Es kommt natürlich anders.

Am Ende herrscht wieder Ruhe auf der Insel

Die 55 Minuten bereiten unaufgeregt ziemlich königlichen Spaß. Kleine Gags wie ein Zitat der Fantastischen Vier erfreuen alle, die biologisch nicht mehr Kind sind. Am Ende sammelt die königliche Küstenwache Fritz und Karl ein, die nun Königskollegen sind und eine Insel hinterlassen, die ohne trotzköpfige Majestäten Frieden hat. Das bekommt ordentlich Applaus.

Die 11-Uhr-Vorstellungen sind weitgehend ausverkauft, für 25. Februar und 7. März sind Restkarten da. Das gilt auch für den 17. Februar um 15 Uhr, besser sieht es am 10., 17. und 24. März um 15 Uhr aus. Bleibt die Frage, wer husch-husch bestimmt, sich das Stück anzugucken.

Von Hans-Martin Koch