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Maram El Dsoki erobert ihr Publikum, Bassist Willy Wagner liefert das Fundament. Foto: t&w

Auf der Suche nach einer Position

Lüneburg. Sie ist wieder da: Lüneburgern ist Maram El Dsoki noch als Sängerin einer Rockband des Gymnasiums Oedeme vertraut. Das war die Zeit, als die stimmenst arke Schülerin deutsch-ägyptischer Herkunft überlegte, ob sie allen Ernstes Profi werden sollte. Aber bereits vor dem Abi 2013 hatte sie an der KiKa-ZDF – Produktion „Dein Song“ teilgenommen, das Finale erreicht und mit ihrem Musikpaten Laith Al-Deen auf Konzerten seiner Tour Duette mit ihm gesungen. Natürlich wurde Maram El Dsoki eine professionelle Sängerin, mit Kollegin Tamara Bencsik gestaltete sie nun – abwechselnd solo, auch im Duett – Peer Frenzkes 1st Class Session in der Ritterakademie.

„Es ist seit damals viel passiert“, sagt Maram. Sie wurde an die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim angenommen, studiert dort das Fach „Singer/Songwriter“, probierte sich in vielen Genres aus: Electronica, Oriental/Hiphop, Soul, sogar Rap, „aber ich habe mich ein bisschen verloren gefühlt“. Also was tun? Authentisch sein, eigene Songs schreiben, die eigene Position finden. Die wird wohl zwischen Orient und Abendland zu finden sein, ihre Lieder haben ordentlich rockigen Groove und sind zugleich von einigen exotisch angehauchten Harmonien durchzogen, Ägypten eben.

Mischung aus Rocklady und Prinzessin

Und wer nicht hört, der sehe sich das Bühnenkostüm an, eine phantasievolle, sorgsam austarierte Mischung aus Rocklady und Prinzessin aus tausendundeiner Nacht. Aber Maram El Dsoki ist ja auch noch jung, da ist es ein bisschen früh, von einem Lebensweg zu sprechen, und vom Finden einer künstlerischen Identität.

Tamara Bencsik, obwohl ebenfalls jung und sicher genauso ehrgeizig, kommt auf der Bühne deutlich gelassener rüber. „Ooops, ich habe nur Coversongs mitgebracht“, verkündete sie fröhlich und kicherte ein wenig. Sie kann singen: Power und Empathie, Feeling für die besonderen Momente eines Songs, sympathische Ausstrahlung, klingende Seele, eindringliche Stimme – was braucht sie mehr? Tamara Bencsik, in Serbien geboren, war erfolgreich in der ungarischen Version von „DSDS“ und wurde seither als „Megasztár“ tituliert. Das ist vielleicht ein Hauch übertrieben, aber in der Branche sollte man eben nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Fantastische Keyboarderin

Von echten Megastars erzählte Jürgen Rau: Er arbeitete bei großen Schallplatten-Konzernen, sammelte Anekdoten, und präsentiert sie nun zusammen mit Richard Rossbach als Duo „Rock Tales“ – das war mal ein origineller support für Maram und Tamara, auch wenn der Auftritt ein bisschen unter der gebotenen Kürze litt.

Eine der Anekdoten geht so: Die Pink-Floyd-Musiker kamen spontan auf den Trichter, ihre „The Wall“-Show – „Hey, teacher, leave that kid alone“ – mit einem Schülerchor zu bereichern. Also wurden, echte Rockstars dulden da ja keine Bedenken, mal eben die Schüler auf dem Pausenhof einer Privatschule rekrutiert. Der aufsichthabende Lehrer dagegen musste gehen, doch es gab ein Happy End: Pink Floyd beteiligte die Penne an den Einnahmen, sie ist heute stinkreich, und der gefeuerte Pauker wurde Schuldirektor.

Und sonst? Gastgeber Peer Frenzke (Gitarre), Bassist Willy Wagner und Schlagzeuger Michael Germer in gewohnt großer Form – mit einer fantastischen Keyboarderin Lisa Müller im Fokus.

Von Frank Füllgrabe