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Markus Heitz, auflagenstärkster deutscher Fantasy-Autor, stellte bei LüneBuch seine neuen Buch-Projekte vor. Foto: t&w

Jeder hat einige Leichen im Keller

Lüneburg. Wir erinnern uns: Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger, da verwandelten sich friedliche Menschen daheim rund um den Tisch in dämonische Zauberer, in Zwerge und schwerterschwingende Barbaren. Ausgerüstet mit heldenhaften Fähigkeiten, deren Stärke mit dem Würfel ermittelt wurden, irrten sie durch Labyrinthe. Sie öffneten Türen zu Verliesen und besiegten Unholde. Das war die Zeit des Pen & Paper, der Rollenspiele, eines hieß „Das schwarze Auge“.

Alles gespielt was gerade ging

Markus Heitz war dabei, „ich habe sechzehn Jahre lang alles gespielt was ging“. Heute ist der Homburger, Jahrgang 1971, der auflagenstärkste, erfolgreichste deutsche Fantasy-Autor, und nun kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. Denn sein Zyklus „Doors“ ist eine in die Literatur übersetzte Fassung dieser Rollenspiele, in denen Entscheidungen zu treffen waren, welche Tür nun zu öffnen, welcher Weg am besten zu wählen sei. Bei LüneBuch stellte Markus Heitz seine aktuellen Werke und Pläne für die nahe Zukunft vor.

Doors, also, Tore. Es gibt, gewissermaßen als Einstiegsdroge, ein Prolog-Heftchen, das kostet nichts: Der Teenager Anna-Lena van Dam wird vermisst, der schwerreiche Vater schickt ein Expertenteam aus, um die Tochter zu finden. Das ist eine illustre Truppe: ein Ex-Militär, eine Höhlenkletterin und ein Parapsychologe, die Spur führt in ein gigantisches Höhlenlabyrinth unterhalb des Anwesens der Dams. Und es zeichnet sich ab, dass die drei Experten selbst einige Leichen im Keller haben.

Plot ist im Mittelalter angesiedelt

Nun lässt Markus Heitz dem Leser mit drei Romanen die Wahl: Möchte er ins „Blutfeld“? Der Plot ist im Mittelalter angesiedelt, im Jahre 841. Oder möchte er – zweitens – in die „Kolonie“, in die 1940er-Jahre, also mitten in den Zweiten Weltkrieg, der allerdings etwas anders verlief, als es in den Geschichtsbüchern steht? Oder – drittens – in die nahe Zukunft, in das Jahr 2049? Das Jahr ist kein Zufall, die Fortsetzung von Ridley Scotts SciFi „Blade Runner“ spielt in diesem Jahr, Heitz ist ein erklärter Fan des Kino-Klassikers. Aber das Publikum bei LüneBuch wollte lieber ins Mittelalter – eine Parallelwelt: Tatsächlich haben in der Zeit vom sechsten bis neunten Jahrhundert Frauen das Kaiserreich regiert und sogar den Vatikan erobert. Als die Macht des Matriarchats erlosch, hatten die Männer nichts Eiligeres zu tun, als die Geschichte, die historischen Quellen umzuschreiben.

Zeitreisen, Mystery, Parallelwelten, Urban Fantasy – Markus Heitz ist in allen Genres präsent, natürlich hat er auch Rollenspiel-Bücher geschrieben. Im Jahre 2003 gelang ihm mit „Die Zwerge“ der Durchbruch. Er ließ die vorher ausgeübten Berufe, also etwa Zeitungsjournalist (Saarbrücker Zeitung) und Lehrer (Deutsch, Geschichte) sausen, weil er nun allein vom Schreiben leben konnte, was in Deutschland etwa drei bis vier Prozent aller Autor(inn)en gelingt. Die Liste seiner Publikationen ist fast unüberschaubar lang geworden, das tendenziell junge Publikum bei LüneBuch schien aber die Übersicht bewahrt zu haben, das zeigten Fragen, wann er denn diesen oder jenen Handlungsfaden wieder aufnehmen wolle.

Kreativität und disziplinierte Arbeit

Markus Heitz pflegt das Image eines freundlichen, großen Jungen, der sich seine Begeisterung für die Fantasy-Welten bewahrt. Tatsächlich ist der Autor, der allein in Deutschland mehr als fünf Millionen Bücher verkauft hat, bei aller sprudelnden Kreativität ein disziplinierter Arbeiter. Zwei Monate braucht er für ein Roman-Manuskript, weitere zwei Monate für die diversen Überarbeitungen. Natürlich gibt es längst ein Datum für die nächste Doors-Runde (August 2019). Und erstmals feiert Markus Heitz auch das Christfest, beizeiten wird eine entsprechende Anthologie mit Weihnachtsgeschichten erscheinen. Ob allerdings Engel und Weihnachtsmann überleben, ist bei der Personal-Verlustquote seiner Stories fraglich.

Von Frank Füllgrabe