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Angelika Bachmann, Sonja Lena Schmid und Iris Siegfried feuern sich gegenseitig an. Foto: phs

Liebe stellt immer die gleichen Fragen

Lüneburg. Aktuell dreht sich bei „Salut Salon“ alles um die Liebe. Ein Thema, das immer schon schier unerschöpflich war und es heute noch ist. Kein Problem für das musikbesessene und stets exzellent vorbereitete Mädels-Quartett aus Hamburg, das 1990 als „Die coolen Streicher“ startete und in teils wechselnder Besetzung seit 2002 mit einer spektakulären Szenerie aus hochspannendem Virtuosenkonzert und ideenreichem Kabarett die Bühnen der Welt erobert. Das Thema Liebe in ihren verschiedensten Facetten haben die Künstlerinnen, die im ausverkauften Theater Beifallsstürme ernteten, in Musik so gut wie aller Stilrichtungen aufgestöbert.

Vor der Pause in schlicht roten, danach in schwarzen Kleidern präsentierte „Salut Salon“ klassische, meist selbst für ihre Formation und Absichten passend arrangierte Musik von Beethoven (Variationen über Mozarts „Zauberflöte“-Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“) und Schumann (Romanze op. 28/2) bis zu Grieg (Arrangement „Tanz der Trolle“) oder auch Prokofjew („Tanz der Ritter“ aus „Romeo und Julia“, „Streit“ aus „Cinderella“) und dem georgischem Cellisten Sulchan Zinzadse (Wiegenlied aus „Five Pieces on Folk Norwegen“), erklangen stellenweise im Original, meist selbst bearbeitet für die Instrumente und Stimmen des Quartetts, und ebenso ungewöhnlich wie intelligent interpretiert. Im Programm findet sich Musik aus Musical und Film, da gibt es Volksweisen, Pop, Chanson, Latin, Boogie oder den Tango Nuevo der ganz großen Quartett-Liebe Astor Piazzolla.

Überbordende Spielfreude

Dessen berühmter Libertango bietet sich als eine Ouvertüre an, die in den Händen der Vier zur virtuosen Kunst der Verführung samt spürbarem Liebeskummer, Hoffnung und Versöhnung wird. Mit „Let’s fall in love“ nach Cole Porter geht die unaufhaltsame Publikumsbetörung weiter, dann mit einem Instrumentalmix namens „La Follia“ – der Wahnsinn, an dem sechs Komponisten inklusive Angelika Bachmann beteiligt sind.

Meisterhaft nutzen die Ensemblegründerinnen und Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried ihre überbordende Spielfreude und ihren charmanten Frohsinn für totale Bühnenpräsenz, zusammen mit der ebenso feinfühlig wie virtuos agierenden Cellistin Sonja Lena Schmid und der großartigen Klavierkünstlerin Olga Shkrygunova. Olga übernimmt, wie alle anderen auch, zuweilen die Moderation, dann kokettiert die in Russland geborene Pianistin, die auch das Akkordeon zur Hand nimmt, in Zeitlupe mit russischem Akzent. Die Echo-Preisträgerinnen sind auch geborene Chansonetten, reüssieren humorvoll mit „Wie tief kann man lieben, ohne aufzutauchen?“ oder „Es ist, was es ist…“ oder Olgas melancholischem jüdischen Tango „Ikh hob dikh tsufil lib“.

Humor, Witz und Ernst

Das Quartett, das sich schon lange für Musikunterricht in armen Ländern engagiert, gibt auf seiner Tour-Station Lüneburg alles, mit viel Humor, Witz und Ernst. Es weiß, die Liebe stellt immer die gleichen Fragen. Das zeigen nicht zuletzt die beiden Medleys. Der erste gipfelt in einem stehend, liegend, tanzend gespielten Liebesmord. Das Konzertfinale bildet der Medley „What’s Love“ geboten, in dem Franz Wittenbrink fast 30 Hits der nationalen und internationalen Rock- und Popszene seit Zarah Leander verarbeitete. Das Publikum hält es nicht in den Sitzen, es verlangt Zugaben. Vivaldis „Sommer“ kommt, und bündelt die typisch Salut Salon‘schen Clownesken, wie rückwärtsüberkopf Klavierspielen oder verrenkt das Instrument der anderen streichen. Und zum Schluss das leisere Abschiedslied „Es war wunderschön…“.

Von Antje Amoneit