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Anke Gruss lädt in ihr Atelier in der KulturBäckerei. (Foto: ff)

Neue Ausstellungen – ein Rundgang

Lüneburg/Salzhausen/Scharnebeck. „From Dusk till Dawn“ ist ein knallharter Gangsterthriller, er spielt also von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen. Umgekehrt hat Anke Gruss ihre Ausstellung nun „From Dawn till Dusk genannt“, nun geht es um das Tageslicht. Die Kunstpädagogin, Malerin und Grafik-Designerin, die 2014 von Berlin nach Lüneburg zog, arbeitete jahrelang an Animationsfilmen, hat sich an der Staffelei den Blick für den Film-Plots, für Szenen und eben ihre Ausleuchtung bewahrt.

In ihrem Atelier im ersten Stock der KulturBäckerei zeigt Anke Gruss – Achtung: nur heute ab 19 Uhr und morgen von 13 bis 18 Uhr – eine Auswahl von Aquarellen und Ölbildern, in denen pointiert eingesetzte Lichteffekte die Hauptrolle spielen: ein einziges Fenster ist in einem einsam stehenden Haus erleuchtet, Hitchcock (Psycho!) lässt grüßen, anderswo schneidet die Sonne eine Schneise in eine Großstadtschlucht, schimmert warmes Abendlicht auf eine eigentlich trostlose Fassade.

Aber es gibt viel mehr zu entdecken in dieser kleinen Retro­spektive: norwegische Meeresstimmung, leise Lüneburger Behaglichkeit und laute Kneipen-Geschäftigkeit. Manchmal arbeitet Anke Gruss spontan, intuitiv, häufiger ist der sorgsame Aufbau vieler lasierender Farbschichten. Auf der zentralen Staffelei steht ein unfertiges Gemälde, das diese Vorgehensweise erahnen lässt.

Zwischen Kupfer und Öl

Noch einmal die KulturBäckerei, diesmal Erdgeschoss: Zwei Werkszyklen hängen beziehungsweise stehen im Atelier von Igor Frank. Das sind einmal an den Wänden Ölgemälde in allen Formaten, und das sind zweitens Kupferskulpturen, die den Weg zum Schreibtisch und zu den Staffeleien verstellen. Zwischen Kupfer und Öl also bewegt sich Igor Frank in seinem Schaffen, und genauso heißt seine Ausstellung, die morgen um 16 Uhr im Haus des Gastes in Salzhausen eröffnet wird.

Die Bilder stammen aus den Jahren 2009 bis 2019: Lüneburg- und andere Städte-Szenarien, meistens von eher melancholischer Grundstimmung, sorgfältig ausformuliert, zuweilen aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel gesehen, manchmal mit Konzentration auf ein Detail oder verdichtet zu einem extremen Hoch- oder Querformat.

Die Skulpturen beleuchten die andere, eher humoristische, spielerische Seite des Künstlers: Hier werden Kupferrohre zu einer monströsen Heuschrecke zusammengelötet, dort zu einer reichlich exzentrischen Dame mit Regenschirm und Minirock, Buch und Brille. Kleinere Arbeiten konzentrieren sich auf Details, zeigen eine weibliche Hand, die an einem Stecker im Ohr herumzuppelt, oder ein Baby, das gerade gestillt wird.

Mit seinen Werken unterwegs

Igor Frank liebt es, mit seinen Werken unterwegs zu sein. Zuletzt war der Lüneburger in Straßburg präsent. Demnächst geht es nach Ingolstadt, dort ist der Lüneburger auch für einen Kunstpreis nominiert. Jetzt aber geht es erst einmal nach Salzhausen, die Ausstellung läuft bis 14. April (sonnabends und sonntags, 14 bis 18 Uhr).

Bäume durchleben, wenn man sie denn lässt, viele Phasen des Wachstums, der Verletzungen und der Heilung; dies alles hinterlässt Wunden und Narben. Jann Honnens hat sich mit dem Fotoapparat auf die Suche nach solchen Spuren begeben. Ergebnisse sind im Rathaus der Samtgemeinde Scharnebeck zu sehen.

Es sind geheimnisvolle Mikrokosmen, die in der Nahaufnahme ihr Koordinatensystem verlieren und ein Eigenleben entwickeln: bizarre Borkenlandschaften, grinsende Münder, Tore zur Unterwelt, hämische Kobolde – manchmal muss man das Motiv nur um neunzig Grad drehen, um es neu deuten zu können, anderswo entstehen abstrakte, farbenkräftige Gemälde.

Andere Arbeiten sind tatsächlich Gemälde beziehungsweise Zeichnungen, Mischtechniken – Verdichtungen der Landschaft auf ihre Konturen und Proportionen, auf prägende Farben, Flächen und Ordnungsstrukturen. Die umfangreiche, sich auf beide Ebenen des Rathauses erstreckende Ausstellung „Bäume“ ist bis 10. Mai zu sehen.

Von Frank Füllgrabe