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Waschen, Schneiden, Legen: Das Erwachsenenensemble 1 ist im Einsatz für die Kundin. Foto: t&w

Geschichten aus dem Frisörsalon

Lüneburg. Gisela König (Julia Mitwollen) steht hinter dem Empfangstresen und schlägt den Terminkalender auf. Ihr deprimierter Blick verrät: Wieder einmal hat niemand einen Termin gebucht. Der Salon König, den sie gemeinsam mit ihrer Schwester Heidelinde (Corinna Langhammer) betreibt, läuft schlecht. Dazu trägt nicht nur der heruntergekommene 70er-Jahre- Charme des Salons bei, an dem sich, seit ihn die beiden Schwestern von ihren Großeltern geerbt haben, offensichtlich lange nichts mehr geändert hat. Auch von ihrem Handwerk verstehen die beiden nicht so viel, wie sie eigentlich sollten und wie nun im theater im e.novum zu erfahren ist.

Weil sie die Miete alleine nicht mehr zahlen können, sind die beiden gezwungen, Teile ihrer Räumlichkeiten an ein Bestattungsunternehmen unterzuvermieten. Schlechter könnte es eigentlich nicht laufen. Doch zum Glück sind da wenigstens noch einige Stammkunden – und von denen ist einer skurriler als der andere.

Innerhalb einer Woche geschrieben

Mit „Mein fabelhafter Frisörsalon“ knüpft Theaterchefin Margit Weihe an ihr erfolgreiches Stück „Mein wunderbarer Waschsalon“ aus 2015 an, in dem sich das Erwachsenenensemble 1 bereits bewährt hat. „Es ist immer eine Herausforderung, ein geeignetes Stück für vierzehn Schauspieler zu finden“, sagt Weihe. Als dann die Idee mit dem Frisörsalon stand, ging alles ganz schnell: „Geschrieben habe ich das Stück innerhalb einer Woche.“

Die Stammkunden verkörpern Stereotypen, die eigentlich jeder irgendwoher kennt. Da gibt es zum Beispiel den schmierigen, von sich selbst überzeugten Zahnarzt Arno (Ulrich Clausen), der seinen Intellekt gerne zur Schau stellt. Die Food-Bloggerin Liane (Anna Butschke), die den wurstbrotessenden Taxifahrer Dominik (Dennis Bressem) vom Veganismus überzeugen möchte. Die kettenrauchende Nachtclubbesitzerin Ilona (Christine Katz), deren beste Jahre schon weit zurückliegen. Und das unsichere Muttersöhnchen Gernot (Carsten Rieckhoff), das beim Flirten in wirklich jedes Fettnäpfchen tritt.

Der Salon muss wieder fit werden

Auch wenn das Ergebnis nach einem Besuch im Salon König jedes Mal aufs Neue zu wünschen übriglässt – aus Macht der Gewohnheit und weil sie die beiden Schwestern auch irgendwie ins Herz geschlossen haben, kommen sie alle regelmäßig wieder. Und wollen nun gemeinsam Pläne schmieden, wie der Salon wieder flott wird. Dass da die kuriosesten Ideen zusammenkommen, ist absehbar.

Die Stärke des Stücks liegt in der Vielschichtigkeit der Figuren – die Zuschauer werden sich in einigen von ihnen wiedererkannt haben. Das zeugt von einer scharfen Beobachtungsgabe der Autorin und Regisseurin. „Schöpfer sein zu können ist das, was ich so am Theater liebe“, sagt Margit Weihe. Die Ideen für ihre Figuren kämen ihr in ihrem Alltag in Lüneburg. Sie beobachte immer viel und genau. Und recherchiere dann aber auch ausführlich: „Ich möchte dem Publikum auch immer Wissen über die Branche vermitteln – natürlich in einer äußerst überspitzten Form.“

Bis zum 27. April im theater im e.novum

Seit August hat das Ensemble für diesen Abend geprobt, bis drei Tage vor der Premiere wurde noch umgeschrieben, im Endspurt hatten sie mit Krankheit zu kämpfen. Doch zur Premiere lief dann alles gut. Das kurzweilige Stück amüsierte das Publikum, das aus Jung und Alt bestand, köstlich, sodass die zweieinhalb Stunden wie im Flug vergingen.

Das Stück läuft noch bis zum 27. April im theater im e.novum am Munstermannskamp. Bisher sind noch für jede Vorführung Karten verfügbar.

Von Anna Hoffmann