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Jeden Mittwoch treffen sich die Lüneburger Trommler in der Goseburg und proben mit der Zeit immer komplexere Rhythmen. Foto: t&w

Trommeln befreit

Lüneburg. An jedem Mittwoch dreht sich Monika Bruns Stöpsel in die Ohren und schlägt zwei Stunden lang zu, in festen Rhythmen, die wollen geübt sein. Es ist laut im kleinen Raum in der Goseburg, die Fenster sind natürlich geschlossen. „Ich komme mit Kopfschmerzen und gehe ohne“, sagt Monika Bruns. „Es entspannt einfach, man hat hinterher einen freien Kopf“, fügt Bernd Peters hinzu, einer von vier Männern bei den 25 Trommlern von Samba das Salinas.

Trommelgruppen gibt es mehrere im Lüneburgischen. An der Leuphana leitet Nico Wienberg die Samba-Percussiongruppe Batucada, Xamba Wendland schöpft aus dem gleichen Repertoire an Rhythmen, und dann gibt es noch Jörg Schwiegers sehr präsente Schrotttrommler aus Deutsch Evern.

„Wir sind nun mal verkopfter“

Seit 13 Jahren sind Samba das Salinas dabei. Lange leitete der früh gestorbene Tüte Neumüller die Gruppe. Heute studiert Johannes Schneider mit der Zeit komplexer gewordene afro- und lateinamerikanische Rhythmen ein. Das, was den Zuhörer zum Bewegen verführt, folgt oft komplexen Vorgaben, ist nicht so locker weggetrommelt, wie es sich anhört. Dabei ist den Lüneburger Trommlern klar, dass sie anders spielen als lateinamerikanische Gruppen. „Wir sind nun mal verkopfter“, meint Peters. Immer geht es, das steht auch so auf der Homepage, um eine „europäische Variante“. Es kommen zum Beispiel Hip-Hop-Beats hinzu.

Warum aber sind es vorwiegend Frauen, die in der Gruppe spielen? Schlagzeug ist bei Bands und auch bei Orchestern fast ausschließlich Männersache. „Der einsame Wolf geht hier nicht. Frauen können mit Rhythmen meistens besser umgehen“, meint Monika Bruns. Auch Peters sieht das Spielen in der Gruppe als etwas, das Frauen vielleicht näher liegt als Männern.

Das Problem ist der Raum

Die Samba das Salinas haben ein Ziel und ein Problem. Das Ziel heißt: Sie nehmen in diesem Monat eine CD auf. Es ist ihnen klar, dass sich mit reiner Trommelmusik keine großen Umsätze machen lassen. „Es tut aber gut, ein Ziel zu haben, das konzentriert uns zusätzlich“, sagt Susanne Wedi-Pumpe, die Vorsitzende der Gruppe.

Das Problem ist der Raum. Er gehört zum Chaussee-Mediencentrum, und das weitet sich aus, braucht den Raum selbst. Jetzt geht es den Samba das Salinas wie so manchen Bands: Wo finde ich einen Proberaum? Ganz klein sein darf er auch nicht, 50 Quadratmeter müsse er schon haben, sagt die Vorsitzende. Gibt es noch Platz, Surdo, Caixa, Repinique, Tamborim, Timba und wie die Trommeln heißen, zwischenzulagern, wäre es besonders gut. Die Apito nimmt Leiter Johannes Schneider aber mit nach Hause, die Trillerpfeife der Samba-Musiker, mit deren drei Tönen zum Beispiel Rhythmuswechsel angezeigt werden.

Die Samba das Salinas sind erreichbar unter www.samba-das-salinas.de. Wer Lust hat mitzutrommeln und Rhythmusgefühl besitzt, ist auch willkommen.

Von Hans-Martin Koch