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Gut gelaunt: Thomas Dorsch bei den Proben. Foto: Theater/Kozycki

Großes Werk, kleines Haus

Lüneburg. Acht Kontrabässe, vier Hörner, drei Posaunen, Basstuba, vier Schlagwerker, zehn Celli, jede Menge Geigen, Bratschen und was noch alles gut klingt. Rundherum sind es mehr als hundert Musiker, die Richard Strauss seinem „Rosenkavalier“ verordnet hat. Trotzdem hat sich das kleine Theater Lüneburg diese in jeder Hinsicht riesige Oper vorgenommen – mit einem Orchester, das über 30 Planstellen verfügt, und einem Graben, in den vielleicht gut 40 Musiker passen. Dann wird die Luft knapp. Dass und wie es geht mit einem Lüneburger „Rosenkavalier“, das ist Sache von Thomas Dorsch, er trägt nun mal den Titel Generalmusikdirektor.

Warum überhaupt so ein Werk in Lüneburg? Dorsch und Intendant Hajo Fouquet, hier zugleich Regisseur, wollen im Spielplan alle Epochen der Oper abdecken. „Der Rosenkavalier“, 1911 uraufgeführt. zählt zu den berühmtesten Opern der Zeit. Und natürlich reizt es Theatermacher, die ganz großen Stücke umzusetzen und Grenzen auszuweiten.

Es wird eine Erstaufführung: „Wir sind die ersten, die das Werk runterbrechen“, sagt Dorsch. Klingt brutal, aber gemeint ist natürlich, dass der „Rosenkavalier“ eine Fassung erhält, mit der die musikalische Komödie auch an kleineren Bühnen aufführbar wird. Der Schott Verlag hat Dorsch zum „Runterbrechen“ autorisiert.

Zwei statt acht Kontrabässe

„Die Töne sind alle da“, verspricht Dorsch. Auch die für Strauss so wichtigen Klangfarben blieben vollständig erhalten. Um das zu erreichen, konnte Dorsch die Besetzung natürlich nicht einfach zusammenkürzen, nach dem Motto: zwei statt acht Kontrabässe, dazu nur drei Celli, vier Bratschen. . . Er musste vielmehr herausfinden, wie er gegebenenfalls „Ersatzfarben“ erzeugt, um den geforderten Klang zu produzieren. „Selbst Hörer, die das Stück in- und auswendig kennen, werden es nicht merken“, sagt der Dirigent. Mehrere Monate saß er dafür an seiner Bearbeitung.

Dorsch sieht in der schlankeren Fassung, also mit gut 40 statt 100 Musikern, sogar einen Gewinn: „Man versteht die Struktur besser, die Musik spricht stärker.“ Sie gehört zum Anspruchsvollsten und Virtuosesten, das ein Orchester spielen kann. „Hier ist in jeder Zeile der Teufel los“, meint der Dirigent.

Dorsch hat die Konzertprogramme der Symphoniker in der jüngeren Zeit so gestaltet, dass sich das Orchester schon in Richtung Strauss-Klang gespielt hat. Der Dirigent kennt das Stück, er hat es in seiner Mainzer Zeit mehrfach geleitet. „Ich weiß genau, wie es klingen muss.“ Dorsch ist sehr zuversichtlich.

Inszenierung von Hajo Fouquet

Auch bei den Solisten: „Sie liegen alle perfekt drauf.“ Will heißen, die Stimmen passen zu den Partien, die natürlich ebenso herausfordernd sind wie der Orchesterpart. Signe Heiberg singt die Feldmarschallin, Regina Pätzer die Hosenrolle Octavian, also den jungen Geliebten der Frau. Die Marschallin wird ihren Gespielen bekanntlich an Sophie verlieren, sie wird von Franka Kraneis gesungen. Als Baron Ochs, der aus Geldgründen die Sophie gern zur Frau bekäme, ist Martin Blasius als erfahrener Strauss-Sänger zu erleben. Ulrich Kratz (Faninal), Kerrie Sheppard (Leitmetzerin) sind neben einigen mehr solistisch dabei. Wie immer bei Inszenierungen von Hajo Fouquet übernimmt Stefan Rieckhoff das Bühnen- und Kostümbild.

Anders als sonst ist die Anfangszeit der Aufführungen, denn der „Rosenkavalier“ sprengt von der Dauer her Konventionen. Dorsch/Fouquet haben aber Striche gesetzt, sodass die Inszenierung etwa drei Stunden und eine halbe Stunde dauern dürfte, also deutlich unter den vier Stunden und mehr, die „Rosenkavalier“-Freunde kennen.

Die Premiere am Sonnabend, 9. März, um 19 Uhr ist ausverkauft. Die weiteren Aufführungen beginnen in der Woche um 19.30 Uhr, sonnabends um 19 Uhr, sonntags um 18 Uhr.

Von Hans-Martin Koch