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HP Braun eröffnet am Sonntag seine Ausstellung, die als kleine Werkschau ausgelegt ist. Foto: ff

Zwischenräume der Kommunikation

Dahlenburg. Die menschliche Wahrnehmung und ihre Kommunikation, das sind unzuverlässige Angelegenheiten. Richter wissen das und sind bei Zeugenaussagen grundsätzlich eher skeptisch. Künstler wissen das und beziehen das Moment der Unwägbarkeit in ihre Arbeiten mit ein. Was sieht der Betrachter? Wie versteht er es? Mancher Maler staunt, was Betrachter in seinen Werken erkennen.

Bilder, die mit dem Prozess der Irritation spielen, zeigt HP Braun ab Sonntag, 10. März, in Dahlenburg. Die aktuelle Präsentation von HP (für Hans-Peter) Braun heißt schlicht „Bilder“, sie stammen aus den vergangenen Jahren, eine kleine Werkschau also. Ein früherer Titel lautet „Vom Klang der Worte zur Tonart der Gedanken“, das trifft die Intention des Künstlers, der seit gut zwei jahren in Nahrendorf lebt, schon eher. Denn immer haben die Pastelle und Ölbilder, das sind die bevorzugten Techniken, eine zweite Wirkungsebene, HP Braun spricht von „Zwischenräumen der Kommunikation“.

HP Braun liebt das Spiel mit Zitaten

Das geht schon mit den Bilderrahmen los. Sie konterkarieren mitunter das Format des zu rahmenden Bildes, ein Querformat steckt in einem Hochformat, das schafft Spannung auf subtile Art. Anderswo steckt das opulente Ölbild von einer gewöhnlichen Kasperlepuppe in einem mit Blattgold verzierten Rahmen, auch hier spannt es in der Präsentation.

HP Braun liebt das Spiel mit Zitaten. Zu sehen ist etwa ein zerknittertes Tuch, das in seinem Muster schwer an die plakativen Flächenzerlegungen von Piet Mondrian erinnert, tatsächlich, das Bild heißt „Mondrian revisited“, ein Stückchen weiter finden wir Pepsi-Etiketten-Fragmente, siehe Andy Warhol.

„Einmal hin, einmal her“

Optischer und räumlicher Mittelpunkt der Ausstellung ist eine eckige Säule, gemeint als Gemälde, so HP Braun, „das man nicht auf einen Blick erkennen kann.“ Wohl war. Das Werk trägt den Titel „Einmal hin, einmal her“, gemünzt auf den Kinderreim, und auch hier gibt es Zitate und Irritationen. Zu erkennen ist der „Hochzeiter“ von Spitzweg, und dann schwirren da ein paar Objekte über die Rundum-Leinwand, die wie umgekehrte Schachfiguren aussehen. Wer genauer hinschaut – oder eben darauf hingewiesen wird – erkennt aber die wahre Funktion, denn nun sind jeweils rechts und links menschliche Profile zu sehen: Was eben von vorne war, rückt in den Hintergrund, die Ebenen wechseln, das lässt sich häufiger beobachten, und ist manchmal auch nur in der Wahl der Materialien und der Oberflächenstruktur begründet.

Das Wesen der Schrift und ihrer Funktion hat HP Braun immer wieder beschäftigt, es gibt Texttafeln, und zum Symbol für die Ungewissheit der Verständigung wird hier die Flaschenpost. Der Inhalt ist klar definiert (ein Gruß, romantischer: ein Hilferuf), aber ob und wann die Botschaft ihr Ziel erreicht, steht in den Sternen.

Die Ausstellung in der Lüneburger Straße 14 läuft bis 24. März, geöffnet jeweils sonnabends/sonntags von 14 bis 18 Uhr; Vernissage: Sonntag, 11 bis 13 Uhr.

Von Frank Füllgrabe