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Sebastian Hahn, Dominik Bartels und Jörg Schwedler haben Spaß auf der Bühne. Foto: t&w

Sport muss doch nicht sein

Lüneburg. „20 Sekunden Lachen entsprechen etwa der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern.“ Dieses Motto herrschte bei „Kunst & Frevel“ vor. Die monatliche Lesebühne ist seit 2010 fester Bestandteil der Lüneburger Kulturszene. Dass sie sich mit der Zeit ein großes Stammpublikum aufgebaut hat, wird klar als Gastgeber Jörg Schwedler zu Beginn der ausverkauften Lesung fragt, wer zum ersten Mal da sei. Nur ungefähr ein Viertel der Zuschauer hebt die Hand. Trotzdem witzelt Schwedler: „Warum jetzt erst? Wir sind im zehnten Jahr!“

Ivan Lendl ist noch bekannt

Das feste Mitglied von „Kunst & Frevel“ eröffnet den Abend mit einem Text über das Joggen. Das Publikum braucht noch etwas um anzukommen, die Witze zünden nur teilweise. Es herrscht Feierabendstimmung. Vor allem Paare und Gruppen von Freunden, die sich am Ende des Arbeitstags hier treffen, sind gekommen. Das Klientel unterscheidet sich deutlich von dem hauptsächlich studentischen Publikum bei den Poetry Slams von „Kampf der Künste“. Als Schwedler über Ivan Lendl spricht und meint: „Die Älteren unter euch werden ihn noch kennen“, geht ein zustimmendes Raunen durch die Menge.

Das Outfit von Dominik Bartels, dem zweiten Künstler, der an diesem Abend auftritt, hatte ihn an den ehemaligen Tennisspieler erinnert. Während Schwedler und Sebastian Hahn, der dritte Komiker im Bunde, sich immer wieder über ihre eigen Unsportlichkeit lustig machen, kommt Bartels mit roten Stirnband, dazu passenden Schweißbändern und CrossFit-T-Shirt auf die Bühne. Der gebürtige Wolgaster ist seit Jahren bei Poetry Slams und auf Lesebühnen in ganz Deutschland unterwegs. Mit schwarzem Humor erzählt er von haarsträubenden Radtouren durch die Innenstadt, Altherrenfußball und deutschen Familien, die sich im Wanderurlaub daneben benehmen.

Auch Sebastian Hahn ist ein Veteran der Poetry-Slam-Bühnen. Er hat das Kunststück fertig gebracht, seit 2011 jedes Jahr im Finale der Landesmeisterschaften für Niedersachsen und Bremen zu stehen. Spätestens als er den insgesamt dritten Text des Abends liest, ist das Publikum endgültig angekommen. Sein Vortrag wird immer wieder durch Applaus und lang anhaltendes Lachen unterbrochen. Die Zuschauer sind begeistert von Hahns Witzen über Trendsportarten wie Slacklining, Joggen oder Zumba. Zu letzterem erzählt er trocken: „Meine Oma hat mal gesagt, Tanzen ist der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens.“ Das Lachen der Zuschauer will gar nicht wieder aufhören.

Lachen verbrennt genug Kalorien

Die drei Künstler harmonieren wunderbar miteinander. Sie spielen sich gegenseitig die Bälle zu und amüsieren sich sichtlich über die Texte der jeweils anderen. „Kunst & Frevel“ scheint eine Adresse zu sein, die Bühnenliteraten gerne besuchen. Und auch das Publikum macht den Eindruck, als sei es bestens auf seine Kosten gekommen. Kalorienverbrennung durch Lachen scheint den meisten lieber zu sein als Sport. Auf die Frage, ob denn Sportler im Raum seien, meldet sich nur ein einsamer Badminton-Spieler in der ersten Reihe.

Die nächste Lesung von „Kunst & Frevel“ findet am 17. April statt. Mit dabei sind neben Jörg Schwedler diesmal Jessy James LaFleur und Rainer Wulff.

Von Robert Schuppe