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Bastian Bielendorfer ist als Autor erfolgreich, jetzt ist er mit den Erzählungen aus seinem Leben als Comedian untwerwegs. Foto: t&w

Die Sache mit dem Staubsauger

Lüneburg. Es ist schön, wenn man einen humorbegabten Vater hat. Der Papa von Bastian Bielendorfer allerdings scheint ein echter Scherzkeks zu sein. Immerhin schickte er seinen Sohn in grüner Pumuckel-Unterhose zur Schule – weil doch gerade Tag der Solidarität mit Afrika sei, wo die Ärmsten der Armen nichts anzuziehen haben. Ein andermal hat er zugelassen, dass der Kleine auf Opas Begräbnis einen gewaltigen Böller zündete. Vorbildliche Pädagogik geht eigentlich anders, und was die Angelegenheit noch einen Hauch interessanter macht: Der Erziehungsbevollmächtigte ist Lehrer.

Harte Jugend als Lehrerkind

Alles „Lustig, aber wahr“ verspricht Bastian Bielendorfer, unter diesem Programmtitel erzählt der Comedian von seiner harten Jugend als mehrfach vorbestraftes Lehrerkind – in der Familie wimmelt es von Paukern. Bastian Bielendorfer, einst als lispelndes Dickerchen von den Klassenkameraden verspottet, machte das Beste daraus, und schrieb Bücher über sein Dasein in Gelsenkirchen. Heute ist der 34-Jährige mehrfacher Bestseller-Autor, mit Büchern wie „Lehrerkind – Lebenslänglich Pausenhof“ und „Lebenslänglich Klassenfahrt“ schaffte er es regelmäßig an die Spitze der Prosa-Charts.

Jetzt also die Bühnen-Tournee. Im vollbesetzten Kulturforum Gut Wienebüttel erreichte der Künstler, der selbst sein Lehramt-Studium aufgab und lieber Psychologie studierte, schnell sein Publikum. Live setzt Bielendorfer auf vertraute und bewährte Formate. Da ist etwa die notorische Unlust des Mannes, mit seiner Gattin zu shoppen: „Frauen sprechen vom Einkaufsbummel, aber kein Mann käme auf die Idee, von ‚bummeln‘ zu sprechen“. Oder die liebenswert-bescheuerten Alternativler, die hier als Waldorflehrer-Ehepaar Cordula und Thorben daherkommen, ihren Sohn tatsächlich Ludger tauften und ein komplett schafstofffreies Leben führen. Oder der ewige Kampf mit einer kryptischen Ikea-Bauanleitung: Paare, die gemeinsam den Kleiderschrank Pax (was ja eigentlich „Frieden“) bedeutet, zusammenschrauben, ohne sich gegenseitig die Inbusschlüssel in den Schädel zu rammen, die sind geeigent für die Ehe.

Ein Mops namens Otto

Wahr ist, dass das Ehepaar Bielendorfer einen Mops namens Otto hat, der als Deckrüde massenhaft Geld einbringen würde. Bastian hätte da keine Hemmungen, bei der Sache möglichst viel Geld herauszuschlagen. Aber natürlich stimmt er, nun ja, ohne Vorbehalte seiner Frau zu, dass Otto dann den Respekt vor Hündinnen verlieren würde.

Ein vertrauter Protagonist der Kohlenpott-Prosa – siehe auch: Frank Goosen – ist die resolute Oma, die dann Omma genannt wird. Omma, die immer leicht angeschickert ist, auf ein unzuverlässiges Hörgerät vertraut, dem jungen Ehepaar Bielendorfer im Urlaub zumutet, mit ihr in einem Dreierzimmer zu übernachten, und für alle Beschwerden ein Mittel parat hat: Penatencreme. Dieser Urlaub mit einer Seniorengruppe dürfte kein leichter gewesen sein, immerhin gibt es nun einen schönen Titel für die Truppe: Fifty Shades of Beige.

Dissertation über den Morbus Kobold

Bielendorfers Humor ist manchmal flach, derbe und riecht nach Fürzen. Aber was soll`s, so ist das Leben, zumindest seines. Wahr ist jedenfalls, dass es in den Siebziger Jahren zu einer Reihe von dramatischen Penis-Verstümmelungen kam, weil einige Männer den Vorwerk-Staubsauger „Kobold“ einmal anders nutzen wollten. Dabei übersahen sie, dass sich dicht hinter dem Ansaugstutzen ein Ventilator drehte. Über die Folgen gibt es heute eine Dissertation, der Propeller wurde entschärft, und zu lernen gab es an diesem Abend im Kulturforum einen Fachbegriff: Morbus Kobold. Aber das hatte natürlich nichts mit dem Herrn Papa zu tun. Das Publikum dankte mit langem Applaus.

Von Frank Füllgrabe