Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Die Fab Five des Abends heißen Oliver Parchment, Alexander Eissele, Danilo Gobbetto, Kristian Lucas und Udo Eickelmann. Foto: t&w

John, Paul, George, Ringo & Alex

Lüneburg. Die Generation jener Menschen, die in den Sechziger Jahren ihre musikalischen Neigungen entwickelten, spaltet sich gemeinhin in zwei Gruppen: Die eine schwärmt für die Rolling Stones, die andere für die Beatles. Während Keith und Mick, Ron und Charlie auf der Bühne immer mehr wie ihre eigenen Karikaturen aussehen, ging die Geschichte mit den Beatles – wenn auch nicht mit den Musikern selbst – gnädiger um: Die Fab Four trennten sich 1970, nach nur wenigen Jahren, was die Legendenbildung fördert. Zugleich rückt die Pflege ihres musikalischen Nachlasses in den Mittelpunkt. Das ist ein Fall für Alexander Eissele, die Rampensau.

Der Klarinettist, Bigband-Leader der Lumberjack Bigband Göppingen und Musiker der Lüneburger Symphoniker, hat im Theater bereits mit den Retro-Shows „Best of 80`s“ und „We will rock you“ (also Queen) die großen Vorbilder auf seine Art geehrt. Nun also „A hard days night“, das Ganze mit dem etwas unbescheidenen Zusatz „Eissele meets the Beatles“ – aber es ist ja auch ein grandioses Konzert. Die Zuschauer müssen es geahnt haben, zwei Termine hintereinander im großen Haus waren ruckzuck ausverkauft.

Streicher und Bläser der Symphoniker

Im Einsatz sind die Streicher und Bläser der Symphoniker, dazu eine rockgerechte Rhythmusgruppe: Moritz Constantin (dr), Martin Dohrmann (git), Olaf Niebuhr (git), Timo Weege (key), Christoph Schmitz (e-bass) und Clemens Bütje (perc). Ein Crossover-Projekt, das wohl mit den Stones kaum möglich wäre, bei den Beatles aber den Reichtum ihrer Songs, die Eleganz der Harmonien und die Genialität mancher ihrer Melodien beleuchtet. Früher wurde das Format „Symphonic Rock“ von den Fans misstrauisch beobachtet, heute zählt nur noch die Frage: Gut gemacht, oder nicht?

Den Lüneburger Musikern ist ihre Empathie für die Liverpooler anzuhören, auch wenn die meisten von ihnen die aktive Zeit der Beatles kaum miterlebt haben dürften. Ihre erste Single („Love Me Do“) erschien 1962. Den weltweiten Durchbruch schafften die Beatles 1963 mit der Single „I Want to Hold Your Hand“, den Höhepunkt ihrer Karriere erreichten sie zwischen 1964 und 1969, da führten sie, sagt jedenfalls Wikipedia, zeitweise in fast allen Ländern die Hitparaden an. Sie sind, das ist unstrittig, die erfolgreichste Band der Musikgeschichte. Doch bereits 1970 trennten sich ihre Wege. John wurde 1980 erschossen, George starb 2001 an Krebs, Paul und Ringo waren da längst ihre eigenen Wege geangen.

„All my lovin“ als Intro

Die Sänger Kristian Lucas, Danilo Gobbetto, Udo Eickelmann und Oliver Parchment, das sind die Fab Four des Lüneburger Abends. Natürlich sind die bekanntesten Songs – beginnend bei „All my lovin“ als Intro – dabei, manchmal medleymäßig hintereinander durchgespielt, Imagine folgt Yesterday, ein anderes Mal heißt die Folge Lady Madonna/Lucy in the Sky/Sergeant Pepper. Penny Lane bekommt von Rita Arkenau die berühmte Trompetensignale, und es sind neben all den legendären Hits auch ein paar weniger bekannte Stücke dabei – 213 Songs sind von den Beatles überliefert.

Alexander Eissele, der fast schon Kultstatus genießt, lässt es krachen, das klingt schon mal nach Beatles goes Las Vegas, nichts für Puristen. Dem textsicheren, mitsingbereiten Publikum hat es von der ersten Minute an gefallen. Und es waren sogar Stones-Fans dabei.

Von Frank Füllgrabe