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Wassily Kandinsky: Zwei Reiter in Rot (1911). Foto: Sammlung Joseph Hierling

Flächenbrand mit Holz

Jesteburg. Unter dem Titel „Flächenbrand Expressionismus“ präsentiert die Kunststätte Bossard ab Sonntag, 12. Mai, bisher bislang noch nicht gezeigte Holzschnitte des Expressionismus. Die Ausstellung wurde von den Machern der „Malweiber von Paris“ konzipiert, die im Jahre 2016 für einen Besucherrekord an der Kunststätte Bossard gesorgt hatten.

„Intensiver kann man dem Expressionismus in seiner ganzen Vielfalt kaum begegnen“, schwärmt Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr. Bis zum 11. August soll sich in den Räumen des Neuen Ateliers ein „Flächenbrand“ ausbreiten: Rund achtzig bislang noch nicht gezeigte Holzschnitte aus der Sammlung Joseph Hierling werden ausgestellt, darunter Arbeiten von Wassily Kandinsky und Ernst Ludwig Kirchner.

Gefühl von Spontaneität und Ursprünglichkeit

Die Holzschnitte machen die große Vielfalt der Bewegung des Expressionismus sichtbar. Das Medium des Holzschnitts war für die weite Verbreitung und die Popularität des Expressionismus nach dem Ersten Weltkrieg und in der Kultur der Zwanzigerjahre maßgeblich verantwortlich. Es war die Zeit, in der im ganzen deutschsprachigen Kulturgebiet von expressionistischer Musik, von expressionistischem Tanz, expressionistischem Film und sogar von expressionistischer Politik gesprochen und geschrieben wurde.

Der Holzschnitt, als verhältnismäßig leicht zu bearbeitendes Medium, unterstrich dabei das Gefühl von Spontaneität und Ursprünglichkeit, das zugleich mit Wahrhaftigkeit verbunden wurde. Er wurde zu „dem“ expressionistischen Ausdrucksmedium. So entfaltete sich in den 1910er- und 1920er-Jahren eine überraschende stilistische Breite, eben eine Art „Flächenbrand“, der sich anhand der Privatsammlung Joseph Hierling exemplarisch darstellen lässt.

Ausstellung wird am Sonntag eröffnet

Die im Prinzip sehr einfache Technik des Hochdrucks zählt zu den ältesten Verfahren der Menschheit, ihre Bildvorstellungen festzuhalten. Der Druck mit geschnittenen Holzklischees ist das älteste grafische Druckverfahren. Babylonier und Ägypter hatten bereits geschnittene Holzstempel in weichem Ton abgedruckt, und im Kaiserreich China kannte man im 4. Jahrhundert sogar schon die Möglichkeit, reliefartig bearbeitete Inschriftensteine mit Tusche einzufärben und auf Papier, das man dort seit dem 1. Jahrhundert herzustellen wusste, abzureiben. Seit der Erfindung des Buchdrucks war der Holzschnitt das geeignete Verfahren, um Bücher zu illustrieren, da der Druckstock in den typographischen Satz eingefügt und mit ihm zusammen in einem Arbeitsgang gedruckt werden konnte.

Die Ausstellung wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet von Udo Heitmann, Bürgermeister der Gemeinde Jesteburg und Mitglied des Stiftungsrats der Kunststätte Bossard, sowie von Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr. Musikalisch wird diese Veranstaltung gestaltet von der Claussen Simon-Stiftung, Hamburg. Die Sopranistin Lena Marie Hildebrandt und der Pianist Yibiao Meng spielen Kompositionen von Brahms und Beethoven. lz

Von Frank Füllgrabe