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Bernd Uhde hat sich für seine Arbeiten auch auf dem Rollfeld des Hamburger Flughafens umgesehen. Foto: ff

Pop Art auf der Startbahn

Scharnebeck. Bernd Uhde? Das ist doch der Fotograf, der mit dem Heißluftballon unterwegs ist, um Bilder von der Erde zu machen, die dann wie abstrakte – und manchmal sogar konkrete – Gemälde aussehen. Der Fotograf stimmt, der Heißluftballon nicht mehr, „der fliegt ja nie so, wie ich will“, sagt Bernd Uhde, „deswegen bin ich auf den Hubschrauber umgestiegen“. Natürlich ist der Künstler weiterhin am Himmel unterwegs, aber das ist nicht sein einziges Programm. Ein Querschnitt ist zurzeit unter dem schlichten Titel „Farb-Bilder“ in der Galerie Kulturboden zu sehen.

„AirRealArt“ nennt Bernd Uhde diese Technik, mit der er 2002 begann: Das Objektiv wird aus einiger Höhe genau senkrecht auf den Boden gerichtet. Auf diese Weise geht die Räumlichkeit, die Tiefe verloren. Architekturen werden zu abstrakten Formen-Kompositionen, Äcker zu Flächen mit komplexen, aber letztlich nicht zu entziffernden Oberflächenstrukturen, Treckerspuren zu Pinselstrichen. Dazu passt, dass Bernd Uhde im Kern – „Ich habe ja gar keine Ausbildung für die Fotografie“ – ein Maler ist. Der heute in der Gemeinde Bienenbüttel lebende Künstler, 1950 nahe Düsseldorf geboren, studierte an der Werkkunstschule Düsseldorf, dann freie Malerei in Berlin. So ein richtiger Foto-Amateur ist er aber doch nicht, nach einem Studium an der Film- und Fernsehakademie Berlin war und ist Bernd Uhde immer wieder als Filmemacher unterwegs.

Aufgemalte Navigationszeichen

Aus solchen Projekten stammen nun Arbeiten aus der Welt der Formel Eins, basierend auf Movie-Stills, Bilder von Michael Schumacher und Sebastian Vettel im Cockpit, man erkennt sie aber nicht, die Konturen der Boliden werden aufgeweicht – die hammerharte Sport-und-Kommerz-Welt des Bernie Ecclestone löst sich zu bonbonfarbenen Traumbildern auf.

Anderswo hat sich Bernd Uhde auf den Rollfeldern des Hamburger Flughafens umgetan, die aufgemalten Navigationszeichen für die Piloten fotografiert. Was als einfaches Symbol angelegt ist, verliert in der Draufsicht (diesmal von einer Leiter) seine konkrete Bedeutung und wird zur Pop-Art. Die Flugzeuge gestalten sie manchmal mit, etwa, wenn sie in der Touch-down-Area mit ihren Reifen in noch frischer Farbe aufsetzen.

Phantasie des Betrachters anregen

Und natürlich ist auch AirRealArt in Scharnebeck dabei: Ein riesiges Klärbecken mit seinen Schlacke-Ablagerungen, die mal austrocknen und mal wieder aufgespült werden, erscheint wie die Innenaufnahme einer Herzkammer, ein Trecker hat ein Gespenst auf einen Acker gezeichnet, der Bugwulst eines Tankers, von Bord aus fotografiert, erscheint wie ein Objekt aus einer anderen Welt. Bernd Uhde erzählt auf Nachfrage , wie die Arbeiten entstanden – wichtig ist es nicht, denn sie sollen ja für sich selbst stehen und die Phantasie des Betrachters anregen. Da gebe es, so Uhde, oft sehr interessante Deutungen. Vier Bildbände dokumentieren inzwischen seine Arbeit, ein fünfter wird vorbereitet.

Die Ausstellung ist bis 8. Juni jeweils freitags (16-18 Uhr), sonnabends (15-17 Uhr) und sonntags 11-13 Uhr) geöffnet.

Von Frank Füllgrabe