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Regisseur Matthias Herrmann präsentiert den Dreh- und Angelpunkt des Geschehens – mal Zeitmaschine, mal ein Tor in eine andere Welt, mal nur eine Bank. (Foto: ff)

Vexierspiel mit den Universen des Lebens

Lüneburg. Marianne und Roland begegnen sich auf einer Party. Sie finden sich nicht unsympathisch, es funkt nicht, aber immerhin. Das wird später passieren. Aber sind sich die beiden nicht schon mal begenet? Auch auf einer Party? Womöglich auf der gleichen? Aber in einem anderen Dasein? Marianne ist Quantenphysikerin, sie hat mit der Vorstellung von Paralleluniversen überhaupt keine Probleme. Roland schon, er ist Imker, und seine Welt ist das Hier und Jetzt.

Die beiden werden sich immer wieder begegnen im Leben, mehrfach, nacheinander, voreinander, es gibt unzählige Konstellationen. So heißt das Duo-Stück von Nick Payne, das morgen, Freitag, um 20 Uhr Premiere im Studio (T.NT) des Lüneburger Theaters feiert, inszeniert von Matthias Herrmann. Es spielen Beate Weidenhammer und Jan-Philip Walter Heinzel – keine leichte Aufgabe. Denn Konstellationen ist ein Vexierspiel, in dem sich je nach Perspektive und Zeitebene immer neue Situationen vor dem gleichen Hintergrund ergeben.

Haben wir einen freien Willen?

Gestellt wird die Frage nach dem „Was wäre wenn?“ und zugleich nach dem Sinn des Lebens. Haben wir einen freien Willen, oder sind es letztlich die Umstände, die uns und unser Handeln bestimmen? Winzige Kleinigkeiten können Entscheidendes verändern, zum Beispiel, ob sich Marianne und Roland sympathisch sind oder sich ätzend finden, auf welchem Weg sie zueinander finden, und ob überhaupt. Das erinnert an „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem sich zwei Protagonisten immer wieder ein erstes Mal begegnen. Nick Paynes „Constellations“ wurde zum Longseller am Londoner West End.

Die Physikerin und der Imker treffen sich wieder,, nun funkt es endlich, sie sind beide Mitte zwanzig und haben das Leben noch vor sich, beziehungsweise viele Leben in vielen Universen – „eine tief ausgelotete Liebesgeschichte“, sagt Matthias Herrmann. Es wird eine Phase der Trennung geben und eine des Wiedersehens in einer Tanzschule. Erinnerungen an die erste Begegnung beim Barbecue. Barbecue? War es nicht eine Stehparty? Irgendwann kommt der Punkt, an dem Marianne und Roland gemeinsam eine der schwersten Entscheidungen ihres Lebens treffen müssen, und hier spielt noch einmal der Glaube an die vielen möglichen Schauplätze der Existenz eine Rolle.

Die T.NT-Bühne ist fast leer, nur eine seltsame Konstruktion steht in der Mitte. Sieht aus wie eine Mischung aus UFO, Zeitmaschine und Parkbank, hier werden die Darsteller durchs Dasein geschleudert, manchmal innerhalb weniger Sekunden. Es gibt fast achtzig Lichtstimmungen für eine Spieldauer von neunzig bis hundert witzigen, melancholischen und traurigen Minuten. Es gibt für die Premiere nur noch wenige Restkarten, die nächsten Termine (21. und 26. Mai) sind noch frei.

Von Frank Füllgrabe