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Katrin Schmäl will ihr Büro im Heine-Haus zu einer Schnittstelle der Kulturarbeit ausbauen. Foto: ff

Nur die Klarinette bleibt noch im Koffer

Lüneburg. Pskow hat gut zweihunderttausend Einwohner und gilt als bedeutende Industriestadt, dort wird vom 27. bis 30. Juni der 39. Hansestag gefeiert. Aber wo liegt Pskow? „Da musste ich auch erst einmal auf der Karte suchen“, lacht Katrin Schmäl. Aber die russische Stadt zählt ja auch nicht unbedingt zum Kernbereich ihrer Arbeit. Seit Anfang 2019 ist Katrin Schmäl Kulturreferentin der Hansestadt Lüneburg, eine Dienstreise nach Russland ist da eher die Ausnahme, zurzeit gilt vor allem: Übersicht gewinnen über die komplexe Kulturszene der Stadt, Projekte anschieben, begleiten, die Akteure vernetzen.

Sehnsucht nach dem Norden

Katrin Schmäl stammt aus Kiel, studierte historisch orientierte Kulturwissenschaften in Saarbrücken, leitete die Akkreditierung des namhaften Filmfestivals Max Ophüls Preis. Es folgte der Wechsel nach Stuttgart, ein Masterstudium in Kulturmanagement, das Amt der Geschäftsführerin des Landesmusikerverbandes Baden-Württemberg. Aber: „Ich hatte wieder Sehnsucht nach dem Norden“ sagt Katrin Schmäl. Als die Stelle der Fachbereichsleitung Kultur in Lüneburg ausgeschreiben wurde, zögerte sie nicht lange – und setzte sich gegen 140 Mitbewerber durch. Das Büro von Vorgänger Jürgen Landmann im Heinrich-Heine-Haus stand schon ein halbes Jahr leer, da galt es erst einmal, Liegengebliebenes abzuarbeiten, bevor sich die 36-Jährige in ihrer neuen Stadt richtig umschauen konnte.

Zum Fachbereich Kultur zählen die rund 60 Mitarbeiter von Musikschule, der Museumsstiftung (Salzmuseum und Museum Lüneburg), der Ratsbücherei und des Stadtarchivs, außerdem gehören – mittelbar – das Theater und die Volkshochschule zu den Baustellen von Katrin Schmäl. Die Institutionen werden von erfahrenen Mitarbeitern geleitet, „da kann ich vor allem als Schnittstelle arbeiten, die Vernetzung fördern“.

Neu ist die Vergabe eines Kunstpreises

Zum Blick in die Runde gehört der Blick nach vorn: Am 20. Juli 2019 jährt sich das Bombenattentat Claus Schenk Graf von Stauffenbergs auf Hitler zum 75. Mal, „da gibt es viele Gespräche, Ideen, Impulse“, so Katrin Schmäl. Neu ist die Vergabe eines Kunstpreises für Musik und Theater in diesem Jahr, der bisher regelmäßig ausgelobte Hedwig-Meyn-Preis der Stadt Lüneburg hatte diese Sparten ausgeschlossen. Er wird dann wieder 2020 vergeben.

Unmittelbar bevor stehen die Ausschreibungen für ein Bildhauersymposium zur Gestaltung des Hanseplatzes im Hanseviertel, dort sollen im kommenden Jahr ein Lüneburger und ein Kollege aus Estland rund vier Wochen an der Gestaltung des Platzes arbeiten. An den Start geht außerdem in den nächsten Monaten ein neuer Mitarbeiter, zuständig für Kulturberatung.

Wo gibt es Auftrittsmöglichkeiten?

Das Büro von Katrin Schmäl, gleich vorne rechts im Heine-Haus, ist noch weitgehend schmucklos eingerichtet, ein Ort der Stille ist es nicht: Immer wieder klopfen Musiker und Maler an: Wo kann ich ausstellen? (Das Heine-Haus ist bis Endes des Jahres ausgebucht). Wo gibt es Auftrittsmöglichkeiten? Wie komme ich an Fördermittel heran? Wie können wir uns als Verein besser präsentieren? Katrin Schmäl selbst denkt auch an interkulturelle Kulturarbeit, dafür gibt es einen Raum, das mosaique.

Katrin Schmäl selbst spielt(e) Klarinette, Flöte, Klavier und Altsaxophon, zumindest die Klarinette zog mit um nach Lüneburg, wurde aber bisher nicht ausgepackt. Die Kulturreferentin würde auch gern im Chor singen; die Stimmlage? „Früher Sopran, heute eher Mezzosopran“. Es kommt der Tag, da wird Katrin Schmäl auch dafür wieder Zeit finden. Jetzt gilt es erst einmal, die freie Kunstszene Lüneburgs zu sichten, die Kulturbäckerei beispielsweise.

Pskow, historisch auch Pleskow, estnisch Pihkva, lettisch Pleskava, liegt übrigens etwa 290 Kilometer südwestlich von Sankt Petersburg und nahe der Grenze zu Estland.

Von Frank Füllgrabe