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Julia Pasinski stammt von der Insel Sylt und liebt das Malen maritimer Welten. Foto: t&w

Ihre Bilder wollen fliegen

Lüneburg. Streift Julia Pasinski durch die Stadt auf der Suche nach Motiven, dann sieht sie wie alle Backstein, Kirchtürme, Treppengiebel, Boote am Stint und was die Stadt touristisch so hergibt. Die Malerin und derzeitige Uwe-Lüders-Kunststipendiatin hält aber lieber Ausschau nach Winkeln und Perspektiven, die nicht totgemalt sind. Das ist schwer, doch Julia Pasinski findet da noch einiges und entdeckt dazu die Wacholderdrossel im Kurpark und die Gebirgsstelze an der Brausebrücke. Sie lassen die Bilder fliegen.

Bilder von Vögeln, manchmal fotorealistisch, werden von der Malerin schon lange mit Wasserfarben bearbeitet. Meistens sind es Austernfischer, Möwen und andere Küstenbeflieger. Kein Wunder, denn Julia Pasinski lebt zwar heute in Hamburg, stammt aber aus Sylt und fährt, wenn sie frei hat, am liebsten nach Oland, einer Zwei-Quadratkilometer-Hallig in der Nordsee, 17 Einwohner. Da rauscht das Meer unter Wolken vor weitem Horizont, kreischen die Vögel über Salz­wiesen. Alles will gemalt sein.

„Mich fasziniert die Stille im Stift“

Bis Ende Juni setzt Julia Pasinski nun Lüneburg ins Bild. Das war nicht geplant, sie kannte das bei der Sparkassenstiftung angedockte Stipendium ja gar nicht. Stifter Uwe Lüders aber hatte Bilder im Internet gesehen und regte die Künstlerin zur Bewerbung an. Für sie ist es ein ein Glücksfall.

Nun hat sie die drei Monate in dem idyllischen, verwinkelten Stipendiaten-Haus bald hinter sich, im Herzen der Stadt, im Rote-Hahn-Stift. „Mich fasziniert die Stille im Stift, es hat etwas von einer Insel oder einer Warft“, sagt sie. Die Stille ist gut zum Arbeiten, an die 60 Bilder sind bisher entstanden. Die Produktivität ist ganz im Sinne des Stifters, der Künstlern freies Wohnen, 1500 Euro im Monat und einen Materialzuschuss von 1000 Euro gewährt.

Fotos sind meistens Ausgangspunkt ihrer Bilder

Der Lübecker Unternehmer, der sein Herz für die KulturBäckerei und damit auch für Lüneburg öffnete, will mit seinem nun zum elften Mal vergebenen Stipendium norddeutschen Künstlern helfen, die sich noch nicht auf dem Kunstmarkt etabliert haben. Malen sie wie Julia Pasinski norddeutsche Motive, passt es doppelt.

Fotos sind meistens Ausgangspunkt der Pasinski-Bilder. Am Computer kann dann das Motiv konkretisiert werden, bis Pinsel und Farbe übernehmen.So sind nun Menschen zu sehen, die sich am Lunabrunnen tummeln, dazu Statuen wie der Sülfmeister, die vertrauten Boote am Stint, ein Winkel am Brömsehaus, auch der Schriftsteller Mark Twain, der bronzen am Stint residiert.

Ferienfreundliche Bilderwelt

Julia Pasinski hat die Kunstschule Wandsbek absolviert. Das Studium war ihr aber zu sehr auf Werbung ausgerichtet, „das ist nicht meine Welt“. Sie ging in die Malerei und schuf sich eine sanfte, verträumte, ferienfreundliche Bilderwelt, die der Kunst nichts Neues gibt, aber ein positives Lebensgefühl.

Sie werde ganz viel mitnehmen aus ihrer Lüneburg-Zeit, sagt Julia Pasinski. „Ich wollte freier werden, lockerer“, da sei sie vorangekommen. Ihr Fazit fällt schon jetzt sehr positiv aus: „Es ist eine tolle Chance. Für mich ist das hier sehr schön, super und auch vom Platz her ausreichend.“

Julia Pasinskis Malerei ist in den drei Monaten offensichtlich noch mehr ins Fliegen gekommen. Mauersegler spreizen die Flügel, Tauben suchen ihren Platz, auf dem Kopf des Sülfmeisters sitzt eine Amsel, und Abenteuer-Autor Mark Twain kann mit einer Gebirgsstelze über seine – leider nie tatsächlich angetretene – Reise nach Lüneburg plaudern.

Von Hans-Martin Koch