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Ohne Orchester geht auch

Lüneburg/Raven. Richtig gute Musik machen, und das ohne Instrumente? Nur mithilfe der Stimmen, die den Raum füllen? Doch, das geht, nicht nur bei den unvergesslichen Comedian Harmonists hört sich so etwas sogar gut an. Auch bei der Gruppe Maybebop: vier ausgebildeten Sänger um Oliver Gries, den Gründer der Truppe, so funktioniert das Konzept. Gerade haben Jan, Christoph, Oliver und Lukas eine neue CD mit dem Titel „Ziel:los“ an den Markt gebracht, und obwohl es heute Abend sehr heiß ist in Lüneburg, geht das Publikum im Kulturforum von Anfang an mit.

Da wird Bekanntes wie das „Ave Maria“ großartig gecovert, ein grandioser Moment mit Herzschmerzqualität, einfach schön. Lukas darf ein bisschen Nostalgie verbreiten, denn am Sonntag will er mit seiner Süßen segeln gehen, sofern die Winde wehen – der bekannte Schlager aus den vermeintlich goldenen Zwanzigern passt zu diesem Mann, der Wahl-Berliner ist, auch wenn es für eine Yacht auf dem Wannsee bisher nach seinen Aussagen nicht gereicht hat. Aus dem Publikum kommt Jeanette auf die Bühne, um von einer verzweifelten, heimlichen Liebe zu einem Mann singen, der anderweitig vergeben ist. Sie macht das sehr gefühlvoll, auch die Profis von Maybebop schlagen sich als spontaner Backgroundchor wacker.

Thema Helikoptereltern wird auch behandelt

Neben vertrauten Melodien gibt es heute Abend natürlich auch Neues zu hören. In „Ziel:los“, dem Titelsong der neuen CD, geht es um einen, der offenbar vor allem immer eines braucht, um sich lebendig zu fühlen: viel Tempo. Immer unterwegs sein, möglichst schnell, manchmal ohne recht zu wissen, wo es eigentlich hingehen soll – so jemanden kennt man aus der eigenen Bekanntschaft. Und vielleicht müsste man sich manchmal auch selbst fragen, wozu die eine oder Stressaktion im Leben eigentlich gut war. Ein paar ernsthafte Fragen gefallen lassen muss sich auch der Helikopter-Papa der in „Das Beste fürs Kind“ besungen wird. Als nervöser und überengagierter Vater sperrt er sein Töchterlein in einen Elfenbeinturm, rund um die Uhr betreut und verwöhnt. Die Kleine wird wohl eher schräge und unrealistische Vorstellungen davon entwickeln, was für sie im Leben das Beste ist.

Die Texte von Maybebop haben es manchmal in sich, selbst wenn sie gelegentlich auf Anhieb gar nichts sagen: Mit einem kräftigen Schallalala wird der oftmals sinnfreien, deutschen Volksmusik ironisch gehuldigt, doch am Schluss wird es dann noch einmal ernst: Mit dem Song „#lautsein“ ermutigt die Gruppe ihr Publikum, auch mal Zivilcourage zu zeigen und Krach zu schlagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Gehört worden ist Maybebop von seinen Fans an diesem Abend auf jeden Fall. Donnernder Applaus im nahezu ausverkauften Kulturforum verlangt nach einer Zugabe. Alle haben durchgehalten, trotz der Hitze.

Band bekocht Ravenerin

Einen besonderen Auftritt hatte die Band aber schon im Vorfeld des Auftritts: Als Gewinnerin des alljährlichen „Maybebop“-Gewinnspiels durfte sich Christin Müller aus Raven am Donnerstag Nachmittag von den vier Männern bekochen lassen. „Ich war zunächst etwas verwundert: Eine E-Mail mit der Betreffzeile ‚Maybebop-Gewinnspiel‘ tauchte bei mir auf, da wusste ich erst gar nicht, wo das jetzt hingehört“, sagt die 24-Jährige – schließlich lag ihre Teilnahme etwa ein Jahr zurück. „Doch dann habe ich mich sehr gefreut.“

Um 14 Uhr kreuzte die Band in dem kleinen Ort bei der Familie Müller auf, der prominente Besuch machte schnell die Runde und immer mehr Familienangehörige stießen zu diesem Event dazu. Die Jungs waren darauf vorbereitet, natürlich hatte man im Vorfeld schon Absprachen getroffen. „Es sollte nichts mit Meeresfrüchten geben“, sagte Christoph, daran hielten sie sich natürlich auch: Es gab gefüllte Tortillas mit Hackfleisch, Guacamole und Salat. Und das in rauen Mengen, so dass auch alle Gäste gut satt wurden. „Sehr lecker“, lobte die Gewinnspiel-Gewinnerin die Kochkünste der Männer.

Von Elke Schneefuß und Robin Williamson