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Das Geld liegt auf der Straße, manchmal auch in der Kunst: Die Installation „I use value“ von Nicolas Guagnini. Heute besucht der Kulturausschuss den Kunstverein. Foto: oc

Die Politik, die Kunst und das Geld

Lüneburg. Die Politiker, die im Lüneburger Rat als Fachleute für Kultur gelten, begeben sich zur Avantgarde. Der Kulturausschuss tagt am heutigen Donnerstag, 13 . Juni, in der Halle für Kunst, dem kleinen akademisch geprägten Kunstverein an der Reichenbachstraße. Auf der Sitzung geht es ab 16 Uhr nicht nur, aber natürlich auch um Geld.

Die Halle für Kunst wurde 1995 aus dem Uni-Umfeld heraus gegründet, begann an der Feldstraße. Heute nutzt der Verein Räume einer ehemaligen Maschinenfabrik. Die ersten Leiter waren Studierende: Heike Munder, seit 2001 Leiterin des Migros Museums für Gegenwartskunst in Zürich, und Bernd Milla, heute Geschäftsführer der Kunststiftung Baden-Württemberg. Nachfolgerin Bettina Steinbrügge leitet heute den Kunstverein Hamburg. Es folgten Valerie Knoll (heute Direktorin der Kunsthalle Bern), Eva Birkenstock (Leiterin des Kunstvereins Düsseldorf) und Hannes Loichinger (Autor, Kurator, Dozent).

Zuschüsse bis 9999 Euro

Seit 2012 verantwortet Stefanie Kleefeld das Programm. An der Spitze des Trägervereins steht Apl. Prof. Dr. Ulf Wuggenig von der Leuphana, er ist der Halle für Kunst seit Gründungstagen verbunden. Der Verein bietet fünf bis sechs Ausstellungen im Jahr plus Kunstvermittlung, Vorträgen, Filmpräsentationen etc. Die Halle für Kunst verfügt nach eigenen Angaben für das Jahresprogramm über einen Etat von knapp 180.000 Euro im Jahr. Das Geld kommt von Förderern wie der Sparkassenstiftung Lüneburg, vom Landschaftsverband Lüneburg, auch vom Rat der Stadt, der das Jahresprogramm aktuell mit 2000 Euro unterstützt.

Der Kultur- und Partnerschaftsausschuss kann knapp 30.000 Euro im Jahr ausschütten. Das ist nicht viel, der Haushaltslage geschuldet. Außerdem läuft der Löwenanteil der Kulturförderung mit mehr als einer Million Euro für Stadt und Kreis über den Fonds Kunst und Kultur der Sparkassenstiftung. Auch der vom Land Niedersachsen beauftragte Landschaftsverband leistet Wesentliches, seit 2005 kamen aus seinen Mitteln knapp 1,5 Millionen Euro für Kultur in Stadt und Kreis. Der Landschaftsverband, an den die Stadt jährlich 10.225 Euro gibt, vergibt Zuschüsse bis 9999 Euro, höhere Anträge bearbeitet das Land.

Zahlen sind nicht vergleichbar

3000 Euro aus den Kulturmitteln des Rates wurden dem Jahresprogramm des ehrenamtlich geführten Kunstvereins Lüneburg zugesprochen. Er rechnet mit knapp 17.000 Euro im Jahr, führt drei Ausstellungen durch. Aktuell sind im Heinrich-Heine-Haus Objekte von Frauke Wilken zu sehen, die sich mit Körperlichkeit und Wahrnehmung befassen.

Zahlen sind nicht vergleichbar, aber ein Spiegel für die jeweilige Arbeit. An der Spitze steht in Lüneburg in Sachen Bildende Kunst die von der Sparkassenstiftung betriebene Kulturbäckerei. An das gesamte Haus gehen 250.000 Euro im Jahr. Die Kulturbäckerei steht für zwölf, zum Teil bundesweit beachtete Ausstellungen im Jahr mit für 2019 prognostizierten knapp 70.000 Besuchern. Rund 30 weitere Veranstaltungen, eine Druckwerkstatt, etwa 90 Theatervorstellungen, zwölf Ateliers, die Kunstschule Ikarus füllen das Haus mit Leben. Von freien Theatern, Kunstschule und Ateliernutzern wird eine generell als sehr fair bezeichnete Miete erhoben. Mit in den Etat fallen, wie Carsten Junge als Geschäftsführer der Sparkassenstiftung sagt, zwei Personalstellen und fünf geringfügig Beschäftigte.

Noch eine Zahl, ebenfalls nicht als Vergleich zu sehen, aber um Dimensionen zu verdeutlichen: Das aktuelle Vorhaben „Pilgerspuren“ der Museen Stade und des Museums Lüneburg schlägt nach LZ-Informationen mit rund 240.000 Euro zu Buche.

Von Hans-Martin Koch