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„Stadt und Hafen“ von Barbara Gollan-Jauernig und „Wiese (Frühling)“ von Kerstin Voß. Fotos: ff

Vertrautes variieren, Neues wagen

Lüneburg. Kerstin Voß und Barbara Gollan-Jauernig zählen zu jenen Künstlerinnen, die in Lüneburg präsent sind, immer wieder neue Positionen beziehen, Vertrautes durchdeklinieren und Experimente wagen, ohne dabei den Anspruch zu erheben, die Grenzen der Malerei neu zu definieren. Aktuell stellen die beiden Lüneburgerinnen in der Galerie des Kulturforums Gut Wienebüttel aus: „Malerei, Zeichnung, Collage & Paper Plate „.

Der schlichte Titel ist typisch für die lakonische Präsentation im „KuFo“ – statt langer Erklärungen zum konzeptionellen Überbau sollen die Arbeiten an sich wirken. Kerstin Voß widmet sich den Stimmungen der Natur; Beispiel: eine Wiese; die großformatigen, quadratischen Gemälde (Acryl auf Leinwand) bekommen schlíchte Zusätze wie „poppig“, „Frühling“ oder „Sommer“, anderswo heißen die Arbeiten „Süden“, „Norden“ oder „Norderney“. Wichtiger als die Ausstattung der Szenarien ist die Wirkung der Farben, die mal Sonnenwärme, mal kühle Seeluft speichern. Dazu kommen kleinformatige Öldrucke.

Kohlestift, Bleistift und Oilstick

Barbara Gollan-Jauernig hat sich an der Alster umgetan, die Szenarien der Schifffahrt in die eigene Bildersprache übersetzt: Hafenanlagen, Schiffe, Boote, Werften erscheinen nicht in ihren technischen Details, sondern in ihren Zusammenhängen, werden mit Schraffuren umrissen – und zuweilen bis an die Grenze der Erkennbarkeit geführt, es bleiben dicke schwarze Striche auf gelbem Grund. Variiert werden Format und Technik, neben Acryl auf Leinwand gibt es Arbeiten mit Kohlestift, Bleistift und Oilstick, da wurde also Ölfarbe nicht mit dem Pinsel, sondern mit einem Stift aufgetragen. Die Doppelausstellung läuft noch bis zum 23. Juni.

Ebenfalls bis zum Sonntag sind die „Blauräume“ in der Bardowicker Galerie Kultur zu sehen: Arbeiten von Wiebke Blesse, Nana Mundhenk, Alexandra Harwardt und Heidi Fandrey, die sich vor allem um Wind und Wasser drehen, das Thema mal in seiner ganzen stürmischen Dramatik darstellen, melancholische oder auch heiter-ironische Untertöne anklingen lassen.

Farbkräftige, dynamische Mischtechniken

Noch bis zum 28. Juni zu sehen ist die aktuelle Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Esfandiary in der Dorette-von-Stern-Straße. Zu sehen sind Gemälde von Rafiy Okefolahan (Titel: „Farbkosmos“), Carine Bovey („Cabinet Erotique“), Hilmar Ebert („Farbkosmos“), Annette Streib-Ebert („Der Mensch“), Carla Leutert („Collagen im Kleinformat“) und Ute Kleist („Intrinsisch“). Intrinsisch bedeutet „von innen her, aus eigenem Antrieb; durch in der Sache liegende Anreize bedingt“. Das sind farbkräftige, dynamische Mischtechniken, die wie Schöpfungsakte wirken – Natur, Mensch und Tier eroberen sich ihren Lebensraum.

Von Frank Füllgrabe