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Marcus Theilmann (von links), Matthis Wroblewski und Johann Greve überzeugten die Bundes-Jury mit ihren Fähigkeiten, komplexe Jazz-Arrangements in ihrer kleinen Besetzung zu realisieren. Foto: ff

Sie sind viel besser als ihr Name

Lüneburg. Die Nachricht beherrscht, ganz oben und ganz groß, die Aufmacher-Homepage der Musikschule Lüneburg: „Crowd & Rüben“ erfolgreich bei Bundesbegegnung „Jugend jazz“ des Deutschen Musikrates in Dortmund. Tatasächlich gewannen der Posaunist Matthis Wroblewski aus Dehnsen, Bassist Johann Greve aus Bad Bevensen und Schlagzeuger Marcus Theilmann aus Salzhausen gleich mehrere Auszeichnungen, zum Beispiel den Konzertpreis der Musiker-Initiative Bremen und damit einen Auftritt bei dem hochkarätigen Midnight Jazzfestival der Stadt. Das ist natürlich für eine Musikschule die denkbar beste Werbung.

Von der Musikschule Lüneburg zum Studium

Alle drei spielten rund ein Jahr lang bei der Musikschul-Band „Raum 13“, benannt nach dem Saal, in dem die Truppe von Bernd Reincke in der (alten) Musikschule jazzte. Sie war schon immer eine Art Durchlauferhitzer für Talente wie etwa Charlotte Greve, die jetzt mit dem Kulturpreis des Landkreises Lüneburg ausgezeichnet wird. Bernd Reinckes Idee war es auch, dass sich Matthis, Johann und Marcus als Trio selbstständig machen sollten.

Posaune, Bass und Drums, das ist eine eher seltene Trio-Besetzung. Das Problem: Es gibt kein Harmonieinstrument wie etwa Klavier oder Gitarre, mit dem die Akkorde gespielt werden können. Okay, mehr Verantwortung bedeutet auch mehr Freiheit, so werden nun die entsprechenden Harmonietöne auf die einstimmigen Instrumente verteilt, in den Walking-Bass eingebaut und in die Melodieführung der Posaune. Das wiederum fordert den Schlagzeuger, der diese zusätzlich belastete Maschinerie unter Dampf halten muss. Und: Ein Name musste her – „Crowd & Rüben“, naja, der Wortwitz kam in Feierlaune zustande.

Der Jury in Dortmund jedenfalls gefiel das junge Trio aus Lüneburg, das sich mit einer Mischung aus Standards und Eigenkompositionen vorstellte, mit dem berühmten „Misty“ von Erroll Garner und „Little Melonae“ von Jackie McLean, mit „Nica‘s Dream“ von Horace Silver und einem „Bike-Trip“. Jazz scheint ein Aushängeschild der Musikschule Lüneburg zu sein, „rund siebzig Prozent unserer Schüler, die Profi werden wollen, stammen aus diesem Bereich“, so der stellvertretende Direktor Lothar Nierenz.

Betreuung durch ihre Lehrer

Genau das haben Johann Greve und Marcus Theilmann vor, die gerade mit dem Abi durch sind; die Aufnahmeprüfungen bei den Hochschulen stehen bevor: Nicht nur das Lieblingsinstrument wird vorgeführt, die Kandidaten müssen außerdem passabel Klavier spielen, Harmonien benennen, ein feines Gehör haben. Natürlich preisen die Drei, und da bestehen die Jungs auf Namensnennung, die gute Betreuung durch ihre Lehrer; also: Uwe Granitza und Steffen Happel für Posaune, Heinz Lichius und Oliver Karstens für den Bass, Helge Zumdieck für die Drums, und für alle drei: Bernd Reincke.

Matthis Wroblewski hat übrigens – beim Niedersächsischen Landeswettewerb – einen Einzelpreis gewonnen, einen Auftritt, der nun fällig wird: Montag, 1. Juli spielt er in der Aula der Wilhelm-Raabe-Schule – und zwar als Solist mit „Fette Hupe“, der Profi-Bigband aus Hannover. Einen weiteren ehrenvollen Einsatz, diesmal als Bundespreis, hat er bereits absolviert – als Solist der WDR-Bigband, mehr geht nun wirklich nicht.

Von Frank Füllgrabe