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Hier nimmt „Repeat“ Bezug auf das Hebbel-Stück „Die Nibelungen“. Foto: Theater

Was am Ende übrig bleibt

Lüneburg. Was hat Ihnen persönlich am besten gefallen in der letzten Spielzeit des Theaters Lüneburg? Welche Gedanken und Gefühle haben Sie aus der Vorstellung hinausbegleitet, in den Abend, womöglich sogar in ihren Alltag?

Die Jugendlichen des Theaterclubs haben zum Abschluss der Saison ein persönliches Fazit gezogen und mit dem Projekt „Repeat“ in Aktion umgesetzt: Kurze Sentenzen aus den Stücken werden gezeigt, diesmal angereichert mit eigenen Gedanken und Emotionen. Im Tanz, mit Gesang, im Rollenspiel wird hervorgeholt, was für den Einzelnen im Jugendensemble wichtig war.

„Die Opferung des Gorge Mastromas“

Bei „Die Opferung des Gorge Mastromas“ sind es Marionetten, die die Spielleiterin an unsichtbaren Fäden führt – Schlipsträger mit der roten Nase des Clowns, alle gleichermaßen machtlos gegen ihr Versagen. Sie versinken nach einem kurzen Auftritt in Bedeutungslosigkeit. Beim Ballett „Zauberberg“ ist es die tiefere Frage nach dem Sinn der Existenz der Kranken, die von tödlicher Krankheit gezeichnet voraussichtlich einen frühen Tod sterben. Flüchtet man sich, in einem Sanatorium eingesperrt, besser in belangloses Geschwätz, um die Zeit totzuschlagen? Oder beschäftigt man sich noch einmal – vielleicht zum letzten Mal in diesem Leben – mit der Frage nach Sinn des Ganzen?

Himmel und Hölle sind es auch, die die Hauptfigur Elisabeth in Ödön von Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ durchlebt. Gefangen in der Ausweglosigkeit von Rezession und Arbeitslosigkeit führt ihr Weg ins Gefängnis und von dort in den Freitod.

„Bonnie und Clyde“

Ein ähnliches Schicksal erleiden „Bonnie und Clyde“ im gleichnamigen Musical genau wie im wirklichen Leben. Auch sie werden in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kriminell, sogar legendär, doch es endet natürlich nicht gut: Für die Sehnsucht nach einem besseren Dasein gehen die beiden in den Tod. Durchsiebt von stattlichen 40 Kugeln der polizeilichen Verfolger endet ihr Leben an einem Straßenrand.

Besonders beschäftigt hat die Jugendlichen das Stück „Mongos“ von Sergej Gößner: In der Reha-Klinik trifft Ikarus auf Francis, die mit einer degenerativen Nervenkrankheit kämpft. Ikarus ist querschnittsgelähmt, nennt sich selbst und andere gern „Spast“. Die zwei nerven sich gegenseitig und werden dennoch oder gerade deshalb beste Freunde. Außenseitergeschichten sind es eben, die uns am meisten faszinieren: Das ist auch bei „Pippi Langstrumpf“ und den „Nibelungen“ nicht anders, schließlich ist Siegfried ein Held, aber kein Typ wie alle anderen.

Geschlossene Ensemble-Leistung

So manches schauspielerische Talent zeigt sich an diesem Abend, singend, tanzend, in fremde Rollen schlüpfend. Helena Charlotte Ahlgrimm, Nuray Arslan, Enrique Carneiro, Saad Fidaoui, Janek Fulda, Alexia Gaisler, Till Gehrke, Penelope Glanz, Vianne Hentschel, Lara Kaßat, Lina Kroll, Hannah Krüger, Isabell Leßmann, Noah Olsson, Annika Prangert, Celina Riegel, BenRiepenhausen, Katharina Schröder, Finn Söder sowie Julie und Liv Wiesenberg liefern eine geschlossene Ensemble-Leistung ab – und das ist es, worauf es beim Theater ankommt.

„Repeat“ ist noch zweimal, am Dienstag, den 25., und am Mittwoch, den 26. Juni, auf der Bühne des Jugendtheaters T 3 zu sehen.

Von Elke Schneefuß