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Jonas Lipps präsentiert Arbeiten, die aus einer Fülle von Materialien und Motiven schöpfen. Foto: ff

Die charmante Verweigerung

Lüneburg. Es ist nicht ganz einfach, Jonas Lipps als Künstler dingfest zu machen. Seine Arbeiten folgen keinem Programm, sie haben haben keine Titel, die Ausstellungen dann natürlich auch nicht. Aber kein Titel ist auch ein Titel. Jetzt stellt der gebürtige Freiburger in der Lüneburger Halle für Kunst aus, zeigt Malerei, Montagen, Zeichnungen, Collagen und alles, was sonst noch den Betrachter fordern könnte.

Jonas Lipps ist Sammler, daheim pflegt er einen Fundus an Papierkram, Fotos, Zeitungsausrissen, der Rest wird im Internet bestellt – Briefmarken zum Beispiel, Plakate, was den Künstler eben gerade so umtreibt. Dann: Eingesetzt werden Tusche, Aquarell, Blei- und Buntstifte, als Untergründe Papierservietten, gefundene Papiere, sogar Pizzakarton. Damit lässt sich ganz schön etwas anfangen, aber was denn nun genau?

Venezianische Gondel

Jonas Lipps spielt in der Präsentation mit Querverweisen, ein Motiv, das hier zu sehen ist, taucht anderswo wieder auf. Die scheinbar wahllose Zusammenstellung von Motiven reizt dazu, solche Verbindungen zu schaffen. Büffel, Giebel (nach Lüneburger Vorbild, sie sind aber nicht gemeint) und eine venezianische Gondel: Da könnte eine Reise gemeint sein, anderswo hängen eine Weltkarte und ein verfremdetes, übermaltes Plakat über Fahrzeiten einer Museums-Eisenbahn. Dagegen setzt Lipps das Gefängnis, das Gitter. Noch einmal die Bahn, ein ICE in Polizeifarben, Police (also: Pol-Ice) ist gemeint, das ist natürlich dem Wortwitz geschuldet.

Die Kunst ist bunt, verspielt, das Kindliche (oder an Kinder gerichtete) taucht immer wieder auf. Viele Arbeiten wirken skizzenhaft, spontan und unfertig, unausgewogen, sie verweigern sich den Regel von Komposition und Harmonie. Dafür gibt es den Blick in ein Kino, aber wo die Leinwand einen Film zeigen sollte, ist das Zertifikat für einen Orientteppich zu sehen. Was will uns der Künstler damit sagen? Nichts, das ist es ja. Aber es hat Charme, in vielen Fällen auch Witz.

Jonas Lipps, Jahrgang 1979, studierte Kunst in Berlin. Seine Arbeite wurden in New York gezeigt, in Glasgow und Prag sowie in Zürich. Die Ausstellung läuft bis 25. August. Es gibt ein kleines Rahmenprogramm: „Kinder führen Kinder“ und „Kinderclub“ mit Friederike Seneberg am Sonnabend, 17. August, 11 bis 13 Uhr, und: „Mitglieder führen“, mit Maria Smith, Mittwoch, 21. August, 19 Uhr. Anmeldung unter: vermittlung@halle-fuer-kunst.de.

Von Frank Füllgrabe

Halle für Kunst taugt auch als Sprungbrett

Große internationale Aufmerksamkeit für kleinen Kunstverein

Die Halle für Kunst, 1995 von Heike Munder und Bernd Milla gegründet, heute von Stefanie Kleefeld als Direktorin geleitet, liegt etwas versteckt an einem Hinterhof in der Reichenbachstraße. International genießt der Kunstverein aber, der pro Jahr fünf bis sechs Ausstellungen und Veranstaltungsreihen durchführt, dazu die Vermittlung von Gegenwartskunst als Ziel benennt, einige Aufmerksamkeit. Er ist Teil des Diskurses, der Debatte über „contemporary art“.

Dazu gehört auch die Einladung weltweit agierender Künstler, so kommt am 6. September die in Los Angeles arbeitende Künstlerin Puppies Puppies nach Lüneburg. Im November stellt Samuel Henne, New-York-Stipendiat des Landes Niedersachsen, in der Halle für Kunst aus. Die Halle wird regelmäßig für den AdKV-Preis (Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine) für innovative Kunstvereine nominiert.

Ihre Mitarbeiter sind zudem als Fachleute in Jury und an Universitäten gefragt, beislielsweise an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Lüneburg gilt auch als Sprungbrett: Die bisherigen künstlerischen Leiter wurden fast durchweg für hochkarätige Aufgaben engagiert, zuletzt wurde Valérie Knoll (in Lüneburg 2010-2015) Direktorin der Kunsthalle Bern.