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Sie kommen in Abendgarderobe, schauen ernst drein, und dann rocken sie los. Foto: t&w

AC/DC in Smoking und Abendkleid

Bleckede. Die Ukulelisten, so heißen sie nun mal, stehen in der Hierarchie der Zupfer ganz weit unten. Zu putzig das Instrument, zu einfach zu spielen, zu schmal das Spektrum der Klänge, irgendwie niedlich, dieser „Plinky“-Sound. Ukulele, ein Wort aus Hawaii, bedeutet „hüpfender Floh“. Das passt super zum Klischee. Genug damit!

Wie witzig, virtuos und musikantisch es klingen kann, zeigt das Ukulele Orchestra of Great Britain. Sechs Herrn im Smoking, zwei Damen im Abendkleid, betreten zum Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern mit Ukulelen aller Register die Bleckeder Bühne, und bald röhren alle, auch alle Streichquartettfreunde: „We ‘re on a highway to hell“.

Moderiert mit trockenem Witz

Seit 1985 sind die Briten unterwegs. Die Ukes, wie sie sich kurz nennen, speisen ihr Repertoire aus Pop, Rock, Folk, Punk, Country, auch aus der Klassik. Alles wird fürs Oktett arrangiert, alle sind Instrumentalisten und Sänger, und schon ist „Psycho Killer“ von den Talking Heads dran. Dann geht es Hit auf Hit, moderiert mit trockenem Witz, der auch die „fürchterliche politische Entwicklung“ in Brexitannien streift: „Wir freuen uns, unter Freunden zu sein.“ Die Freude ist ganz hörerseits.

Popgeschichte läuft ab, von den Sex Pistols („Anarchy In The UK“) zu Lady Gaga („Born This Way“), von den Eurythmics („Sweet Dreams“) zu Police („Every Breathe You Take“) und schließlich zu David Bowie („Heroes“). Zu Hawkwinds („Silver Machine“) ersetzen sie Synthiesounds mit Zischeln, Hecheln, Summen. Zum Jazzklassiker „Limehouse Blues“ wird noch die „Kühlschrankmagnet-Ukulele“ ausgepackt, kleiner geht‘s nimmer.

Das Wetter ist gnädig,

Es geht auch mal ruhig zur Sache. Eine Referenz an den berühmten britischen Ukulele-Spieler und Komiker George Formby jr. wird mit „Leaning On A Lamp-post“ integriert. Aber die Stille währt kurz: Auf dem AC/DC-„Highway To Hell“ schüttelt Dave Suich die graue Mähne. Highlight schließlich ist ein Medley, das sich aus dem Wunsch ergibt, ein George-Frideric-Handel-Solo zu spielen. Jeder singt einen anderen Hit auf das Intro, von „Killing Me Softly“ zu „Hotel California“. Erst jeder allein, dann alle zusammen – großartig!

Das Wetter ist gnädig, kein Wind lässt die Plane an der eingehausten Schlossfassade knattern, und den typischen Bleckede-Effekt gibt‘s wie immer gratis. Die Vögel singen mit, und ein Storch zieht seine Bahn über den ausverkauften Schlosshof.

Seit sieben Jahren kommen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in den Landkreis. „Ein Erfolgsmodell“, findet Bleckedes Bürgermeister Jens Böther, zugleich künftiger Landrat. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht weitergeht.“ Gute Aussichten!

Von Hans-Martin Koch