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Bei den Kennzahlen für Wirtschaftlichkeit schneidet das Lüneburger Theater im Bundesvergleich stets extrem gut ab. (Foto: t&w)

Tropfen auf dem heißen Stein

Lüneburg. Kommt Bewegung in die zähe Diskussion um die Absicherung der kommunalen Theater in Niedersachsen? Jetzt hat die Landesregierung beschlossen, die zuletzt einmalig ausgeschütteten drei Millionen Euro fest in den Etat aufzunehmen. Gleichzeitig habe das Kabinett beschlossen, Tarifsteigerungen bis 1,5 Prozent anteilig zu übernehmen. Das teilt die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers mit.

Das ist einerseits eine gute Botschaft für die Theater in Celle, Göttingen, Osnabrück, Hildesheim, Wilhelmshaven und Lüneburg. Denn bisher lag ein Vorschlag auf dem Tisch, bei dem das Land seine Beteiligung an Tarifsteigerungen einfror. Genau das war schon einmal der Fall, von 2005 bis 2011, und riss die existenzbedrohenden Löcher in die Etats der kommunalen Theater. Die drei Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Oldenburg erhielten dagegen weiter eine dynamische, Kosten durch Tarifsteigerungen berücksichtigende Förderung.

Löcher aus eigener Kraft nicht zu schließen

Wie dramatisch ein Einfrieren der Förderung ist, zeigt Volker Degen-Feldmann auf. Er ist Geschäftsführer des Theaters Lüneburg und hatte in diesem Jahr Kosten von 230 000 Euro für Tarifsteigerungen zu verbuchen, für 2020 stehen 240 000 Euro an. Die Löcher, die sich aus dem langen Ausstieg des Landes öffneten, sind aus eigener Kraft nicht zu schließen. „Wir können nicht 230 000 Euro jährlich zusätzlich erschließen“, sagt Degen-Feldmann.

Nach seinen Informationen könne es auch sein, dass vom Land nicht anteilig 1,5 Prozent der Tarifsteigerungen übernommen werden sollen, sondern eine feste Summe von 305 000 Euro fließe. Von der entfielen auf Lüneburg etwa 35 000 Euro. Das wäre der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

Um mehr als 50 Prozent habe das Theater Lüneburg in den vergangenen Jahren seine Umsatzerlöse gesteigert. „Wir sind am Limit“, sagt Degen-Feldmann. Wie gut in Lüneburg gewirtschaftet wird, zeigen Statistiken: Bei den Kennzahlen für Wirtschaftlichkeit schneidet das Lüneburger Theater im Bundesvergleich stets extrem gut ab. Der Zuschuss pro Karte liegt in Lüneburg bei etwa 62 Euro, im Bundesschnitt dagegen bei 132 Euro.

Gesamtlage bleibt sehr kritisch

Die Ungleichheit im Umgang mit Staats- und kommunalen Theater hat Oberbürgermeister Ulrich Mädge seit vielen Jahren angeprangert. Die angebotenen 1,5 Prozent hält er für „einen Witz, nicht angemessen“. Bei den Staatsheatern würden die 3,1 Prozent Tarifsteigerung voll übernommen.

Die kommunalen Theater werden, der Name sagt es, von den Kommunen mitgetragen. Stadt und Landkreis Lüneburg übernehmen gemeinsam rund 50 Prozent der gut sieben Millionen Euro umfassenden Theaterförderung. Die Stadt würde Tariferhöhungen, die das Land übernimmt, in gleichem Maße mitfinanzieren, so Mädge. Mehr erlaube die finanzielle Situation nicht.

Die Gesamtlage des Theaters bleibt somit nach wie vor sehr kritisch, auch bei dem zurzeit auf dem Tisch liegenden Vertragsvorschlag. Mädge und Degen-Feldmann sind über das Hin- und Herschieben der Probleme enttäuscht und skeptisch geworden. Mädge: „Ich habe dem Ministerpräsidenten gesagt, dass wir ihm das Theater in zwei Jahren mit schwarzem Zylinder vor die Füße legen.“

Von Hans-Martin Koch