Donnerstag , 21. November 2019
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Rebecca Lang in Aktion – hier dirigiert sie vom Flügel aus. Foto: t&w

Chillen bei Klassik und Pop

Lüneburg. Mit ihrer Ankündigung eines „ganz gechillten Abends, irgendwie klassisch in einer Jazz-Atmosphäre“ hatte Universitätsmusikdirektorin Rebecca Lang nicht zu viel versprochen. Ein buntes Musikprogramm aus alter und neuer Klassik, Pop, Musical oder Chorlied in wunderbar entspannter, heiterer Stimmung prägte den ersten offiziellen „Sommersalon“ des Leuphana-Orchesters.

Typisch für den musikalischen Salon, der besonders im 19. Jahrhundert in (groß)bürgerlichen Häusern als attraktive kulturelle Geselligkeit galt, ist eine Musikmischung, die eingängig ist und nicht unbedingt den Anspruch erhebt auf perfekte Interpretation oder absolute Stille im Publikum. So war es auch im Forum des Zentralgebäudes, dessen Größe und offene Struktur für den Salonabend bestens geeignet war. Spürbarer Frohsinn herrschte, die Zuhörer, größtenteils sichtlich vertraut mit den rund 60 Musizierenden, lauschten auf Hockern, Stühlen und Sitzkissen oder an Stehtischen.

Rebecca Lang übernahm mehrere Rollen

Neben Orchesterstücken mit und ohne Chorbeteiligung und A-Capella-Chorliedern gab es Aufführungen von Duos, Trios und einem Quintett aus Solo-streichern des Leuphana-Orchesters. Für die Ouvertüre des Abends, den dritten Satz aus Mozarts bekanntem Klavierkonzert KV 466, setzte sich Rebecca Lang an den Flügel und spielte höchst temperamentvoll den Solopart. In raschem Tempo folgte ihr das Orchester, das schnell auf die Zeichen der Dirigentin reagierte. Rebecca Lang übernahm mehrere Rollen, blätterte selbst um, gab vehement Einsätze, schob am Ende den Flügel eigenhändig in die Ecke und widmete sich dem nächsten Stück: dem 2. Satz aus Tschaikowskys Symphonie Pathétique.

Zwischenapplaus und Bravo-Zurufe

Die Solostreicher des Orchesters, Isabelle und Jeremy Stoppel, Flurin Prelle, Elisabeth Klingenberg und Leevke-Johanna Stürmer, präsentierten ihr Können in Bruno Coulais‘ lebhaftem „Lueur d‘été“ und interpretierten mit dem Chor und dem Gesangsduo Lena Vortallen und Marvin Sokolis Lady Gagas „Shallow“, Darbietungen, die wie alle anderen viel Zustimmung fanden. Der Chor machte mit „At The End Of The Day“ und „One Day More“ von Boubil & Schönberg sowie einem prägnanten Lied aus dem frühen 16. Jahrhundert von John Farmer Furore („Fair Phyllis I Saw“). Konzentriert und gefühlvoll widmeten sich kleinere Formationen reizvoller Musik von Massenet („Meditation“ mit Noa da Costa Henriques und Maxine Niggehoff, Harfe) und Poulenc (Flötensonate mit Noa da Costa Henriques und Lia Springer, Klavier) und Barockmusik von Telemann (C-Dur Triosonate mit Annekathrin Hennersdorf und Pia Metzing, Altflöten, und Samira Schmidt, Cembalo). Mit den Variationen op. 107 von Leonard von Call erfreuten Ramona Furtwängler und Sarah Kurka (Querflöten) und Sarah Jess (Gitarre).

Nicht zu vergessen das Finale: Elisa Mirabela, ehemalige Leuphana-Studentin, die nach dem großen Brand am Stint vor einigen Jahren ihr Zuhause verlor, wanderte auf die indonesische Insel Lombok aus und gründete dort eine Tageslehrstätte für einheimische Kinder. Sie schrieb zusammen mit dem Lomboker Raga Fullmoon „We Are The Future“, ein fesselnder, für ihr Projekt werbender Song für Chor und die Leuphana-Solostreicher. Zwischenapplaus, Bravo-Zurufe und langer Schlussbeifall nach fast zwei Stunden Musik zeigten die große Begeisterung der Besucher für das Können und das enorme Engagement derer, die meist ja keine Profis sind.

Von Antje Amoneit