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Die Gewinner des „Blauen Löwen“ mit Dr. Gudula Mayr, Leiterin der Kunststätte Bossard (l.) in Jesteburg und ihrer Mitarbeiterin Janina Willems. Foto: Kunstsstätte Bossard

Das Fremde kann verbinden

Rosengarten-Ehestorf. Der Blaue Löwe, Kulturpreis des Landkreises Harburg, geht 2019 an das Jesteburger Projekt „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus – eine Auch-szenische Winterreise“. Die Preisverleihung findet im November statt. In diesem Jahr ging es um interkulturelle Kunst- und Kulturarbeit.

Jeder fühlt sich immer wieder fremd

Die Jury zeichnet das musikalische Projekt mit Geflüchteten unter der Leitung der Mezzosopranistin Cornelia Salje aufgrund der hohen künstlerischen Qualität und Professionalität aus. Auch die interkulturelle Dimension und die Regelmäßigkeit, mit der die Gruppe seit mehreren Jahren zusammenkommt, sprachen für die Auswahl.

Aus der Unterstützungsarbeit für geflüchtete Jugendliche in Jesteburg entwickelte sich „‘Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus‘ – eine Auch-szenische Winterreise“. Gemeinsam mit westlichen Musikern gestalten Waheed Safdari, Yusef Amiri, Mohammed Alalie und Yacoub Yahiya unter der Regie von Cornelia Salje einen szenischen Abend. Ausgangspunkt dafür ist die „Winterreise“ von Franz Schubert und Wilhelm Müller. Das Fremde ist dabei das verbindende Element, da sich jeder immer wieder fremd fühlt und nach Zugehörigkeit sucht. Szenen der Flucht und persönliche Erlebnisse erweitern die Vorlage und bringen sie in einen aktuellen Kontext. So singen die Mitwirkenden auf Deutsch, Arabisch oder Farsi und werden von einer Trommel und Klavier begleitet.

Verständnis und Respekt

Ausgangspunkt für das Projekt waren gemeinsame Konzertbesuche mit den Jugendlichen und interkulturelle Begegnungen. So begannen Cornelia Salje und einige der Geflüchteten, mit Trommeln zu improvisieren. Cornelia Salje berichtet über die Anfänge des Projektes: „Wir hatten keine Sprache miteinander, nur Gesten, Blicke, Lächeln und ein gutes Gefühl. Yacoub Yahiya aus dem Sudan trommelte und was im ersten Moment afrikanisch klang, war im nächsten afghanisch und im übernächsten syrisch oder deutsch, denn jedweder Rhythmus lehnt sich an unseren Herzschlag an.“ Dies war der Auftakt des Projektes. Und anlässlich des „Tag des Flüchtlings“ 2016 wurden erste Lieder realisiert, weitere Stücke und verschiedene Auftritte wie in der Kunststätte Bossard folgten. Ziel des Projektes ist es, Verständnis und Respekt füreinander zu schaffen.

Preiswürdig

Neben Cornelia Salje unterstützen die Pianistin Friederike Sieber und der Bariton Christian Lange das Projekt. Friederike Sieber beschäftigt sich seit Jahren mit der Liedkunst und ist auf die Arbeit mit Sängern spezialisiert. Dafür wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Bariton Christian Lange arbeitet derzeit auch im Festspielchor der Bayreuther Festspiele. Er hat ghanaische Wurzeln und wurde als Kind adoptiert, und kann so auch eigene Erfahrungen einbringen: „Man hat sich auf eine Sprache verständigt, nämlich die Musik, und versucht gemeinsam eine Idee zu verwirklichen. Daher ist es ein sehr gutes und wichtiges Zeichen, wenn so ein Projekt gewürdigt und ausgezeichnet wird“, freut er sich.

lz/Dietlinde Terjung