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Anselm Cybinski, neuer Intendant der Niedersächsischen Musiktage, hält das Logo der Veranstaltung in der Hand: ein „m“ für „Mut“. Foto: Christophe Gateau

M wie Mut und wie Musik

Lüneburg. Wege ins Ungewisse oder Unbekannte zu beschreiten, dazu gehört eine Portion Mut. Diese Tugend ist das Motto der Niedersächsischen Musiktage. Das ältes te Klassik-Festival des Landes startet am 31. August und endet am 29. September. Das Thema Mut symbolisiert auch das Titelbild des Programmhefts, das eine schmale Fußgängerbrücke zeigt, die im Nebel endet, quasi ins Ungewisse führt, ohne erkennbares Ziel. Es verdeutlicht, bereit zu sein, vertraute Wege zu verlassen, auch wenn man nicht weiß, wohin sie führen. Das ist mutig, kann auch übermütig oder auch wankelmütig machen, denn „Mut hat viele Facetten“, sagt Anselm Cybinski, seit Sommer 2018 Intendant des Festivals.

Das Motto für 2019 stand schon lange fest

Als der gebürtige Lörracher das Zepter von Katrin Zagrosek übernahm, stand das Motto für 2019 allerdings schon fest. „Ich habe die Leitlinie, die stets in Kooperation mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, den Sparkassen des Landes und Mitveranstaltern ausgefeilt wird, sozusagen geerbt“, sagt er, könne sich aber gut damit identifizieren. Er persönlich verstehe nicht die heroische Tat oder die wahnsinnige Risikobereitschaft darunter, sondern kleine Schritte zu gehen und Veränderungen anzunehmen in einer relativ diffusen Welt, geprägt von Klimawandel, Migration, Digitalisierung auf Wegen, die unübersichtlich aber doch gegangen werden müssen.

Auftakt des Festivals ist in Wilhelmshaven, da dort zwei Jubiläen anstehen: Zum einen feiert die Stadt, die um einen Marinestützpunkt gebaut wurde, ihren 150. Geburtstag, zum anderen geht es um den 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs. Am 31. August gibt es ein Konzert mit der Jungen Norddeutschen Philharmonie und der Pianistin Alice Sara Ott – „1869 – der Klang der Zeit“ lautet der Titel. Der zweite Festivaltag beginnt mit einem Gottesdienst und geht weiter mit einem Wandelkonzert auf dem Freigelände des Deutschen Marinemuseums, das sich mit der Stadt und dem Krieg auseinandersetzt.

Einmal Jazz und einmal Alte Musik

Cybinski setzt sehr auf Zusammenarbeit, will nichts vorgeben. So gebe es einige Sparkassen, die ein Signal setzen und zeigen wollen, dass sie modern und inklusiv sind, keine elitäre Kultur in den Mittelpunkt stellen. „Da waren unterhaltsamere Angebote gefragt, die dann aber, darauf lege ich Wert, ein sehr hohes Niveau haben müssen“, erläutert der 52-Jährige.

Lüneburg habe sich für zwei klassische Formate entschieden: einmal Jazz und einmal Alte Musik. Am 3. September kommt das Marcin Wasilewski Trio mit „Flaschenpost aus Polen“ in die Ritterakademie. Sie werden einen Mix aus Eigenkopositionen und Arrangements bekannter Popnummern präsentieren. Knapp drei Wochen später, am 21. September, kann man eintauchen in die „Delirien der Liebe“, die die Akademie für Alte Musik alias Akamus und die Sopranistin Sophie Karthäuser, einer der besten Mozart-Interpretinnen, darbieten. Im Zentrum des barocken, festlichen Konzerts steht Georg Friedrich Händels Kantate „Delirio amoroso “ um eine unglückliche Liebe. Die weiteren Werke stammen aus der Musikerfamilie Bach: ein Oboenkonzert von Carl Philipp Emanuel Bach, Sohn von Johann Sebastian, sowie ein Orchestersuite Nr. 1 g-Moll von Johann Bernhard Bach, einem Cousin zweiten Grades von Carl Philipp.

Gewonnen werden konnte der Star-Pianist Igor Levit

Befragt nach Highlights oder besonderen Terminen zögert der Intendant ein wenig, bevor er Beispiele herausgreift. So konnte er den renommierten Pianisten Igor Levit gewinnen, der am 22. September in Osnabrück Schostakowitsch spielen wird. In Sachen Mut fällt Cybinski das Artemis Quartett ein, das sich nach 30 Jahren Zusammenspiel neu aufgestellt hat und zeigt, dass sich Mut zum Wandel lohnt. Zu hören am 17. September in Uelzen, mit Werken von Tschaikowski und Schubert. Außergewöhlich ist auch das „Orchester im Treppenhaus“, das seine Show „Darkroom – Blindflug ins All“ nennt. Die Gäste erhalten Schlafmasken und werden liegend ein Hörspiel im Dunkeln erleben. Und dann wäre da noch dieses und jenes, aber auf jeden Fall das Abschlusskonzert in der Staatsoper Hannover mit der Post-Minimal-Meisterin Julia Wolfe zu nennen.

Von Dietlinde Terjung

Kleine Konzertauswahl

Flaschenpost aus Polen: Marcin Wasilewski Trio, 31.8., 21 Uhr, Wilhelmshaven; 3.9., 19 Uhr, Ritterakademie Lüneburg

Dark Room – Blindflug ins All: 11.9., 20 Uhr in Verden; 26.9., 19.30 Uhr in Celle

Die rotierende Spitze: Artemis Quartett, 17.9., 19.30 Uhr, Uelzen

#frauschumann: Lise de la Salle (Klavier), NDR Radiophilharmonie, 19.9., 20 Uhr, auf dem Gut Varrel, Stuhr

Delirien der Liebe: Sophie Karthäuser, Akamus, 21.9., 19 Uhr, St. Johannis-Kirche Lüneburg

Gratwanderung hoch 24: Solo-Rezital mit Igor Levit (Klavier), 22. 9., 17 Uhr, Osnabrück, Theater am Domhof