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Joe Bausch (oben) berichtet von Geständnissen aus dem Knast. Erfundene Mordfälle präsentieren (von links) Hakan Nesser, Claudia Rikl, Michael Tsokos (basierend auf echten Fällen), Romy Hausmann und Ursula Poznanski. Foto: Wolfgang Schmidt

Ein Jahrmarkt der Angst

Lüneburg. Der 1. August ist für Lüneburger Leser seit Jahren ein besonderer Tag: Dann wird das Programm für das Krimifestival bekannt gegeben, dann startet der Vorverkauf. Die Mitarbeiter von Lünebuch vorher zu fragen, hat keinen Zweck, zu viele Reservierungswünsche – „Können Sie mir nicht zwei Karten zurücklegen?“ – machen einen geordneten, übersichtlichen Ablauf unmöglich. Jeweils rund fünftausend Besucher erschienen in den vergangenen Jahren, was einer Auslastungsquote von neunundneunzigkommaneun Prozent entspricht. Dieses Jahr, zum zehnjährigen Jubiläum, wird es wohl genauso sein.

Es soll sogar Krimifans geben, die sich für den ersten Vorverkaufstag (unter anderem bei der LZ) Urlaub nehmen. Hakan Nesser und Ursula Poznanski, Marc Elsberg und Michael Tsokos – es ist wieder die erste Garde, die zwischen dem 25. Oktober und dem 12. November nach Lüneburg kommt. Auch wenn ein schillernder Name wie Donna Leon oder Sebastian Fitzek fehlt: Simon Beckett (8. November), weltweit in 29 Sprachen übersetzt, ist mit sieben Millionen verkaufter Bücher auch nicht gerade ein Unbekannter. Joe Bausch, der Knast-Arzt, Autor und Tatort-Darsteller mit dem markanten Glatzkopf, ist wieder dabei. Er wird am 28. Oktober in der Kulturbäckerei davon erzählen, wie erbarmungslose Kerle, wie Vergewaltiger, Entführer und Mörder sich ihrem Arzt anvertrauen, nicht nur über Krankheit mit ihm sprechen wollten.

Ein Mann sperrt seine Familie ein

Ganz anders als der (zumindest auf den ersten Blick) finstere, baumlange Joe Bausch wirkt die engelsgleiche Romy Hausmann (27. Oktober). Ihr Debütroman „Liebes Kind“ allerdings ist die Geschichte einer gnadenlosen, nicht enden wollenden Folter: Ein Mann sperrt seine Familie ein, Sauerstoff nur über einen Zirkulationsapparat, alle Verrichtungen des Alltags folgen einem minutengenauen Tagesplan. Als endlich den Eingeschlossenen doch noch die Flucht gelingt, geht es mit dem Horror erst so richtig los.

Das Vamos (geschlossen) und das Audimax (zu teuer) stehen dem Lünebuch-Team nicht zur Verfügung, deshalb fehlen die ganz großen Locations, was für die Besucher, wenn sie denn ein Ticket ergattert haben, ja kein Nachteil sein muss. So ist der Filmpalast mit einem 440-Plätze-Saal für Hakan Nesser (12. November) der größte Schauplatz, auch Marc Elsberg (25. Oktober) stellt seinen Thriller „Gier“ in dem Kino vor. Simon Beckett kommt am 8. November ins Kulturforum Gut Wienebüttel.

Wieder ein Kino-Krimi

Es gibt auch neue Orte: Stefan Ahnhem („10 Stunden tot“) kommt am 26. Oktober ins Tanzcasino – eine Kooperation mit dem VfL Lüneburg. Und wer Anna Maybach und ihren Rätselkrimi „Exit – Jahrmarkt der Angst“ erleben will, sollte seinen Bademantel nicht vergessen, denn die Lesung am 30. Oktober findet in der Salztherme statt, Eintritt in die Saunawelt inklusive. Natürlich gibt es wieder einen Kino-Krimi („Fahrstuhl zum Schafott“, 31. Oktober, Scala), Angebote für Kinder (Kirsten Vogel: TKKG junior. 27. Oktober) und Krimis mit Menü: Claudia Rikl in Röhms Deli, 30. Oktober, und Stefan Nink, 6. November, Restaurant einzigartig.

Und das sind diejenigen, deren Termine hier noch nicht genannt wurden: Christian von Dithfurth (29. Oktober), Alex Beer (1. November), Margarete von Schwarzkopf (2. November), Ursula Poznanski (zwei Lesungen am 3.), Mick Herron (4.), Thomas Engström (5.) und Michael Tsokos (7.). Auch die Sprecher dürften Besucher anlocken, Hakan Nesser etwa wird begleitet von Dietmar Bär.

Von Frank Füllgrabe