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Rembrandts „Selbstbildnis mit Mütze, den Mund geöffnet“, 1630; Radierung. Foto: Christoph Irrgang

Unvollendete Geschichten

Hamburg. Die Hamburger Kunsthalle feiert ihren 150. Geburtstag mit einem Jubiläums-Festwochenende und freiem Eintritt: Sonnabend, 31. August, und Sonntag, 1. September. Zum Auftakt des Festwochenendes öffnen bereits am Freitagabend, 30. August, drei neue Ausstellungen: Auf 1300 Quadratmetern werden mit „Unfinished Stories“ große Teile der Sammlung internationaler Gegenwartskunst neu präsentiert. Im Sammlungsbereich der Klassischen Moderne beleuchtet die Ausstellung „100 Jahre Hamburgische Sezession“ die Künstlervereinigung. Und: Anlässlich des 350. Todesjahres von Rembrandt (1606–1669) widmet die Hamburger Kunsthalle dem legendären Künstler eine eigene Präsentation.

Sammeln, bewahren und forschen

Bereits am Donnerstag, 22. August öffnet im Werner-Otto-Saal die Jubiläumsschau „Beständig. Kontrovers. Neu – Blicke auf 150 Jahre“, sie gibt Einblicke in wechselhafte Zeiten der Kunsthalle und beleuchtet schlaglichtartig die heute wie damals geltenden Hauptaufgaben des Museums. Denn ein erheblicher Teil der originären Aufgaben der Museen bleibt der Öffentlichkeit in der Regel verborgen: das Sammeln, Bewahren und Forschen. Die Ergebnisse der Arbeit in diesen Bereichen sind jedoch die Grundlage für das Ausstellen. In Rückblicken werden unterschiedliche historische Perspektiven für diese Museumsaufgaben präsentiert. Gemälde, Handzeichnungen, Graphiken sowie neu aufgearbeitetes Archivmaterial, Fotografien, Film- und Zeitungsberichte veranschaulichen schillernde Zeiten, aber auch historisch schwierige Phasen des Hauses.

„Unfinished Stories – Geschichten aus der Sammlung“: Auf der gesamten Fläche des Sockelgeschosses der Galerie der Gegenwart sind Meisterwerke, selten Gesehenes und aktuelle Neuzugänge, sowie seit vielen Jahren erstmalig wieder freigelegte ortsspezifische Werke zu sehen. In mehr als zwanzig Ausstellungsräumen und mehr als 150 Werken entfaltet sich beispielhaft die Geschichte der Kunst von den 1960ern bis in die 2000er Jahre, und macht die Gleichzeitigkeit des Ungleichen, das Nebeneinander und Überlappen unterschiedlicher Stile und Strömungen anschaulich. Dabei setzt die Präsentation auf das erzählerische Potenzial der Kunst und ihre Fähigkeit, Geschichten zu entwickeln, die aber nicht beendet werden müssen und als Ausblick dienen können.

Meisterwerke aus der Sammlung

„100 Jahre Hamburgische Sezession“: Am 14. Dezember 1910 wurde die erste Ausstellung der Hamburgischen Sezession in der Kunsthalle eröffnet. In dem historischen Rundgang der Klassischen Moderne werden rund vierzig Gemälde und Skulpturen von ebenso vielen Künstlern eingefügt – darunter unter anderem Werke von Alma del Banco, Karl Ballmer, Fritz Flinte, Karl Kluth, Dorothea Maetzel-Johannsen, Anita Rée, Otto Rodewald und Gretchen Wohlwill. In der direkten Nachbarschaft zu Arbeiten von Künstlern der europäischen Moderne lassen sich Bezüge und Querverweise, aber auch Abgrenzungen erkunden.

„Rembrandt – Meisterwerke aus der Sammlung“: Am 4. Oktober jährt sich der Todestag von Rembrandt (1606–1669) zum 350. Mal. Gezeigt wird eine Auswahl herausragender Werke aus dem Sammlungsbereich Alte Meister und aus dem Kupferstichkabinett des Museums: Mit „Simeon und Hanna im Tempel“ (1627) und „Maurits Huygens“ ( Sekretär des Staatsrats in Den Haag, 1632), werden zwei Meisterwerke Rembrandts aus seiner frühen Schaffenszeit in Leiden und Amsterdam präsentiert. Die Gemälde werden um eine Auswahl von rund 60 Radierungen ergänzt, darunter Landschaftsdarstellungen, Porträts und Arbeiten zu religiösen Themen.

Am 27. August, 19 Uhr, hält Eugen Drewermann einen Vortrag zum Thema „Vom Paradies zur Hölle. Bildbetrachtung zu Meister Bertram und Otto Dix“.

Die Kunsthalle (Glockengießerwall 5) ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis 21 Uhr.

Von Frank Füllgrabe