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Schrill und nachdenklich zugleich: Der Künstler Jan Balyon. Foto: oc

Kunst muss bei den Leuten sein

Lüneburg. Gut fünfzig Brillen in der Schublade, gut hundert Krawatten im Schrank. „Ja, ich bin laut“, sagt Jan Balyon. Er surft quer durch die sogenannten sozialen Medien, erfindet sich laufend neu und bleibt sich doch treu. Der Künstler, ein lächelndes Enfant terrible und das, was man ein Original nennt, ist am Donnerstag, 8. August, 70 Jahre alt geworden. Kommt man mit ihm ins Gespräch, ist im extrovertierten Balyon ein sensibler und nachdenklicher Jan zu entdecken – der sich in ein Feierbiest verwandeln kann.

2002 kam der Niederländer nach Lüneburg. Er hatte an der Freien Akademie der Kunst in Den Haag studiert, als Grafikdesigner in einem Büro gearbeitet. „Spontan“ sei er mit seiner damaligen Frau, einer Deutschen, nach Lüneburg gezogen. Die Liebe ging dahin, Balyon blieb, seit zehn Jahren mit einem Atelier am Einang zur Altstadt.

Wissen, das alles miteinander verbunden ist

Er hat Lüneburg gemalt, geht Aufträgen nach, hat zum Beispiel für den „guten Nachbarn“ einen Kaffeebecher gestaltet. Bei sich und seiner Kunst ist er, wenn er Menschen und Bewegung malt. Als sein Kernthema bezeichnet Balyon „die Verbundenheit, das Wissen, das alles miteinander verbunden ist“.

Typisch für seine Bilder sind die Punkte, eine Art Mosaiksteinchen, die sich in Flächen ausbreiten oder als Bänder über Bilder ziehen. Balyon sieht die Punkte „als kleine Lebensmomente, die sich zu einem Gefüge verbinden“. Ein Gefüge, das sich von der Nähe ausweitet ins Große und Ganze und weiter bis in die Bahn der Planeten.

„Ich gucke vorwärts, ich bin gesund“

Balyon liebt das Action-Painting, das direkte Erfahren von Reaktionen. Er malte live zu Rockkonzerten, verband schon zu Studienzeiten Poesie und Malerei. Seit sieben Jahren entwickelt er mit der Tänzerin Yarica von der Osten-Sacken Projekte. Die Neumeier-Schülerin war Solistin am Theater Lüneburg, bildet nun mit Balyon die Leven Company. Die Familie der Tänzerin stammt aus Lettland, Balyon regte sie zu einer Spurensuche an. Das führte zu mehreren Auftritten der kleinen Company in Lettland.

Nun ist Balyon 70. „Ich gucke vorwärts, ich bin gesund“, sagt er. Er wird nicht leise werden, er will präsent sein. „Kunst muss da sein, wo sich die Leute bewegen. Ich will doch, dass die Menschen meine Bilder sehen.“

Von Hans-Martin Koch