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Ute Gayk präsentiert ihre Tapisserie „Schlei – Landschaft“. Foto: ff

Löcher sind das Schwerste

Lüneburg. Die Schlei schlängelt sich durch das Land, Eis schwimmt auf dem Wasser, Richtfeuer leuchtet in der Flensburger Förde: Ute Gayk ist ein Kind Schleswig- Holsteins, der Norden spiegelt sich in ihren Werken. Geboren in Timmendorfer Strand, hat sie immer in und um Kiel gelebt, ihr heutiges Domizil trägt den schönen Namen Gut Alt Bülk. Jetzt stellt Ute Gayk im Heinrich-Heine aus, zu sehen sind Arbeiten, deren Name nicht jedermann geläufig sein dürfte: Tapisserien.

Wer das Wort googelt, erhält den Wikipedia-Eintrag für den Begriff Bildwirkereien: Er „bezeichnet sowohl die Technik des Einwirkens von Bildern und Motiven in ein textiles Flächengebilde als auch das Erzeugnis dieser Technik, die Tapisserie. Die Bildwirkerei ist nicht zu verwechseln mit der Teppichwirkerei oder dem maschinell hergestellten Gewirk.“ Und: „Für das Erzeugnis sind auch die Bezeichnungen Bildteppich oder Wandteppich üblich.“

Manchmal wird der Pinselduktus imitiert

Ute Gayk arbeitet am Webstuhl, macht sich vorher natürlich Entwürfe ihrer Bilder, die dann als Gewebe – Wolle oder Leinen – herzustellen sind. So entstehen Gemälde, mal abstrakt, mal konkret, die vor allem Landschaften abbilden: Das Schimmern der Sonne auf der Wasseroberfläche, düstere Wolken am Himmel, ein glutrotes Abendgewitter. Früher orientierte sich Ute Gayk an den Darstellungstechniken des Konstruktivismus, da ordnete sie die Fläche in klaren Formen, „aber ich bin freier geworden“, sagt sie. Sanfte Übergänge, manchmal wird der Pinselduktus imitiert, zuweilen sind es allein die Farben, die ein Motiv transportieren. „Das Schwierigste sind die Löcher“, das klingt verblüffend, tatsächlich verwebt Ute Gayk für die Konturen nicht schwarze Fäden, sondern lässt gezielt die entsprechenden Linien frei.

Ute Gayk absolvierte eine Ausbildung zur Modistin und studierte Textildesign, ist mit ihren Arbeiten im In- und Ausland präsent, auch in Lüneburg. Für die St. Michaeliskirche stellte sie ein Antependium her, einen Altarbehang mit dem Titel „Lebenswege“.

Die Ausstellung „Farbklänge“ der Heinz Friedrich Meyer-Stiftung zur Förderung der Webkunst läuft bis 18. August, täglich geöffnet von 11 bis 17 Uhr.

Von Frank Füllgrabe