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Lüders-Stipendiat Reza Momen gibt Lüneburg eine sommerlich-mediterrane Stimmung. Foto: oc

Lüneburg an der Seine

Lüneburg. Wann immer es geht, reißt Reza Momen die Fenster auf. Er malt mit Ölfarben und die fördern nicht gerade die Gesundheit, Luft muss ins Haus. Reza Momen ist mit seinen 67 Jahren der bisher älteste Stipendiat der Treuhandstiftung Uwe Lüders. Im Rothe-Hahn-Stift mit seiner schnuckeligen Stipendiatenwohnung ist Momen noch bis Mitte September dabei, Lüneburg zu malen und ein wenig nach Frankreich zu verlegen.

Moment stammt aus Persien, studierte an der Marmara-Kunstakademie in Istanbul, lebt seit 1989 in Deutschland, in Siegen. Nun würde er nach wenigen Wochen glatt nach Lüneburg umsiedeln, „ich bin gerne hier, eine tolle Stadt“, findet er und schwärmt explizit für die Kulturbäckerei.

Motive gibt es an jeder Ecke

Reza Momen findet in Lüneburg an jeder Ecke Motive, die ihn zum Malen verführen. Es finden sich darunter viele Klassiker wie der Hafen und der Markt. Treppauf in der Wohnung sammeln sich die Bilder, eines steht auf der Staffelei, die anderen lehnen an der Wand. Momen malt immer an mehreren Bildern parallel, ausgehend von einer Grundfarbe, gerade beginnnt er eine Lüneburg-Sicht mit gelbbraunem Ocker, aber das kann sich noch gewaltig wandeln. „Ein Bild ist fertig, wenn es verkauft ist“, sagt der Maler. Bis dahin lässt sich immer etwas verbessern.

Seine Bilder sind voll, geprägt von Architektur und Menschenmengen, angedeutet wie silhouettenartige Figurinen. Seit 2000 folgt Momen dem klassischen Impressionismus, in sanfter Abstraktion. Kraftvoller Pinselstrich sorgt für Bewegung, Getupftes fast wie bei den Pointillisten hält das Auge fest.

Momen geht viel durch die Stadt, besucht Orte immer wieder, manchmal fertigt er Skizzen an.“Für mich ist aber das Detail nicht wichtig“, sagt der Maler. Ihm geht es um den Gesamteindruck. Im Ergebnis kann zum Beispiel das Rathaus eine gedrungene Gestalt bekommen. Schrangenplatz oder die Salzstraße am Wasser werden, gern mit den Cafés, in Bilder umgesetzt, die ausschließlich auf Atmosphäre setzen. Lüneburg erinnert plötzlich an Paris. An der Seine hat Momen auch schon gemalt. Seine stimmig komponierten, von französischen und deutschen Klassikern beeinflussten und darum wie aus der Zeit gefallenen Reisebilder sind immer Reisen in Licht und Farbe.

Abschluss mit einer Ausstellung

Bilder von Momen, der in Siegen seine eigene Galerie hat, finden sich auf regionalen Kunstmessen, demnächst in Wiesbaden und Magdeburg. Auf der HanseArt in Lübeck – Standmieten ab 790 Euro – kam Stifter Uwe Lüders auf den Maler zu. Das Stipendium schließt in der Regel mit einer Ausstellung ab. Die ist noch nicht datiert. Die seiner Vorgängerin im Rote-Hahn-Stift schon: Julia Pasinski stellt vom 29. August bis 1. September im Artrium der KulturBäckerei aus.

Von Hans-Martin Koch

Uwe-Lüders-Kunststipendium

Arbeiten ohne Druck

Die Treuhandstiftung Uwe Lüders, angedockt an die Sparkassenstiftung Lüneburg, lobt ein dreimonatiges Arbeitsstipendium für Maler aus. Erklärtes Ziel des aus Lübeck kommenden Unternehmers und Stifters ist es, den vorwiegend aus dem norddeutschen Raum kommenden Künstlern für drei Monate den wirtschaftlichen Druck zu nehmen, optimale Arbeitsbedingungen zur Verfügung zu stellen, um ihnen bessere Perspektiven für den weiteren Werdegang zu bieten. Neben freiem Wohnen bekommen die Stipendiaten monatlich 1500 Euro, einen Materialzuschuss von 1000 Euro, eine Ausstellung und einen Katalog. Seit 2016 wurde das Stipendium zwölfmal vergeben an zehn Frauen und zwei Männer.