Donnerstag , 21. November 2019
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Christoph Vetter (von links), Philip Richert und Matthias Herrmann wagten eine Roy-Black-Schnulze. Foto: t&w

Gala der guten Laune

Lüneburg. Dieser wieder mal zu heiße Sommer bringt es mit sich, dass die Regenschirme streiken. Jedenfalls wollten ein paar der bunten Schirme sich nicht spreizen lassen, als zum Ende der mit viel Beifall und Jubel begleiteten Gala im Theater Sänger und Tänzer „Singin‘ In The Rain“ anstimmten. Die Minipanne hob die ohnehin gute Laune noch im auch nicht gerade unterkühlten, wie immer zur Gala proppevollen Saal. Künstlerisch, das zeigte das gut zwei Stunden lange Potpourri, kann das Theater optimistisch in die neue Saison ziehen. Über Geld wolle man an diesem Abend nicht reden, sagte Intendant Hajo Fouquet bei der Begrüßung und tat es dann doch.

Das liegt am Freundeskreis. Heiderose Schäfke und Mitstreiter hatten einen symbolischen Scheck dabei: 15.000 Euro. Ein gutes Intro nach der Ouvertüre der Lüneburger Symphoniker, die sich über den Abend durch die ganze Bandbreite der Theatermusik spielten. Der erste Star der neuen Spielzeit, das wurde wenig später klar, wird ein Gast: Countertenor Leandro Marziotte. Er sang gerade bei den Händel-Festspielen in Göttingen und übernimmt mit Franka Kraneis – ab 21. September – die Titelrollen der von Olaf Schmidt inszenierten Gluck-Oper „Orpheus und Eurydike“. Schon eine Woche zuvor, am 14. September, singen beide im Fürstensaal barocke Bravour-Arien von Göttern und Helden.

Der größte Brocken heißt Wagner

Große Oper gibt es natürlich auch. Als größter Brocken der kommenden Spielzeit steht Richard Wagners „Fliegender Holländer“ auf dem Plan, ab 7. März. Mit dabei sein wird in der Inszenierung von Hajo Fouquet Signe Heiberg als Senta, sie ließ schon einmal ihre unfassbare Power und ihr gestalterisches Potenzial hören. Karl Schneider wird ebenfalls viel Beifall verdienen. Er ist ja schon immer neben seiner sängerischen Qualität ein guter, lustvoll agierender Darsteller. Am 2. November wechselt er einmal komplett ins Schauspiel und wird als Onkel Harvey für „Schöne Bescherungen“ sorgen, der ganz schön schwarzen Komödie von Alan Ayckbourne.

Auch Schauspieler können singen

Dass auch Schauspieler singen können und dass sie es sogar bei der ersten Schauspielpremiere tun werden, zeigten Matthias Herrmann, Philip Richert und Christoph Vetter. Wie sie die Roy-Black-Schnulze „Du bist nicht allein“ in „Biedermann und die Brandstifter“ unterbringen, das ist ab 27. September zu hören und zu sehen. Lauter solche Schmankerl erfreuten bei der Gala, das Ballett war natürlich dabei, der Chor und viele Solisten. Auszüge aus dem Musical „Doktor Schiwago“, dem neuen Schauspiel „Aus Staub“, der Komödie „Sein oder Nichtsein“ waren zu erleben und einige Szenen aus Wiederaufnahmen. Schon am 8. September etwa rockt wieder „The Black Rider“, und als „running gag“ des Abends irrten wiederholt die Nonnen aus „Non(n)sense“ über die Bühne.

Die Gala beschließt das Theaterfest. Das hat schon Tradition und ist immer der am schnellesten ausverkaufte Termin einer neuen Spielzeit. Das „Ausverkauft“ wird rot unterlegt ohnehin wieder oft im Spielplan stehen – das hat ja schon begonnen: Die Premiere der „Drei von der Tankstelle“ am 11. Januar im T.NT ist ausgebucht. Das freut den Regisseur Friedrich von Mansberg, der mit Hilke Bultmann den Abend moderierte – gut gelaunt natürlich.

Den härtesten Gala-Job, auch das hat Tradition, übernahm wieder Philip Richert. Er war bei Schauspielszenen dabei, natürlich beim „Black Rider“ und zur Show nach der Show ließ er den Schweiß fließen: Im Zelt rockte wie in all den Jahren As You Like It, der samt fettem Bläsersatz vielleicht oder ganz bestimmt besten Coverband weit und breit. „Let Me Entertain You“ sang Richert – und das Publikum bzw. die Fans entertainten mit. Gegen die Hitze im Zelt ist dieser Sommer zu kühl.

Von Hans-Martin Koch