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Der prominenteste Besuch war gleich vier Stunden im neuen Ostpreußischen Landesmusuem: Im Februar führt Dr. Joachim Mähnert Lettlands Staatspräsident Raimonds Vejonis und dessen Ehefrau Iveta Vejone durch die neuen Räume. Foto: Gregor Sunder-Plassmann

Kulturleuchturm in der Stadt

Lüneburg. An diesem Wochenende genau vor einem Jahr verließen im Morgengrauen die letzten Handwerker das Ostpreußische Landesmuseum durch den Hintereingang. Da war im Foyer schon alles hergerichtet für die Wiedereröffnung nach dreijähriger Bauzeit. Viel Lob gab es gleich vom ersten Ehrengast: „Sie können sich mit den Museen in der Hauptstadt durchaus messen“, würdigte Kultur-Staatsministerin Monika Grütters (CDU) das neue „OL“, wie das Museum seinen sperrigen Namen selbst abkürzt.

Fast 15.000 Besucher mehr aus allen Generationen

Hausherr Dr. Joachim Mähnert ist da etwas bescheidender, zieht aber eine positive Jahresbilanz: „Ich glaube, unser Museum wird jetzt als Kulturleuchtturm in der Stadt wahrgenommen und auch so propagiert.“ Die Zahlen sprechen jedenfalls für sich. Besuchten das OL vor seiner Schließung im Schnitt 30.000 bis 40.000 Besucher, zählt der Museumsdirektor an die 15.000 mehr. Ganz genaue Zahlen gibt es hier nicht, da nach Kalenderjahr abgerechnet wird. Mähnert registriert nicht nur mehr Gäste, sondern auch andere. „Es kommt längst nicht mehr nur die so genannte Erlebnisgeneration, sondern auch viele, die keinen direkten Bezug zu Ostpreußen haben.“

Die Reaktionen seien bislang durchweg positiv, freut er sich mit Blick auf das Gästebuch. „Ich habe auch keine bösen Briefe bekommen.“ Dass Geschichte etwa auch mit Playmobilfiguren dargestellt wird, kommt offenbar nicht nur bei jüngeren Besuchern an. Und beim Thema Flucht und Vertreibung hat Mähnerts Mannschaft auch einen Bogen in die jüngste Gegenwart geschlagen. „Wir wollen keine Mythenbildung“, unterstreicht der Leiter und setzt darauf, dass dieses Vorurteil vom OL allmählich abfällt.

Der Blick nach Osten soll weiter geschärft werden

Nur einen Bruchteil aller Exponate kann das Museum trotz des Erweiterungsbau ausstellen. Und auch die lassen sich unmöglich alle beim ersten Besuch erfassen. „Die Leute kommen aber wieder“, stellt der Leiter fest. Bei der Mischung aus Geschichte, Naturkunde und Kunst sei schließlich für jeden etwas zu entdecken. Einer, der sich besonders lange im OL aufgehalten hat, war Lettlands Staatspräsident Raimonds Vējonis. Ganze vier Stunden ließ er sich im Februar durch das Museum führen. Vējonis interessierte sich natürlich besonders für die neue deutsch-baltische Abteilung. Für Mähnert war das ein wichtiger Durchbruch: „Das wollen wir – eine europäische Ausstrahlung.“

„Luft nach oben“ sieht der Museumsdirektor nicht nur mit dem Blick auf die Pläne für den Kant-Bau, der 2024 fertig sein soll. „Wir haben bisher kleine Brötchen gebacken“, sagt er mit dem Blick auf Sonderausstellungen, die im ersten Jahr auf Sparflamme liefern. Mit Absicht. Zunächst sollte die auf 2000 Quadratmeter vergrößerte Dauerausstellung im Mittelpunkt des Besucherinteresses stehen.

Mehrsprachige Museumsführer

Einige Medienstationen sind auch nach einem Jahr noch nicht in Betrieb. Hier sucht Mähnert noch Finanzquellen. „Eile kostet Geld“ sagt er mit Blick auf das Bautempo im vergangenen Jahr. Dazu gehören auch mehrsprachige Museumsführer. Hierfür sollen Tablets eingesetzt werden. Und Abnutzungserscheinungen bleiben auch nicht aus, so gibt es bei den Mitmachstationen den ersten Verschleiß. Auch die Klimaanlage soll nach 30 Jahren erneuert werden.

Musuemsleiter Mähnert kann inzwischen auch mehr Schulklassen begrüßen, die das OL als außerschulischen Lernort nutzen. „Wir haben gezielt die Schulen angeschrieben und hatten die Geschichtslehrer ins Haus eingeladen.“ Darüber hinaus plant der eine Kooperation mit der Volkshochschule. „Unser Blick nach Osten bleibt“, betont er. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls soll dieser Blick auch auf die osteuropäischen Länder und die damaligen Entwicklungen geweitet werden.

Nach dem Neugiereffekt des ersten Jahres soll jetzt auch die Werbung anlaufen. Dazu gehört auch eine engere Vernetzung mit den anderen Lüneburger Museen. Mähnert: „Lüneburg hat da ein Angebot, das nicht nicht verstecken muss“, schwebt ihm eine bessere Außendarstellung vor: „Kulturstadt in der Provinz“, das wäre doch etwas, findet er.

Von Marc Rath